Fahrbericht Honda Prelude: Hybrid-Coupé zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Schon beim Einsteigen zeigt die sechste Generation des Prelude, dass sie kein digitaler Showroom sein will. Das Cockpit, weitgehend aus dem Civic übernommen, wirkt vertraut. die Bedienung ist angenehm analog. Physische Tasten klicken satt, Drehregler für Klima und Sitzheizung erleichtern die Nutzung erheblich. Alles sitzt dort, wo man es erwartet, die Wege sind kurz, die Logik nachvollziehbar. Der recht kleine 9-Zoll-Infotainment-Bildschirm und dessen Anzeigen wirken inzwischen zwar schon etwas altbacken, doch die Menüstruktur wirkt aufgeräumt und bietet Apple CarPlay, Android Auto und eine Bose-Soundanlage serienmäßig.
Auch die Sitzposition überzeugt sofort. Tief, angenehm integriert, mit sehr gutem Seitenhalt. Ungewöhnlich ist, dass Fahrer- und Beifahrersitz unterschiedlich zugeschnitten sind. Links straff und konturiert, rechts weicher und komfortbetont. In der praktischen Ausübung sind die Unterschiede zwar spürbar, jedoch weniger gravierend als gedacht. Die Materialqualität bewegt sich auf solidem Niveau, ohne Premium-Attitüde, aber auch ohne Anlass zur Kritik.
Im Alltag spielt der Prelude seine Karten ebenfalls ordentlich aus. Mit der großen Heckklappe lässt er sich brauchbarer beladen als viele andere Coupés. Das Kofferraumvolumen ist mit 264 Litern zwar karosserietypisch mickrig, wird mit umgeklappten Rücksitzlehenen aber bis zu 760 Liter groß. Die Rücksitze sind wegen mangelnder Kopf- und Beinfreiheit für Erwachsene ohnehin praktisch unbrauchbar. Die große Heckklappe erleichtert den Zugang, allerdings muss alles über eine hohe Heckkante gewuchtet werden. Realistisch betrachtet ist der Wagen also ein Zweisitzer mit Zusatzoption.
Auf der Straße spielt der Prelude seine eigenwillige Persönlichkeit aus. Der Hybrid-Antrieb stammt aus dem Civic e:HEV, bei dem ein Elektromotor mit 184 PS und 315 Nm Drehmoment den Großteil des Vortriebs übernimmt. Der 2,0-Liter Benziner mit 143 PS fungiert im gleichmäßig laufenden Atkinson-Zyklus meist als Generator und klinkt sich nur situativ direkt ein. Das Ergebnis ist ein Fahrgefühl, das eher an ein Elektroauto erinnert als an einen klassischen Verbrenner.
So wirkt der Antritt spontan, kräftig, fast überraschend energisch. Der spontane E-Schub lässt den Prelude leichtfüßig wirken, im Stadtverkehr fühlt sich das angenehm souverän an, beinahe mühelos. Auch auf Landstraßen geht er willig voran, gerade aus engen Ecken heraus schiebt der Antrieb sauber an, ohne dieses typische Wartemoment, das viele Verbrenner-Hybride so lethargisch macht. Doch je länger man fährt, desto klarer wird: Dieser Vortrieb ist effizient, aber nicht sonderlich packend.
Honda versucht, diese Lücke mit Technik zu schließen – und zwar mit der neuen S+ Shift-Funktion. Dahinter verbirgt sich eine Simulation eines Achtgang-Automatikgetriebes inklusive Schaltwippen, Zugkraftunterbrechung und akustischer Inszenierung. Der Clou: Obwohl physisch kein klassisches Getriebe existiert, imitiert das System Gangwechsel erstaunlich glaubwürdig. Beim Hochschalten sackt die Drehzahl hörbar ab, beim Runterschalten gibt es eine Art Zwischengasstoß, begleitet von kurzen Momenten ohne Vortrieb. Klingt nach Spielerei, funktioniert in der Praxis aber verblüffend gut. Nach wenigen Kilometern erwischt man sich dabei, ganz selbstverständlich durch die „Gänge“ zu klicken. Die Rückmeldung passt, die Eingriffe wirken nicht künstlich, sondern überraschend organisch. Gerade auf kurvigen Landstraßen entsteht so ein Rhythmus, der dem Auto deutlich mehr Charakter verleiht, als es die nackten Zahlen vermuten lassen.
