Fahrbericht BYD Dolphin G DM-i: Kleinwagen-Konkurrent mit Kabelanschluss
Tatsächlich könnte der 4,16 Meter kurze Fünftürer damit einen Nerv treffen. Ein Plug-in-Hybrid im Format von Polo, Corsa oder Clio verspricht eine Mischung aus Alltagstauglichkeit und Langstreckenreserve, die es in dieser Fahrzeugklasse bislang kaum gibt. BYD setzt dabei auf die bereits aus dem Atto 2 bekannte DM-i-Technik. Vorn arbeitet ein 120 kW (163 PS) starker Elektromotor, dazu ein 1,5-Liter-Benziner mit 95 PS (70 kW), der meist als Generator arbeitet und sich nur bei Bedarf direkt in den Vortrieb einmischt. In den höheren Versionen steckt eine 18,3-kWh-Batterie für bis zu 105 Kilometer elektrische Reichweite, insgesamt sollen damit sogar mehr als 1000 Kilometer drin sein.
Das Design orientiert sich erkennbar an europäischem Geschmack. Die Front ist glattflächig gezeichnet, mit schmalen LED-Scheinwerfern, einer breiten schwarzen Spange und sauber integrierten Lufteinlässen. Die Haube fällt etwas stärker ab als beim bekannten Elektro-Dolphin, was dem Wagen eine eigenständigere, sachlichere Linie gibt. In der Seitenansicht zeigt sich ein klassisches Steilheckformat mit kurzen Überhängen und einer deutlich ausgeprägten Schulterlinie. Ein Knick im hinteren Türbereich soll etwas Spannung in die Fläche bringen, die abgedunkelte C-Säule streckt das Profil zusätzlich. Halbversenkte Türgriffe und je nach Ausstattung 16- oder 18-Zoll-Räder fügen sich unauffällig ins Bild. Am Heck spannt sich ein durchgehendes Leuchtenband über die gesamte Breite, dazu kommen ein dezent gezeichneter Dachspoiler und ein kräftiger Stoßfänger.
Im Innenraum setzt BYD auf eine klare, aufgeräumte Gestaltung. Das Cockpit wirkt aufgeräumt, luftig und modern, ohne in verspielte Designkapriolen abzurutschen. Vor dem Fahrer sitzt ein 8,8-Zoll-Instrumentendisplay, in der Mitte je nach Version ein 10,1- oder 12,8-Zoll-Touchscreen. Die Materialauswahl bleibt klassenüblich, viel Hartplastik inklusive, doch Verarbeitung und Anmutung passen insgesamt zum Anspruch. Nur manche Details, etwa die kleinen Versteller der Lüftungsdüsen, wirken etwas zu filigran. Viele Funktionen sind logisch sortiert, dazu gibt es eine Shortcut-Leiste, über die sich wichtige Punkte schneller anwählen lassen. Das hilft, weil das Auto viele Einstellungen über den Bildschirm bündelt. Wenn auch nicht alle. Für wichtige Funktionen wie Start, Frontscheibenbelüftung, Fahrmodi oder den Wechsel zwischen Elektro- und Hybridbetrieb gibt es echte Tasten und Kippschalter. Auch das Lenkrad verzichtet auf empfindliche Touchflächen und nutzt klassische Knöpfe, was die Bedienung präziser macht.
Ganz frei von Kritik ist das Bedienkonzept trotzdem nicht. Einige Assistenzsysteme treten im Alltag zu aufdringlich auf. Immerhin lassen sich Funktionen wie der Tempowarner oder der Spurhalteassistent mit wenigen Eingaben deaktivieren. Das funktioniert schneller als bei vielen Wettbewerbern, bleibt aber trotzdem ein Thema, weil man sich immer wieder damit beschäftigen muss. Auch die Logik des Spurhalteassistenten irritiert, weil er nur in einem begrenzten Geschwindigkeitsfenster funktioniert und sich bei höherem Tempo abschaltet. Positiv fällt dagegen das in der Topversion erhältliche Head-up-Display auf, das groß, klar und in dieser Klasse fast schon luxuriös erscheint.
Das Platzangebot ist für einen Kleinwagen gut. Vorn sitzen selbst groß gewachsener Fahrer ordentlich, im Fond geht es ebenfalls akzeptabel zu. Die Rückbank ist nicht besonders großzügig geschnitten, insgesamt reicht das Raumgefühl aber für diese Klasse aus. Der Kofferraum gehört mit 425 Litern zu den stärkeren Argumenten des Autos. Dazu kommt ein zusätzliches 45-Liter-Fach unter dem Ladeboden. Werden die Lehnen umgeklappt, wächst das Ladevolumen auf bis zu 1225 Liter. Wer einen praktischen Kleinwagen sucht, bekommt hier mehr Nutzwert als bei vielen direkten Konkurrenten.
