2026-10-27 08:15:00 Automobile

Blindflug im Feierabend: Warum Müdigkeit am Steuer lebensgefährlich ist

Carzoom.de
Fotos: AvD via Autoren-Union Mobilität

Der Kopf kreist noch um die To-do-Liste der Arbeit, während draußen der Spätherbst den Asphalt in Dunkelheit hüllt. Nach den Ferien hat der stressige Pendleralltag Deutschland wieder fest im Griff. Doch wer erschöpft ins Auto steigt, setzt unbewusst sein Leben aufs Spiel. Eine aktuelle Statistik des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) schockiert: Jeder vierte Autofahrer ist hinter dem Lenkrad bereits eingeschlafen. Warum wir das Risiko unterschätzen und wie wir sicher ankommen.

Der Heimweg nach einem langen Arbeitstag ist für viele Pendler eine tägliche Routine. Man funktioniert einfach. Genau darin liegt jedoch die größte Gefahr. Wenn die Konzentration nachlässt und die Sicht im winterlichen Halbdunkel schlechter wird, verwandelt sich die Fahrt nach Hause schnell in einen gefährlichen Blindflug. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) mahnt deshalb zu mehr Ehrlichkeit mit sich selbst: Sicher anzukommen muss immer oberste Priorität haben – der Zeitfaktor ist nebensächlich.

Wie dramatisch die Lage auf Deutschlands Straßen tatsächlich ist, untermauern die Zahlen des DVR. Satte 26 Prozent der befragten Pkw-Fahrer gaben in einer repräsentativen Studie zu, den gefährlichen Sekundenschlaf bereits selbst erlebt zu haben. Die Dunkelziffer bei Unfällen dürfte enorm sein. Experten schätzen, dass bis zu einem Viertel aller Verkehrstoten auf das Konto von Müdigkeitsunfällen gehen. Das Problem: Im Gegensatz zu Alkohol oder Drogen lässt sich Übermüdung nach einem Crash nur sehr schwer nachweisen.

Erst durchatmen, dann starten

Der AvD rät Autofahrern daher, vor dem Umdrehen des Zündschlüssels kurz innezuhalten. Ein ehrlicher Selbstcheck hilft: Bin ich gedanklich noch im Büro? Kochen die Emotionen nach einem Meeting noch hoch? Wer gestresst ist, sollte nicht sofort loshasten. Schon wenige Minuten bewusste Ruhe und tiefes Durchatmen können helfen, den emotionalen Ballast des Arbeitstages abzulegen und den Fokus wieder voll auf die Straße zu richten.

Gegen die biologische Erschöpfung hilft mentaler Abstand allein allerdings nicht. Um sicher durch den Winter zu kommen, sind eine vorausschauende Routenplanung, ausreichend Schlaf und konsequente Pausen unerlässlich. Sobald die Augenlider schwer werden, häufiges Gähnen einsetzt oder erste Verkehrszeichen übersehen werden, hilft nur noch eins: rechts ranfahren. Denn kein Feierabend der Welt ist es wert, dafür sein Leben zu riskieren. (aum)

Veröffentlicht am 27.10.2026

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