2026-08-31 08:29:00 Automobile

Caravan Salon: Dethleffs hat die Zukunft des Caravaning im Blick

Carzoom.de
Fotos: Dethleffs via Autoren-Union Mobilität

Der Aufbau aus Aluminiumstreifen und rezyklierten PET-Flaschen spart bei einem sieben Meter langen Camper bis zu 45 Kilogramm Gewicht. Gekocht wird im Konzept-Fahrzeug auf Induktionsfeldern, gegrillt in der ausfahrbaren Außenküche.

Mit der Reisemobilstudie "c.core" setzt Dethleffs die Reihe der auf dem Caravan Salon präsentierten Konzept-Fahrzeuge fort, die statt eines Anspruchs auf Seriennähe eher als Experimentierplattformen dienen. Auf ihnen sollen neue Technologien erprobt und ihre Realisierbarkeit getestet werden, um daraus Erkenntnisse für zukünftige Reisemobilkonstruktionen zu ziehen. Der c.core zeigt daher neben Autarkie-Konzepten fürs Caravaning einen nachhaltig konstruierten Aufbau.

Für den haben die Entwickler einen völlig neuen Weg gewählt. Necto heißt die Technik, die in Formen geprägte und miteinander verklebte Aluminiumbleche nutzt. Als Vorbild diente hierbei das leichte und solide Knochenskelett eines Vogels. Die Technologie basiert auf einer Trag- und Deckschicht aus 0,8 Millimeter dünnem Aluminiumblech, die punktuell mit einem nicht wärmeleitenden Klebstoff verbunden werden. Die zwischen Trag- und Deckschicht eingebetteten Luftblasen wirken zugleich als gewichtsneutrale Wärmeisolation. Beim Aufbau eines sieben Meter langen Reisemobils lassen sich mit dieser Technik etwa 25 bis 45 Kilogramm Gewicht einsparen.

Der Werkstoff lässt sich außerdem in nahezu jede Form pressen, das erlaubt gestalterischen Spielraum und damit aerodynamisch günstigere Formen. Die Fenster liegen flächenbündig im Aufbau, Türen und Klappen verzichten auf klassische Griffe und öffnen sich stattdessen per Druckimpuls, ergänzt um eine Zuziehhilfe. Als Dachluken hat Dethleffs besonders flache Deckel gewählt, wie sie im Schiffsbau verwendet werden. Auch in der Fertigung bringt Necto entscheidende Vorteile, wie eine Studie aus dem Jahr 2023 ergeben hat. Nicht nur Gewicht lässt sich einsparen, auch ein bis zu 30 Prozent höherer Automatisierungsgrad kann erreicht werden.

Die sortenreine Trennbarkeit der eingesetzten Werkstoffe schafft die Grundvoraussetzungen für effizientes Recycling. Zwischen Trag- und Deckschicht unterbinden Dichtungen aus recyceltem Polypropylen die Luftzirkulation im Inneren der Struktur und ermöglichen so die isolierende Wirkung. Zum Innenraum hin ist die Außenhaut zusätzlich mit zehn Millimeter starken Platten aus recyceltem Polyethylenterephthalat (PET) verkleidet. Im ausgestellten Konzeptfahrzeug wurden rund 1800 recycelte PET-Getränkeflaschen wiederverwertet.

Zur nachhaltigen Energiegewinnung setzt Dethleffs eine Photovoltaikanlage aufs Dach des c.core, deren mittleres und größtes Modul zur Stromgewinnung aus Sonnenlicht auf der Beifahrerseite seitlich herausfahren kann. Dabei fächert sich, links und rechts vom Mittelpaneel, jeweils ein Faltmodul aus dreieckigen Paneelen auf, die zuvor platzsparend übereinander gestapelt auf dem Dach gelagert waren. Ausgefahren liefert die sogenannte „Solarblume“ bis zu 600 Watt elektrische Energie und übernimmt zugleich die Funktion der sonst üblichen Markise, indem sie schattige Sitzplätze vor dem Reisemobil schafft. Den gewonnenen Strom speichern vier Feststoff-Lithium-Batterien mit einer Kapazität von 400 Ah, was bei einer Spannung von 12,8 Volt einer Energiemenge von rund 5,2 kWh entspricht.

Neue Wege schlägt Dethleffs auch bei der Frischwasserversorgung ein. Eine On-Bord-Aufbereitungsanlage macht den c.core weitgehend unabhängig von externen Quellen. Die ins Druckwassersystem integrierte Anlage stellt jederzeit Reinstwasser bereit, das um zwei Qualitätsstufen hochwertiger als gewöhnliches Trinkwasser ist. In Reinstwasser können Keime sich nicht vermehren, sodass es nicht verderben und stets bedenkenlos getrunken werden kann. In einem mehrstufigen Filterprozess verwandelt die Anlage Grauwasser aus dem Abwassertank zunächst in Frischwasser, das im Frischwassertank gespeichert wird. Auf dem Weg zum Wasserhahn durchläuft es zwei weitere Filterstufen und wird so zu keimfreiem Reinstwasser. Die Filter sind arbeiten eine vollständige Urlaubssaison hindurch wartungsfrei, ein jährlicher Austausch wird jedoch empfohlen. Ihren Ursprung hat die Technik in der bemannten Raumfahrt.

Die Sitzgruppe des c.core kann mit wenigen Handgriffen verschoben und umgestaltet werden. Die Polster lassen sich biegen und zusammenrollen, die freitragende Tischplatte verschwindet bei Nichtgebrauch in einer Wandnische und schafft so im vorderen Wohnbereich zusätzlichen Freiraum. Statt des üblichen Flachbildschirms als Fernsehgerät bietet der c.core Unterhaltung mit einem Ultrakurzdistanz-Beamer und einer Leinwand über der Tür an der Seitenwand.

In der Küche sind Induktionskochfeld und Spüle unter zur Seite hin verschiebbaren Abdeckungen verborgen, deren linker Teil erweitert dabei die Arbeitsfläche. Am Kopfende des Küchenblocks ist ein 100 Liter großer Kompressor-Schubladenkühlschrank eingebaut, der von allen Seiten und auch von außen bequem be- oder entladen werden kann. Auf der Beifahrerseite wartet außerdem eine ausziehbare Außenküche auf ihren Einsatz. Auch hier gibt es zwei Induktionskochstellen und obendrei eine Grillplatte. Beheizen lässt sich der c.core unterdessen umweltverträglich mit hydriertem Pflanzenöl, die entsprechende Heizung steuert Truma bei.

„Mit dem c.core zeigen wir, wie viel Bewegung in unserer Branche steckt, wenn man sich traut, Bestehendes infrage zu stellen“, sagt Dethleffs-Chef Bernhard Kibler. Bleibt zu hoffen, dass sich die revolutionäre Technik als funktional erweist und in nicht allzu langer Zeit in die Serienproduktion einfließt. Denn mit ihrer Hilfe würde Camping eine neue Dimension erreichen. (aum)

Veröffentlicht am 31.08.2026

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