Fahrbericht Mazda CX-5: Sanfter Riese mit schwachem Puls
So setzt Mazda zum europäischen Marktstart ausschließlich auf einen einzigen Motor: den um 0,5 auf 2,5 Liter Hubraum vergrößerten Vierzylinder-Saugbenziner, ergänzt um ein 24-Volt-Mildhybridsystem, mit bescheidenen 141 PS Gesamtleistung. Keine Turboaufladung, keine Plug-in-Technik, keine Dieseloption. In Zeiten, in denen die Konkurrenz nahezu geschlossen auf kleinere Turbomotoren und stärkere Elektrifizierung setzt, wirkt dieser Ansatz schon fast trotzig oder zumindest eigenwillig. Mazda bleibt sich damit treu, verfolgt weiterhin das Konzept möglichst einfacher, langlebiger Technik. Doch im nun deutlich gewachsenen CX-5 stößt diese Philosophie an ihre Grenzen.
Mit 4,69 Metern Länge und einem Radstand von 2,82 Metern ist der neue CX-5 fast so groß wie der CX-60. Entsprechend bringt er Gewicht und Raumangebot mit, die nach mehr Durchzug verlangen. Doch die 141 PS und 238 Nm Drehmoment wirken hier eher wie eine Pflichtübung als wie eine überzeugende Lösung. Unterstützt wird der Benziner zwar von einem Mildhybridsystem, dessen Riemenstartergenerator beim Anfahren und im unteren Drehzahlbereich einen kleinen elektrischen Schub liefert. In der Praxis ist davon jedoch nur wenig zu spüren. Der Elektro-Boost bleibt dezent, fast unmerklich, und kann die fehlende Kraft nicht kompensieren.
Noch deutlicher wird das beim Beschleunigen. In 10,9 Sekunden erreicht der CX-5 aus dem Stand Tempo 100. Ein Wert, der vielleicht im Alltag genügt, aber kaum Begeisterung auslöst. Zwischenspurts, etwa beim Überholen auf der Landstraße oder beim Einfädeln auf die Autobahn, erfordern spürbar Geduld. Der Motor muss hoch drehen, um Leistung zu mobilisieren, und meldet sich dabei akustisch deutlich zu Wort. Die Geräuschkulisse bleibt zwar kultiviert, aber unüberhörbar angestrengt. Vor allem in einem Fahrzeug, das so viel Wert auf Komfort und Gelassenheit legt, wirkt dieser Einsatz etwas deplatziert.
Die serienmäßige Sechsstufen-Wandlerautomatik schaltet weich und zuverlässig, lässt jedoch ebenfalls keine sportlichen Ambitionen erkennen. Ihre Abstimmung ist klar auf Komfort ausgelegt, was im Zusammenspiel mit dem sanften Antrieb durchaus harmonisch wirkt, solange man sich dem entspannten Fahrstil hingibt. In den verschiedenen Fahrmodi, von Eco bis Sport, verändert sich das Ansprechverhalten nur minimal. Erst wer in der Homura-Topausstattung die Schaltwippen nutzt, kann das Getriebe etwas direkter einbinden und dem CX-5 ein wenig mehr Lebendigkeit entlocken. Wirklich dynamisch wird das SUV jedoch nie.
Dabei ist der Motor an sich kein schlechter. Im Gegenteil: Der 2,5-Liter-Sauger läuft leise, vibrationsarm und überzeugt mit solider Effizienz. Auf den ersten Testrunden nahe Barcelona pendelte sich der Verbrauch bei etwa 7,7 Litern pro 100 Kilometer ein, was ein vernünftiger Wert für ein Fahrzeug dieser Größe. Auch die serienmäßige Zylinderabschaltung, die bei geringer Last zwei der vier Zylinder stilllegt, trägt ihren Teil dazu bei. Wer gleichmäßig fährt, gleitet entspannt dahin, begleitet von einer angenehm zurückhaltenden Geräuschkulisse. In diesem Szenario passt der Antrieb durchaus zum Charakter des CX-5.
Und dieser Charakter ist eindeutig auf Komfort und Wohlbefinden getrimmt. Das Fahrwerk zählt zu den großen Stärken der neuen Generation. Ohne adaptive Dämpfer oder komplizierte Technik gelingt den Mazda-Ingenieuren eine beeindruckende Balance. Kurze Stöße werden ebenso souverän geschluckt wie lange Bodenwellen, die Karosserie bleibt stets ruhig, ohne schwammig zu wirken. Gleichzeitig erlaubt die Abstimmung erstaunlich hohe Kurvengeschwindigkeiten, vermittelt Sicherheit und Kontrolle. Die Lenkung arbeitet präzise, könnte etwas direkter ansprechen, bleibt aber stets berechenbar. In Summe entsteht ein sehr harmonisches Fahrgefühl, das den CX-5 zu einem entspannten Reisebegleiter macht.
Auch die Bedienung trägt maßgeblich zu diesem Eindruck bei. Im Cockpit vollzieht Mazda einen deutlichen Schritt in Richtung Digitalisierung. Statt des bisherigen Dreh-Drück-Stellers dominiert nun ein großes Touchdisplay, wahlweise mit 12,9 oder 15,6 Zoll Diagonale. Die Oberfläche ist widgetbasiert aufgebaut, erinnert an Smartphones und lässt sich individuell konfigurieren. Google-Dienste wie Maps oder der Play Store sind serienmäßig integriert, künftig soll sogar der KI-Sprachassistent Gemini Einzug halten.