Und genau dort zeigt der Prelude seine stärkste Seite. Das Fahrwerk, weitgehend aus dem Civic Type R übernommen, gehört zum Besten, was aktuell in dieser Klasse zu finden ist. Die Vorderachse arbeitet präzise, baut viel Grip auf und hält die Linie auch dann, wenn das Tempo steigt. Untersteuern bleibt lange aus, wirkt gut kontrollierbar und nie störend. Die Lenkung ist direkt, aber nicht übertrieben scharf. Sie liefert saubere Rückmeldungen, ohne nervös zu wirken. Zwar fehlt ein letzter Hauch an Intensität und wer auf maximale Rückmeldung fordert, wird hier nicht vollständig abgeholt. Der Prelude bleibt stets auf der sicheren, kontrollierten Seite – eher Gran Turismo als Kurvenräuber.
Dazu passt die Abstimmung der serienmäßen adaptiven Dämpfer. Sie balancieren gekonnt zwischen Komfort und Kontrolle. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, ohne dass die Karosserie ins Schwingen gerät. Selbst auf längeren Strecken wirkt das Fahrwerk entspannt und gelassen, ohne seine Präzision einzubüßen. Dieses breite Einsatzspektrum gehört klar zu den Stärken des Autos. Auch die Bremsanlage überzeugt. Die aus dem Type R bekannten Komponenten packen kräftig zu, lassen sich gut dosieren und arbeiten sauber mit der Rekuperation zusammen.
Weniger überzeugend ist dagegen die Hochgeschwindigkeitsdisziplin. Auf der Autobahn fehlt es dem Antrieb an Nachdruck. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 8,2 Sekunden passt nicht zum sportlichen Anspruch, und jenseits der Landstraßentempi wirkt der Prelude zunehmend angestrengt. Die Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h unterstreicht diesen Eindruck.
Hinzu kommt die akustische Seite. Der Vierzylinder klingt grundsätzlich ehrlich und mechanisch, aber unter Last auch angestrengt und etwas monoton. Die künstlich erzeugten Schaltvorgänge kaschieren das teilweise, ersetzen jedoch nicht das Gefühl eines drehfreudigen Verbrenners. Gerade bei längerer fordernder Fahrt wirkt das Klangbild eher funktional als emotional.
Seine Trümpfe voll ausspielen kann das Hybridkonzept dagegen beim Verbrauch. Im gemischten Betrieb sind Werte um sechs Liter realistisch, bei zurückhaltender Fahrweise auch darunter. Honda nennt kombiniert 5,2 Liter nach WLTP und selbst engagierter Einsatz treibt den Verbrauch nicht sofort in absurde Höhen..
Auch bei der Ausstattung zeigt sich eine gewisse Eigenwilligkeit. Wichtige Komfortfeatures wie elektrische Sitzverstellung, Head-up-Display oder elektrische Heckklappe fehlen komplett. Das mag als Reduktion aufs Wesentliche gemeint sein, wirkt in dieser Preisklasse jedoch eher wie ein Makel. Denn der Einstieg von 49.500 Euro ist ambitioniert. Allerdings gibt’s dafür – erwähnte Features ausgenommen – ansonsten eine üppige Ausstattung, inklusive eines nahezu kompletten Sicherheits- und Assistenzpakets.
Am Ende bleibt ein Auto, das sich nicht eindeutig festlegen lässt. Im Fahrbetrieb überzeugt es mit sauber abgestimmtem Fahrwerk, logischer Bedienung und überraschend gut funktionierender Getriebesimulation. Der Prelude fährt sich leicht, effizient und angenehm präzise. Gleichzeitig verhindert der Hybridantrieb jene emotionale Zuspitzung, die man von einem Coupé dieser Form erwartet. (aum)
Daten Honda Prelude
Länge x Breite x Höhe (m): 4,53 x 1,89 x 1,35
Radstand (m): 2,60
Antrieb: R4-Benziner, 1993 ccm, Hybrid, FWD, Aut.
Leistung Benziner: 105 kW / 143 PS bei 5900 U/min
Max. Drehmoment: 186 Nm bei 4500 U/min
Leistung E-Motor: 135 kW / 184 PS
Max. Drehmoment: 315 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,8 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,2 Liter
CO2-Emissionen: 117 g/km
Leergewicht / Zuladung: 1545 kg / 305 kg
Kofferraumvolumen: 264–760 Liter
Max. Anhängelast: 1300 kg
Basispreis: 49.500 Euro
Veröffentlicht am 11.06.2026















