Fahrbericht Fiat 500 Hybrid: Endlich wieder Made in Italy
Der kleine Fiat ist einer der letzten Vertreter seiner Art. Das A-Segment steht unter einem ganz besonderen Preisdruck. „Die Preise für Kleinwagen sind in den vergangenen Jahren um 60 Prozent gestiegen, und gleichzeitig ging das Produktionsvolumen um 90 Prozent zurück. Von einst 70 Modellen haben in Europa gerade sechs überlebt“, zog Gaetano Thorel, Europa-Chef von Fiat und Abarth eine nüchterne Bilanz bei der Vorstellung des neuen Fiat 500 mit Hybridantrieb.
Für die neue Variante kombinierten die Entwickler einen 65 PS leistenden Ein-Liter-Dreizylinder mit einem Elektromotor, der den Verbrenner beim Anfahren und beim Beschleunigen unterstützt. Die Kraftübertragung übernimmt ein manuelles Sechs-Gang-Getriebe, das wie der 500 ebenfalls in Turin gefertigt wird. Der Dreizylinder kommt aus einem süditalienischen Fiat-Werk, und so erfüllt der kleine Fiat die mitunter seltsam anmutenden Italianita-Vorstellungen der Regierung in Rom.
Bei der Entwicklung des Hybridmodells standen die Ingenieure vor der besonderen Aufgabe, die rein für den Elektroantrieb entwickelte Plattform für einen Verbrennungsmotor zu modifizieren. „Wir mussten die Bodengruppe anpassen, um Platz für das Sechs-Gang-Getriebe und die Abgasanlage zu finden“, beschreibt der Fiat- und Abarth-Manager Francesco Morosino die Herausforderung der Entwickler. Das Design übernahmen die Kreativen des Hauses vom elektrischen 500 und verzichteten darauf, die klassischen Linien des Kleinwagens zu verändern.
Das angestammte Revier des 500 ist die Stadt, und für diese Umgebung passen auch die überschaubaren Fahrleistungen. Zwischen 0 und 100 km/h vergehen 16,2 Sekunden, und bei 155 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Das reicht, um sich im urbanen Dschungel zu behaupten. Das Getriebe lässt sich überraschend flüssig schalten – das war mal anders, und mit einer überschaubaren Länge von 3,60 Metern passt der Fiat in kleine Parklücken. Der Wendekreis ist ebenfalls stadtfreundlich. Bei einer ersten Ausfahrt durch das quirlige Turin zeigte der kleine Fiat seine Eigenschaften als „street fighting boy“. Die Lenkung ist präzise, das Fahrwerk schluckt die Defizite der Infrastruktur, und der kernige Dreizylinder hält sich akustisch angenehm zurück.
Die Materialien sind angesichts des Kostendrucks in diesem Segment einfach, aber sauber verarbeitet, so dass eine durchaus angenehme Atmosphäre entsteht. Die Informationszentrale vor dem Lenkrad lässt sich gut ablesen. Über den zentralen, 10,25 Zoll messende, Bildschirm lassen sich die wichtigsten Einstellungen bedienen. Darunter ist eine Leiste mit analogen Schaltern angeordnet. Allerdings lässt sich der Bildschirm bei intensiver Sonneneinstrahlung nur schwer ablesen. Darüber befindet sich die Fläche für die Aufladung des Smartphones, die mit der Silhouette der Stadt Turin eingefasst ist. Der 500 Hybrid, ist, so Morosino „smartphone-freundlich“, was nichts anders bedeutet, dass die Navigation über das Handy erfolgt.
Der Fiat 500 kommt in drei Ausstattungsversionen auf den Markt. Der Pop kommt mit Stahlrädern, schwarzen Stoffsitzen und einer manuellen Klimaanlage zu den Kunden. Die Variante Icon (21.990 Euro) rollt auf Leichtmetallrädern, dem 10,25 Zoll großen Bildschirm und einem Tempomat auf den Markt. In der Top-Version La Prima (24.990 Euro) sitzen Fahrer und Passagier auf Kunstledersitzen, die sich beheizen lassen, und ein vollständiges Assistenzprogramm rundet die Ausstattung ab. Zum Start steht auch die Einführungsversion 500 Hybrid Torino (nomen est omen) für 21.990 Euro bei den Händlern. Neben der Limousine runden wie bisher ein Cabrio (Aufpreis 3000 Euro) und die Variante 3 plus 1 mit einer hinteren Tür auf der Beifahrerseite die Palette ab. (aum)
Daten Fiat 500 Hybrid
Länge x Breite x Höhe (m): 3,6 x 1,68 x 1,53
Radstand (m): 2,32
Antrieb: R3-Benziner, 1000 ccm, Hybrid, FWD, 6-Gang-Getr.
Gesamtleistung: 48 kW / 65 PS
Max. Drehmoment: 92 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 16,2 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,3 Liter
CO2-Emissionen: 119 g/km
Leergewicht/Zuladung: min. 1066 kg / max. 400 kg
Preis: Ab 19.900 Euro
Veröffentlicht am 27.11.2025























