AvD: Die Politik darf nicht allein auf Papierwerte setzen
„Damit liegen die tatsächlichen Emissionen sechsmal höher als auf dem Papier und nähern sich denen von herkömmlichen Verbrennungsfahrzeugen an“, stellt der AvD fest. Untersucht wurden reale Verbrauchsdaten von rund 220.000 Fahrzeugen. Besonders problematisch ist aus Sicht des Automobilclubs, „dass sich die Lücke zwischen offiziellen Angaben und der Realität in den vergangenen Jahren stetig weiter vergrößert hat“. Die Verkehrspolitik dürfe deshalb nicht länger allein auf rechnerische und irreführende Laborwerte oder einzelne Antriebstechnologien setzen.
Auch beim Elektroauto ist nach Meinung des AvD eine differenzierte Betrachtung notwendig. Eine jüngst von der Technischen Universität München (TUM) ausgewertete Studie kommt zu dem Ergebnis, dass batterieelektrische Fahrzeuge ihre CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus im Durchschnitt lediglich um 41 Prozent gegenüber Verbrennern reduzieren. Die Europäische Union bewertet sie hingegen in ihrer derzeitigen Regulierung allein anhand der Auspuffabgase als emissionsfrei. Bei der TUM-Studie wurde der komplette Lebenszyklus betrachtet, also die Fahrzeug- und Batterieproduktion, die Energieerzeugung sowie das Recycling eingerechnet.
Gleichzeitig prognostiziert das Umweltbundesamt für 2035 einen Bestand von konventionell angetriebenen Pkw in Höhe von 58 Prozent. Und das trotz eines angenommenen Verbots neuer Verbrenner. 2040 wäre es nach diesem Szenario immer noch jedes dritte zugelassene Auto. Dies verdeutliche die zentrale Herausforderung, dass Klimaschutz auch mit der bestehenden Fahrzeugflotte funktionieren müsse, so der AvD. Er fordert daher seit Langem, dass alternative, klimaverträgliche Kraftstoffe wie fortschrittliche Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe konsequent erforscht, zugelassen und verfügbar gemacht werden. Bereits der konsequente Einsatz von E20-Beimischungen, also bis zu 20 Prozent nachhaltigem Bio-Ethanol zu fossilem Benzin, könne die CO2-Emissionen um bis zu 20 Prozent reduzieren. Und das ohne weitere Kosten etwa für eine technische Umrüstung. Selbst das Umweltbundesamt untersucht ausdrücklich alternative Kraftstoffe als Bestandteil eines treibhausgasneutralen Verkehrs und bewertet dabei den gesamten Lebenszyklus. Sie sollten daher Teil zukünftiger Lösungen sein.
„Verbraucher brauchen bezahlbare und alltagstaugliche Möglichkeiten, ihr vorhandenes Fahrzeug klimafreundlicher weiterzufahren, statt allein durch politische Vorgaben zum Neukauf gedrängt zu werden. Entscheidend darf nicht sein, welcher Antrieb auf dem Papier am besten aussieht oder Marketingvorgaben entspricht, sondern welche Lösung über den gesamten Lebenszyklus tatsächlich CO2 spart, für die Menschen bezahlbar ist und schnell Wirkung entfalten kann“, betont AvD-Präsident Lutz Leif Linden. (aum)
Veröffentlicht am 11.09.2026
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