Im Gebrauch zeigt sich allerdings ein deutliches Manko. Die Icons sind relativ klein, ihre Auflösung ist gering, und die Touchbedienung verlangt mehr Aufmerksamkeit als der frühere Drehregler. Gerade während der Fahrt lenkt das Tippen auf dem großen Bildschirm stärker ab, als es Mazda bislang gewohnt war. Positiv fällt hingegen die gelungene Integration der Assistenzsysteme auf. Spurhalter, adaptiver Tempomat und Aufmerksamkeitswarner arbeiten unaufgeregt, zuverlässig und ohne nervige Dauerwarnungen. Besonders die separate Stummtaste links neben dem Lenkrad für akustische Hinweise erweist sich als echter Segen.
Das digitale Kombiinstrument mit 10,25 Zoll und das großflächige Head-up-Display sorgen für eine klare, gut ablesbare Informationsdarstellung. Die kapazitiven Lenkradtasten liefern spürbares Feedback und erleichtern die Bedienung während der Fahrt. In höheren Ausstattungslinien kommen Features wie kabelloses Smartphone-Connect, 360-Grad-Kamerasystem und ein hochwertiges Bose-Soundsystem hinzu, die den CX-5 spürbar aufwerten. Insgesamt gelingt Mazda hier ein überzeugender Spagat zwischen moderner Technik und intuitiver Nutzung.
Auch überzeugt der neue CX-5 mit großzügigem Raumangebot. Die gewachsenen Abmessungen kommen vor allem den Fondpassagieren zugute. Fast sechs Zentimeter mehr Kniefreiheit und zusätzliche Kopffreiheit sorgen für entspanntes Reisen auch für groß gewachsene Mitfahrer. Die hinteren Türen öffnen fast senkrecht, was den Ein- und Ausstieg erleichtert und das Befestigen von Kindersitzen deutlich komfortabler macht. Der Kofferraum legt ebenfalls kräftig zu und fasst nun bis zu 2019 Liter bei umgeklappter Rückbank.
Am Ende entscheidet für viele Käufer jedoch nicht nur Fahrgefühl und Platz, sondern auch die Ausstattung und der Preis. Hier zeigt sich der neue Mazda CX-5 unterm Strich sogar günstiger als der alte. So beginnt Preisliste bei 34.990 Euro für die Basisversion Prime-Line, inklusive Automatikgetriebe, das bislang 2000 extra kostete. Hinzu kommt eine umfangreichre Serienausstattung mit LED-Scheinwerfern, Zweizonen-Klimaautomatik, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, adaptivem Tempomat, Spurhalteassistent sowie neuem Infotainmentsystem samt Touchscreen – wenn auch nur im 12,9-Zoll-Format – und acht Lautsprechern.
Die Centre-Line ab 38.790 Euro ergänzt unter anderem 19-Zoll-Felgen, Privacy Glass, schwarze Dachreling, hochwertigere Sitzbezüge, Head-up-Display, schlüssellosen Zugang, kabellose Ladeschale, elektrische Heckklappe und einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz. In der Exclusive-Line ab 40.890 Euro folgen beheizte Rücksitze, USB-C-Anschlüsse im Fond, elektrische Sitzverstellung auch für den Beifahrer, ein 360-Grad-Kamerasystem sowie das Bose-Soundsystem mit zwölf Lautsprechern. Optional sind Sitzbezüge in Schwarz-Weiß und ein Panorama-Glasschiebedach erhältlich, das den Innenraum spürbar aufwertet.
Die Topversion Homura startet bei 44.090 Euro und bringt neben schwarzen 19-Zoll-Felgen, Matrix-LED-Licht, Echtleder und belüfteten Vordersitzen auch Schaltwippen, ein erweitertes Personalisierungssystem sowie das große 15,6-Zoll-Touchdisplay serienmäßig mit. Besonders praktisch ist die kamerabasierte Fahrerkennung, die Sitz, Spiegel, Klima und Infotainment automatisch auf die individuellen Vorlieben einstellt. Serienmäßig ist außerdem die sensorbasierte Heckklappe und eine dezente Ambientebeleuchtung. Der Allradantrieb ist – mit Ausnahme der Basisversion – für 2000 Euro Aufpreis erhältlich. Damit positioniert Mazda den CX-5 preislich unter vielen direkten Konkurrenten, ohne bei der Ausstattung zu knausern.
Unterm Strich bleibt der neue CX-5 ein überzeugendes Komfort-SUV mit hoher Alltagstauglichkeit, großzügigem Raumangebot und moderner Bedienung. Sein großer Schwachpunkt ist der Antrieb. Auf der einen Seite passt der kultivierte, sparsame Vierzylinder zur entspannten Grundcharakteristik, wirkt auf der anderen Seite jedoch eher wie ein Antrieb, der verwaltet als begeistert. Wer Ruhe, Komfort und Gelassenheit sucht, wird sich im CX-5 schnell zuhause fühlen. Wer dagegen Dynamik, Durchzug und spürbare Hybridunterstützung erwartet, muss sich gedulden oder auf künftige Motorvarianten hoffen. (aum)
Daten Mazda CX-5 eSkyactiv G141 AWD Homura
Länge x Breite x Höhe (m): 4,69 x 1,86 x 1,70
Radstand (m): 2,82
Antrieb: R4-Benziner, Mildhybrid, 2488 ccm, Allradantrieb, 6-Gang-Automatik
Leistung: 141 PS / 104 kW bei 4500-5000/min
Max. Drehmoment: 238 Nm bei 3500-3750/min
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 10,9 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 7,4-7,5 Liter
CO2-Emissionen: 168-169 g/km
Leergewicht (EG-Norm) / Zuladung: min. 1671 kg / 601
Kofferraumvolumen: 583–2019 Liter
Max. Anhängelast: 2000 kg
Basispreis: 34.990 Euro
Testwagenpreis: 44.090 Euro
Veröffentlicht am 28.02.2026





















