2026-07-12 14:36:00 Automobile

Fahrbericht Kia Seltos: Globaler Bestseller für Europa

Carzoom.de
Fotos: Kia via Autoren-Union Mobilität

Der Name sagt hierzulande bislang kaum jemandem etwas, global gehört er jedoch zu den tragenden Säulen der Marke. Kia startet die zweite Generation des Seltos nun auch erstmals offiziell in Europa und platziert ihn mitten im dicht gedrängten Kompakt-SUV-Feld. Mit 4,43 Metern Länge sortiert er sich intern zwischen Stonic und Sportage ein, im Wettbewerb fordert er VW T-Roc, Toyota Corolla Cross oder Nissan Qashqai heraus. Optisch tritt der Neuzugang dabei zwar wie ein Teil der elektrischen EV-Familie auf, doch unter der kantig-boxigen Hülle arbeitet vorerst ausschließlich klassische Verbrennertechnik.

Zur Markteinführung setzt Kia auf bekannte Benzinaggregate. Im Zentrum steht ein 1,6-Liter-Turbomotor mit 180 PS, der wahlweise mit Sechsgang-Handschaltung oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert wird. Zahlen wie 9,2 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und 200 km/h Spitze ordnen ihn im Mittelfeld ein, entscheidender ist jedoch die Art, wie er Leistung bereitstellt. Auf spontane Gasbefehle reagiert der Antrieb leicht verzögert, baut dann spürbar Druck, aber auch eine vernehmbare Geräuschkulisse auf, die deutlicher ausfällt, als man es in dieser Klasse erwartet. Gerade bei höherer Last wirkt das Aggregat angestrengt, während es im Teillastbereich unauffällig arbeitet.

Das Doppelkupplungsgetriebe erledigt seine Aufgabe souverän, wechselt die Gänge sauber und ohne spürbare Unterbrechungen. Das Fahrwerk setzt dabei klar auf Komfort, Schlaglöcher, Kanten und Querrillen werden sorgfältig gefiltert, der Aufbau bleibt bemerkenswert ruhig. Statt messerscharfer Einlenkmanöver serviert der Seltos ein sanftes Untersteuern, das dem Fahrer schnell klar macht, wo die Grenzen liegen. Die Abstimmung bleibt dabei bewusst gelassen. Die Lenkung arbeitet präzise genug, um Vertrauen zu schaffen. Wer ambitioniert am Volant dreht, bekommt nicht gerade ein sportliches Feedback, aber eine saubere, nachvollziehbare Rückmeldung. Bremsen und Fahrstabilität fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein.

In Verbindung mit der Automatik ist auch Allradantrieb verfügbar, ergänzt durch einen Terrain Mode mit spezifischen Programmen für unterschiedliche Untergründe. Darüber rangiert eine stärkere Variante mit 193 PS und Achtstufenautomatik, während ein 2,0-Liter-Saugmotor mit 149 PS den Einstieg markiert. Elektrifizierung bleibt zunächst außen vor, wird aber nicht lange auf sich warten lassen. Schon für Ende 2026 ist eine Hybridversion mit 154 respektive 178 PS je nach Konfiguration angekündigt. Sie kombiniert Verbrenner und E-Motor, fährt kurze Passagen rein elektrisch und kaschiert einige der Atempausen beim Beschleunigen. Neben dem teilelektrifizierten Antrieb und einem weiterentwickelten Rekuperationssystem, bringt sie Funktionen wie Vehicle-to-Load mit, wodurch sich externe Geräte über die Fahrzeugbatterie betreiben lassen.

Mit 4,43 Metern Länge positioniert sich das Modell zwischen klassischen B- und C-SUVs. Die Proportionen folgen dem etablierten Format: breite Spur, relativ hoher Aufbau und ein Radstand von 2,69 Metern, der im Innenraum für spürbare Großzügigkeit sorgt. Die markentypische Lichtsignatur, schmale Scheinwerfer und die durchgehende Heckgrafik zitieren deutlich die Designsprache von EV3, EV4 oder EV5. Vertikal ausgerichtete Rückleuchten, klare Flächen und eine insgesamt sehr aufgeräumte Gestaltung erzeugen hier eine visuelle Nähe zur batterieelektrischen Verwandtschaft. Die Formensprache „Opposites United“ kombiniert dabei klare Linien mit markanten Kanten, während Details wie versenkte Türgriffe und satinsilberne Akzente einen modernen Eindruck erzeugen. Varianten wie X-Line und GT-Line setzen zusätzliche Akzente, entweder mit robust wirkenden Offroad-Anleihen oder einer stärker auf urbane Dynamik ausgelegten Optik.

