2026-04-27 13:22:00 Automobile

Bürstner verabschiedet sich vom Wohnwagen

Carzoom.de
Fotos: Auto-Medienportal.Net/Michael Kirchberger

Bei Bürstner neigt sich eine Ära ihrem Ende entgegen. Im Zuge der strategischen Neuausrichtung setzt das Unternehmen künftig nur noch auf Reisemobile und Campervans – die Produktion von Wohnwagen wird ab der Saison 2027 bis auf Weiteres eingestellt. Die Versorgung mit Ersatzteilen sowie sämtliche Serviceleistungen für die Wohnwagen „bleibt vollumfänglich bestehen“, heißt es in einer Erklärung.

Der Grundstein für das Unternehmen wurde 1958 gelegt, als die ersten Caravans in Einzelfertigung in der Bauschreinerei von Jakob Bürstner im Ortsteil Neumühl der badischen Grenzstadt Kehl entstanden. 1961 kam es zur Serienfertigung und der Messepremiere auf dem Caravan-Salon aus, der damals noch in Essen beheimatet war. Die Wohnwagen aus Kehl und später außerdem aus dem elsässischen Wissembourg, waren preisgünstig und solide, 1977 meldete Bürstner 8500 produzierte Caravans und einen Umsatz von rund 70 Millionen D-Mark. Bereits 1982 stieg der Absatz auf 15.000 Einheiten, der Umsatz auf knapp 150 Millionen D-Mark. Weitere Produktionsflächen im Kehler Rhein-Hafen kamen hinzu, 1986 wurde ein Teil der Fertigung dorthin verlagert. 1989 beschäftigte Bürstner insgesamt rund 1150 Mitarbeiter, die an beiden Standorten 20.000 Einheiten produzierten. Der Umsatz erreichte mehr als 300 Millionen D-Mark.

Doch der dramatische Rückgang der Nachfrage nach Wohnwagen traf Anfang der 1990er Jahre auch Bürstner. Es folgte die Übernahme durch den Investor Otto Happel (der ursprünglich aus dem Klimaanlagenbau stammte) und das gleichzeitige Ausscheiden der Familie Bürstner im Jahr 1993, so wurde ein Konkurs vermieden. Klaus-Peter Bolz, seit 1995 neuer Geschäftsführer, sorgte mit ungewöhnlichen Ideen für zunehmendes Kundeninteresse an der Traditionsmarke. Als erster in der Caravaning-Branche setzte er auf die Unterstützung durch eine Innenarchitektin. Elke Steinlein gestaltete daraufhin neue Grundrisse sowie beeindruckende Farb- und Möbelwelten, entwickelte den Caravan Flirt mit seinem um acht Grad versetzten Grundriss und schuf die Voraussetzungen für Alleinstellungsmerkmale der Marke. Manfred Lang übernahm mit seinem Design-Studio pro industria die Außengestaltung der Freizeitfahrzeuge bei Bürstner, zu denen mittlerweile auch Reisemobile gehörten.

Am 1. Februar 1998 wurde Bürstner von der Hymer AG übernommen. In Kehl-Neumühl ließ Klaus-Peter Bolz 2004 das erste Kunden-Service-Center der Branche errichten, hier konnten die Besucher auf hauseigenen Stellplätzen übernachten, sich in der Ausstellung neue Fahrzeuge ansehen und in der angeschlossenen Werkstatt Servicearbeiten oder Reparaturen durchführen lassen.

Bürstner gilt als Erfinder des Hubbetts, das zuerst in der Ixeo-Wohnmobil-Baureihe eingeführt und später auch in den Wohnwagenmodellen Premio Plus sowie Averso Plus angeboten wurde. Das verschaffte ihnen ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt, sie waren besonders bei Familien mit Kindern und kleineren Zugfahrzeugen beliebt. Bereits 1988 hatte Bürstner als erster Hersteller das neue Reisemobilformat der Teilintegrierten entwickelt. Bislang gab es nur Alkovenfahrzeuge oder integrierte Modelle. Nun wurde an das Original-Fahrerhaus des Basisfahrzeugs ein Wohnaufbau angesetzt.

Nachdem die Hymer Group zum Bestandteil der amerikanischen Thor Gruppe wurde, wurden die Investitionen und Ergebnisse auch bei Bürstner auf den Prüfstand gestellt. Das führte zu einem Wechsel in der Geschäftsführung, seit 2025 ist nun Hubert Brandl, der auch beim erfolgreichen Hersteller Niesmann + Bischoff das Sagen hat, Chef in Kehl. Er hat das Reisemobilangebot auf drei Baureihen geschrumpft und die Wohnwagen in acht Grundrissen zwischen 25.000 und 29.000 Euro nur noch als Sondermodelle zum 66. Geburtstag der Marke angeboten. Da der Absatz von Caravans in den vergangenen Jahren branchenweit immer weiter gesunken ist, will er das Produktportfolio von Bürstner gezielt auf sich verändernde Bedürfnisse und das Nutzungsverhalten der Kunden ausrichten. Das heißt: das Unternehmen konzentriert sich künftig nur noch auf Reisemobile und Campervans. Segmente also, in denen sich die Marke auszukennen glaubt, in denen vor allem aber mehr Profit zu erwarten ist. Vor diesem Hintergrund hat man entschieden, das Caravan-Segment nach 69 Jahren bis auf weiteres einzustellen. (aum)

Veröffentlicht am 27.04.2026

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