Bei den Sitzen zeigt sich ein gemischtes Bild. Sie sind ordentlich gepolstert und für längere Strecken grundsätzlich brauchbar. In Kurven fehlt es allerdings an Seitenhalt. Das passt nicht ganz zur Fahrwerksabstimmung, denn der Dolphin G DM-i ist eher straff ausgelegt. Auf guten Straßen sorgt das für ein recht stabiles, verbindliches Fahrgefühl. Der Wagen lenkt ordentlich ein, bleibt auch bei schnellerer Gangart sauber auf Kurs und vermittelt mehr Rückmeldung als man in dieser Klasse inzwischen oft bekommt. Sobald der Belag aber schlechter wird, zeigt die Abstimmung ihre Kehrseite. Querfugen, harte Kanten und grobe Unebenheiten reichen deutlich in den Innenraum durch. Auf schlechteren Nebenstraßen wirkt der BYD deshalb spürbar unnachgiebig.
Der Antrieb hingegen passt grundsätzlich gut zum Fahrzeug. Auf den ersten Metern macht der Dolphin G DM-i genau das, was ein Plug-in-Hybrid tun soll: Er fährt erst einmal elektrisch an – leise, spontan und im Stadtverkehr angenehm gelassen. Der Elektromotor liefert aber auch genügend Druck, um den Kleinwagen munter aus Kreuzungen und Einfädelspuren zu katapultieren. Die Werksangabe von 8,3 Sekunden für den Standardsprint erscheint realistisch. Gerade im urbanen Betrieb wirkt der BYD damit souveräner als viele klassische Kleinwagen, die sich erst durch Drehzahl und Getriebe sortieren müssen. Das direkte Ansprechverhalten passt gut zum Konzept.
Auch akustisch macht der BYD dabei einen ordentlichen Eindruck. Der Benziner hält sich im Hintergrund meist zurück, solange er hauptsächlich als Generator arbeitet. Erst bei stärkerem Leistungsabruf oder höherem Autobahntempo wird er deutlicher hörbar, wenn auch nicht unangenehm aufdringlich. Hinzu kommen Windgeräusche, die ab etwa 100 km/h stärker auffallen, vor allem im Bereich des großen Glasdachs. Das System wirkt insgesamt kultivierter als viele günstige Hybridlösungen, aber nicht so fein, dass man den Verbrenner völlig vergisst
Kleinere Schwächen leisten sich Rekuperation und Bremse. Die Energierückgewinnung fällt selbst in der stärkeren Stufe eher schwach aus. Wer im Stadtverkehr ein deutlicheres Verzögern beim Lupfen des Fahrpedals erwartet, bekommt eher ein höfliches Mitbremsen. Und das Bremspedal wirkt beim Übergang zwischen elektrischer und mechanischer Verzögerung wenig präzise. Kein gravierender Mangel, aber gerade bei einem elektrifiziertem Antrieb fällt so etwas stärker auf.
Beim Verbrauch hinterlässt der Dolphin G DM-i dagegen einen guten Eindruck. Im elektrischen Betrieb bleibt der Strombedarf alltagstauglich, im Hybridmodus wirkt auch der Benzinverbrauch plausibel niedrig. Entscheidend ist aber wie bei jedem Plug-in-Hybrid, dass das Auto regelmäßig geladen wird. Nur dann spielt das Konzept seine Vorteile tatsächlich aus. Wer das nicht tut, fährt am Ende vor allem einen komplexen Hybrid mit Zusatzgewicht.
Spannend ist die Preisfrage. Mit 28.990 Euro in der Basisversion „Active“ ist der Einstieg nicht niedrig, auch wenn die Serienausstattung recht üppig ausfällt. Die mittlere Ausführung „Boost“ für 31.990 Euro dürfte für viele Käufer die interessantere Wahl sein, weil sie den größeren Akku, bis zu 105 Kilometer elektrische Reichweite und zusätzliche Komfortdetails mitbringt. Darüber folgen Comfort für 33.490 Euro und Sport für 34.490 Euro, letzterer vor allem mit optischer Schärfung statt technischem Mehrwert. Doch jetzt kommt die zweite Rechnung: BYD gewährt nach aktuellem Stand auch für den kleinen Plug-in-Hybrid einen Herstellerbonus von 5500 Euro. Kommt dazu die mögliche staatliche Förderung von bis zu 4500 Euro, ließe sich im günstigsten Fall der Einstiegspreis damit rechnerisch auf 18.990 Euro drücken. Mit diesen Abzügen wird aus dem Dolphin G DM-i ein scharf kalkuliertes Angebot, bei dem selbst potenzielle Käufern von Polo, Corsa und Co. ins Grübeln kommen sollten. (aum)
Daten BYD Dolphin G DM-i Sport
Länge x Breite x Höhe (m): 4,16 x 1,83 x 1,58
Radstand (m): 2,61
Antrieb: Plug-in-Hybrid mit 4-Zyl.-Benziner, 1498 ccm, Automatik, Frontantrieb
Systemleistung: 156 kW / 212 PS
Systemdrehmoment: 210 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,3 Sek.
Batteriekapazität: 18,3 kW/h
Elektrische Reichweite: 105 km
WLTP-Stromverbrauch: 16 kW/h
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 1,4 Liter
CO2-Emissionen: 32 g/km (WLTP)
Leergewicht (EU)/ Zuladung: min. 1555 kg / max. 485 kg
Kofferraumvolumen: 425-1225 Liter
Preis: ab 34.490 Euro
Veröffentlicht am 13.06.2026
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