Diese Caravaning-Innovationen sollten Sie kennen
Ein Camper mit Dachterrasse, ein Wohnwagen aus dem Windkanal, eine aufblasbare Campingküche und Designs von romantisch bis rustikal, von opulent bis off-road – auf dem Caravan Salon in Düsseldorf werden auch ausgefallene Vorlieben bedient. Die Camping- und Caravaning-Branche dringt in immer mehr und immer speziellere Nischen vor mit ihren Innovationen und Produkten. Deshalb lohnt sich bei einem Bummel durch die Messehallen in Düsseldorf auch der Blick zwischen die Mainstream-Marken, denn dort stecken die Überraschungen.
Frische Ideen kann die Branche gebrauchen, denn das Geschäft, das bis vor wenigen Jahren noch von einem Rekordergebnis zum nächsten eilte, stagniert inzwischen. Immerhin hat sich der Markt auf einem vergleichsweise hohen Niveau stabilisiert. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 50.118 Reisemobile und 13.211 Wohnwagen neu in Deutschland zugelassen. Die Werte liegen leicht unter den entsprechenden Vorjahreszahlen – was durchaus nachvollziehbar ist. Der Caravaning Industrieverband (CIVD) verbreitet dennoch Zuversicht und erklärte, dass „angesichts schwacher Konjunktur, verhaltener Konsumstimmung und geopolitischer Unsicherheiten“ der Rückgang „überschaubar“ sei.
Die Branche jedenfalls gibt sich Mühe, um die Stimmung wieder aufzuhellen. Möglicherweise setzt der Aufschwung sogar dort ein, wo es zuletzt die größten Einbrüche gab – nämlich bei den Wohnwagen. Angesichts des Vanlife-Booms der vergangenen Jahre blieben die Caravans immer weiter zurück, doch es könnte ein Comeback bevorstehen, und das liegt auch an der Elektromobilität. Denn immer mehr Wohnwagenhersteller bieten Modelle an, die sich dezidiert dafür entwickelt wurden, von einem E-Autos ins Schlepp genommen zu werden.
Der finnische Hersteller Karoo präsentiert in Düsseldorf seinen aerodynamisch optimierten Wohnanhänger, der ebenso schick wie durchdacht gestaltet ist und einen geräumigen Wohn-Schlaf-Raum für zwei bietet, dazu ein Bad sowie eine Küchenzeile, die sich bei Bedarf nach draußen schieben lässt und dann als Outdoor-Küche genutzt werden kann. Auch die beiden türkischen Wohnwagenhersteller Carpento und Ankaravan zeigen auf dem Caravan Salon Wohnwagenmodelle, die gleichermaßen kompakt, windschlüpfig und leicht sind – und damit ideal geeignet für den Caravan-Urlaub mit dem E-Auto.
Auch das Angebot an elektrischen Campervans nimmt zu. VW etwa feiert in Düsseldorf die Weltpremiere des ID.California Cruise, und etliche Ausbaufirmen haben den vollelektrischen Kleinbus bereits Aufklappdach und Wohnausbau im Angebot. Dazu kommt jetzt der Kia P5, den zum Beispiel die Firma Alpincamper bereits zum Mini-Wohnmobil umgerüstet hat: mit 400 Kilometer Reichweite, geschmackvoller sowie wandelbarer Einrichtung und zu einem Preis ab 62.00 Euro.
Unverkennbar der anhaltende Caravaning-Trend zu Offroad-Fahrzeugen. Ob der sechsrädrige Expeditions-Pick-up auf Basis eines Ford Ranger Super Duty mit einer überaus robusten und auf Autarkie bedachten Wohnkabine von Kerkann. Oder Extrem-Wohnwagen wie das australische Modell Bruder EXP-8 mit 350 Liter Frischwassertank, Schmutzschleuse, 1680-Watt-Solarpaneele und 29-kWh-Akku an Bord. Drinnen bietet der 7,35 Meter lange Highend-Caravan höchsten Komfort, von außen gibt er sich maximal unverwüstlich. Etwas milder in der Ausführung, doch optisch kaum dezenter tritt der Campass HKN 850 an. Das Modell des österreichischen Herstellers Campass fährt mit Teakboden, Lederpolstern und einer Isolierung vor, die Frostsicherheit bis minus 20 Grad Celsius garantieren soll.
Zwei Neuheiten, die beispielhaft die Spannweite der Innovationen illustrieren, seien noch genannt. Zum einen die aufblasbaren Campermöbel der Firma Stuff Bubble. Das Start-up hat zum Beispiel eine aufblasbare, zweiteilige Küchenzeile für den VW California entwickelt, die lediglich 7,4 Kilo wiegt, sich im Nu aufpumpen lässt, und dann mit bis zu 120 Kilogramm belastet werden kann. Gefertigt werden die cleveren Möbel aus Spezialtextilien, die ursprünglich für Gleitschirme entwickelt wurden. Und der Clou: Werden die Möbel nicht gebraucht, lässt man einfach die Luft raus und stellt sie in die Ecke. Sie sind dann nämlich kaum größer als ein Aktenkoffer.
Die andere Neuheit, die vielleicht nicht ganz so verblüffend ist, dafür aber noch weitaus größeren Einfluss auf die Branche haben könnte, findet sich in Halle 11 des Messegeländes. Dort zeigt die chinesische Firma Lidu den Wohnwagen Aqulia 360. Der kompakte Caravan mit 5,24 Meter Gesamtlänge verfügt über eine Aluminium-Karosserie und zwei große Klappen an der Rückwand, die das gesamt Heck öffnen und den Wohnraum quasi mit einer Terrasse erweitern. Entworfen wurde der Wohnwagen von der deutschen Designfirma DDS, gebaut wird er nun von Lido in China. Und in Kürze kommt der Wohnanhänger auch nach Europa, und zwar zunächst in die Niederlande. Der umfangreich ausgestattete und vielfältig individualisierbare Wohnwagen soll ab 38.000 Euro angeboten werden. Was die Automobilbranche bereits erlebt, nämlich einen Konkurrenzkampf mit chinesischen Herstellern, das könnte auch bald der Campingbranche blühen. (aum)
Veröffentlicht am 02.09.2026
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