2026-10-16 13:45:00 Automobile

Abgehoben: Der Tesla Roadster kann fliegen

Carzoom.de
Fotos: Tesla via Autoren-Union Mobilität

Als der Countdown endet, herrscht völlige Dunkelheit. Dann flammen im Hintergrund der Bühne gleißende Scheinwerfer auf. Im Lichtkegel: Ein weißer Sportwagen, direkt vor ihm ragt die Fahrbahn steil in den Himmel und überschlägt sich quasi. Die Konstruktion sieht aus wie ein halber Looping, der am höchsten Punkt einfach endet. Da hinauf fährt jetzt das Auto. Senkrecht, kopfüber – als sei das gar kein Problem. Ganz oben fährt es einfach weiter, fliegt durch die Luft, dreht sich um seine eigene Achse und landet butterweich auf dem Boden. Die Präsentation des neuen Tesla Roadster am Donnerstagabend auf dem Testgelände der Firma Space X im texanischen Texas war ein Spektakel.

Elon Musk, der Chef des Elektroautoherstellers Tesla und zugleich auch der Raumfahrtfirma Space X, stand mit schwarzer Jeans und schwarzem T-Shirt auf der Bühne vor mehreren hundert Gästen unter freiem Himmel und führte durch eine Show, die fast schon aufreizend lässig präsentierte, was passiert, wenn man ein Highend-Elektroauto zusätzlich mit Raketentechnik aufrüstet.

Die „Rocket“-Variante des Tesla Roadster ist nämlich mit rund zehn Kaltgas-Triebwerken ausgestattet, aus denen je nach Bedarf extrem komprimierte Druckluft entweicht. Und im Unterboden gibt es nicht nur solche Druckluftturbinen, sondern auch Saugtriebwerke, die das Auto auf die Fahrbahn drücken – auch wenn diese den Wagen senkrecht oder über Kopf stehen lässt, wie beim ersten Stunt.

Kurz darauf hob das Auto noch einmal ab. Zunächst fuhr es auf fünf quer auf der Fahrbahn geparkte Tesla-Modelle zu, darunter auch der Elektro-Lkw Semi. Unmittelbar vor der Barriere aus Fahrzeugen stieg der Tesla Roadster senkrecht in die Luft, flog dann mit einer spektakulären Rolle über die geparkten Autos hinweg, landete hinter ihnen und fuhr weiter, als wäre nichts gewesen.

„Wir brauchen für dies Präsentation Publikum. Ihr müsst den Leuten erzählen, dass das hier wirklich passiert und keine KI dafür verantwortlich ist“, hatte Elon Musk gleich zu Beginn erklärt. Denn tatsächlich wirkte es geradezu irreal, wie ein weißer Sportwagen, der ein bisschen aussieht, als hätte man den Tesla Cybertruck platt gemacht, durch die Luft fliegt, dabei Tricks vollführt und dann wieder auf den Rädern rollt wie jedes andere Auto auch. Was für das Spektakel nicht gebraucht wurde, war ein Mensch. Denn das Auto wurde ferngesteuert, auf dem Sitz hinterm Yoke-Lenkrad war lediglich ein Dummie im weißen Rennanzug und mit weißem Helm festgeschnallt.

Musk sagte unter anderem, der Spaßfaktor mit diesem Auto erreiche auf einer Skala von 1 bis 10 den Wert 11. Was man eben so sagt, wenn man Technik verkaufen möchte, die im Grunde sinnlos ist. Denn wer braucht ein Auto mit Raketenantrieb? Wer braucht Kaltgastriebwerke um mal kurz abzuheben? Und wer braucht ein Auto, dass in weniger als einer Sekunde aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt? Elon Musk braucht so ein Auto. Und zwar vor allem deshalb, um davon abzulenken, dass der neue Tesla Roadster im Grunde ein Desaster für seine Firma ist.

Der allererste Tesla Roadster, der im Sommer 2006 vorgestellt wurde, war noch exakt das Gegenteil. Nämlich der Beginn der sagenhaften Erfolgsstory von Tesla und zugleich der Startpunkt der Elektromobilität, wie wir sie heute kennen. Beim damaligen Auto handelte es sich im Prinzip um einen Lotus Elise, in den Tesla 6831 Laptop-Akkus eingebaut und so zum Elektro-Sportwagen umgemodelt hatte. Der Wagen bot rund 350 Kilometer Reichweite und spurtete in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Damit war klar: Elektromobilität ist cool und begehrenswert. Viele etablierte Autohersteller begriffen das erst nach Jahren.

Und Tesla? Hat den einstigen Vorsprung längst eingebüßt. Elektroautos gibt es heute in jeder Form, Größe und Ausprägung. Andere Hersteller setzen neue Techniktrends. Tesla wirkt inzwischen eher als Nachahmer. Was auch damit zu tun hat, dass die zweite Generation des Tesla Roadster bereits 2017 erstmals vorgestellt wurde – vor neun Jahren. Danach wurde der Serienstart immer wieder verschoben und neu angekündigt. Und auch diesmal blieb es im Grunde bei einer Vertröstung: Ja, der Tesla Roadster wird gebaut, allerdings erst ab 2028.

Wohl auch deswegen gab es bei dem gut 20-minütigen Spektakel in Texas kaum handfeste Daten. Was bekannt ist: Den neuen Tesla Roadster wird es in drei Ausführungen geben – nämlich als „Performance“, „Thrust“ und „Rocket“. Alle Varianten werden ausfahrbare Spoiler bekommen sowie das Saugdüsen-System im Unterboden, um die Straßenlage und die Traktion bei hohen Geschwindigkeiten zu optimieren. Eine Höchstgeschwindigkeit wurde nicht genannt, Musk sagte lediglich, das Auto werde halb so schnell wie der Schall fahren können – also mehr als 600 km/h. Den aktuellen Geschwindigkeitsrekord für Serienautos hält der chinesischen Elektro-Sportwagen Yangwang U9 Xtreme mit 496,22 km/h.

Die bei der Präsentation vorgestellte Rocket-Variante soll gebaut werden. Wobei unklar ist, ob es überhaupt und wenn ja dann wo, eine Straßenzulassung für dieses Flugobjekt auf Breitreifen geben wird. Kaufen können den Raketen-Roadster Interessierte ohnehin nur auf Einladung von Tesla. Und dass es extrem teuer wird, ist auch klar. Ein Preis wurde zwar nicht genannt, doch eine siebenstellige Summe dürfte es wohl sein.

Die Varianten ohne Flugmodus hingegen können bereits bestellt werden. Eine Reservierung ist nach einer Anzahlung auf der deutschen Webseite möglich. Erst werden 5000 Euro fällig, dann weitere 45.000 Euro binnen zehn Tagen für die „Performance“-Variante und 245.000 Euro für das Modell „Thrust“, das über einen Beschleunigungsbooster verfügt. Wobei auch da noch unklar ist, wo diese Technik überhaupt auf der Straße eingesetzt werden darf. Aber das wird sich in den kommenden zwei Jahren klären. So lange muss die Welt weiterhin auf den neuen Tesla Roadster waren. (aum)

Veröffentlicht am 16.10.2026

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