Auch im Innenraum orientiert sich der Seltos an den größeren Baureihen der Marke. Das horizontal gestaltete Cockpit schafft Übersicht und betont die Breite, während ein durchgehendes Panoramadisplay die digitale Schaltzentrale bildet. Wie in den EV-Modellen verschmelzen zwei 12,3-Zoll-Bildschirme optisch zu einer Einheit und werden durch ein separates Touchfeld für die Klimasteuerung ergänzt. Unterhalb des Screens sitzen physische Taster für zentrale Funktionen, ergänzt durch eine separate Leiste für die Klimasteuerung. Lautstärke, Temperatur oder Direktzugriffe lassen sich ohne Umwege bedienen, was deutlich zur Entlastung beiträgt. Auch das Lenkrad bleibt erfreulich analog: echte Knöpfe statt sensibler Flächen, klare Zuordnung, keine Rätsel.

Die Mittelkonsole profitiert von einem Shift-by-Wire-System, bei dem der Gangwahlhebel ans Lenkrad wandert. Dadurch entsteht zusätzlicher Stauraum, der flexibel genutzt werden kann. Ergänzt wird das Interieur durch eine Vielzahl digitaler Features: Over-the-Air-Updates halten die Software aktuell, ein KI-basierter Sprachassistent verarbeitet natürliche Spracheingaben, und mit dem „Digital Key 2.0“ lässt sich das Fahrzeug per Smartphone oder Smartwatch entriegeln und starten. Über einen integrierten Store können zusätzliche Funktionen oder Inhalte nachträglich gebucht werden, darunter Display-Themen oder Streaming-Angebote.

Auch beim Raumangebot folgt der Seltos den Elektro-Brüdern. Fahrer und Beifahrer nehmen auf bequemen Sitzen Platz. In den oberen Varianten gibt es sogar die „Premium Relaxation“-Funktion, mit der der Fahrersitz in Pausen zum Nickerchen flach umgelegt werden kann. Aber auch die Rückbank bietet viel Bein- und Kopffreiheit, wobei sich die Lehne noch um bis zu 24 Grad neigen lässt. Dahinter öffnet der Gepäckraum 536 Liter Volumen, das sich durch Umklappen der Sitze auf bis zu 1511 Liter erweitern lässt. Ein variabler Ladeboden sowie ein Schienensystem für Befestigungen erhöhen die Alltagstauglichkeit. Dazu kommen durchdachte Ablagen im vorderen Bereich, Handy-Ladeschale und praktische Detaildesign, das eher funktional als dekorativ auftritt. Was die praktischen Qualitäten betrifft, positioniert sich das Modell damit im oberen Bereich seiner Klasse.

Bei der Ausstattung greift Kia tief ins Regal: Panoramaglasdach, 64-farbige Ambientebeleuchtung, Audioanlagen von Harman/Kardon oder Bose, hochauflösende Rundumsichtkamera, Sitzheizung und -belüftung, Head-up-Display, eine ganze Armada an Level-2-Fahrassistenten, angefangen vom Autobahn- und Spurfolgeassistent über Frontkollisionswarner bis hin zum fernbedienbaren Parkhelfer, vieles davon bereits in den mittleren Ausstattungslinien an Bord. Aber auch die Einstiegsversion bringt schon eine umfangreiche Serienausstattung mit, darunter LED-Licht, Sitzheizung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera und ein breites Paket an Assistenzsystemen.

Entsprechend selbstbewusst fallen die Preise aus. In Deutschland startet der Seltos bei 34.190 Euro für den 1.6 T-GDI mit Frontantrieb und Schaltgetriebe, der Doppelkuppler beginnt bei 36.190 Euro, Allrad gibt es ab 38.190 Euro. Im Wettbewerbsumfeld von T-Roc, Corolla Cross, Qashqai oder Karoq ist das kein Schnäppchen, aber auch keine Überraschung. Der kantige Neuzugang soll im hart umkämpften europäischen Kompakt-SUV-Segment nicht als Nischenmodell, sondern als vollwertiger Player mitspielen. (aum)

Daten Kia Seltos 1.6 T-GDI 2WD DCT

Länge x Breite x Höhe (m): 4,43 x 1,83 x 1,61
Radstand (m): 2,69

Antrieb: 4-Zyl.-Turbobenziner, 1598 ccm, Frontantrieb, 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe
Gesamtleistung/Leistung: 132 kW / 180 PS
Max. Drehmoment: 265 Nm bei 1500-3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,8 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 7,0 Liter
CO2-Emissionen (WLTP): 158 g/km
CO2-Klasse: F
Leergewicht (EU)/ Zuladung: min. 1665 kg / max. 490 kg
Kofferraumvolumen: 536-1511 Liter
Max. Anhängelast: 1300 kg
Basispreis (Vision): 36.190 Euro
Testwagenpreis (X-Line): 43.340 Euro

Veröffentlicht am 12.07.2026

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