IAA Transportation 2026: 150 Premieren und Druck auf die Politik
VDA-Präsidentin Hildegard Müller betonte bei der Auftaktpressekonferenz die grundsätzliche Bedeutung der Branche: „Die Logistikbranche liefert jeden Tag und hält Deutschland und Europa am Laufen.“ Sie bringe Lebensmittel in die Märkte, Bauteile in die Produktion und Waren zu den Menschen. Der Straßengüterverkehr ist damit weit mehr als ein nachgelagerter Dienstleister: 2024 entfielen rund 84 Prozent des deutschen Transportaufkommens auf die Straße. Die Nutzfahrzeugindustrie beschäftigt nach VDA-Angaben rund 140.000 Menschen direkt.
Müllers Botschaft an die Politik fällt allerdings deutlich aus. Die Industrie habe bei klimafreundlichen Fahrzeugen geliefert, nun müssten Berlin und Brüssel die Voraussetzungen schaffen. Batterieelektrische Lkw mit Reichweiten von mehr als 500 Kilometern seien verfügbar, Wasserstoff-Lkw könnten rund 700 bis 800 Kilometer schaffen. „Wir sind mit Engagement und hohen Investitionen in Vorleistung gegangen“, sagte Müller. Doch Lade- und Tankinfrastruktur, Netzanschlüsse, wettbewerbsfähige Strompreise und Versorgungssicherheit hielten nicht Schritt.
Die Lücke ist erheblich: Bis 2030 werden europaweit mindestens 35.000 öffentlich zugängliche MCS-Schnellladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge benötigt, insgesamt bis zu 50.000 Lkw-taugliche Ladepunkte. Für Deutschland veranschlagt der VDA etwa 4000 MCS-Ladepunkte. Derzeit ist der Ausbau davon weit entfernt: Ende Juli waren bundesweit lediglich 355 Ladepunkte an 88 Standorten für schwere Nutzfahrzeuge verfügbar.
Auch Wasserstoff bleibt ein Problemfeld. Europaweit sollen bis 2030 rund 2000 Lkw-geeignete Tankstellen entstehen. Müller warnt daher vor einer CO₂-Flottenregulierung, deren Strafzahlungen Unternehmen existenziell treffen könnten, solange die politische Infrastrukturgrundlage fehle.„Brüssel und Berlin sind in der Pflicht, die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Infrastruktur entschlossen und ambitioniert voranzutreiben. Doch die erforderliche Infrastruktur ist nicht vorhanden, Netzanschlüsse fehlen, Genehmigungen dauern Jahre und gleichzeitig werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Speditionen zunehmend schwieriger. All das zeigt, dass die Politik ihren Teil der Aufgabe bislang nicht ausreichend erfüllt hat. Die Autoindustrie hat geliefert, aber die gesetzten Ziele sind unter den bestehenden Bedingungen nicht erreichbar“, so Müller.
Grundsätzlich betonte Müller: „Die Transformation wird nur dann eine Erfolgsgeschichte, wenn Wohlstand, Wachstum und Beschäftigung zusammenbringt. Dafür muss die Politik in Brüssel und Berlin auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland und Europa endlich mit aller Kraft angehen. Ein starker Wirtschaftsstandort ist die beste Antwort auf den zunehmenden internationalen Wettbewerb.“
Die bei der Pressekonferenz präsentierten Zahlen verdeutlichen: Die IAA Transportation bleibt ihrem internationalen Anspruch treu. Mehr als 70 Prozent der Aussteller kommen aus dem Ausland. Zugleich sorgt eine hohe Zahl an Neuzugängen für zusätzliche Dynamik. Rund ein Drittel der Aussteller nimmt 2026 erstmals an der Messe teil. „Die hohe Internationalität und die große Zahl an Erstausstellern zeigen, wie attraktiv die IAA Transportation als globale Plattform für die Nutzfahrzeug-, Logistik- und Transportbranche ist“, sagte Jürgen Mindel, Geschäftsführer des VDA.
Rückgrat der Messe sind dabei erneut Zulieferunternehmen und Aufbautenhersteller. Mit über 766 Ausstellern stellen die Zulieferer weiterhin das Rückgrat der Veranstaltung. Nahezu jeder zweite kommt aus diesem Bereich. Die Aufbautenhersteller sind die zweitgrößte Gruppe mit 240 Teilnehmern. Ergänzt wird das Programm durch 84 Testfahrzeuge von 17 Ausstellern, die Besucher mit passender Fahrerlaubnis auf dem Gelände und im öffentlichen Verkehr erleben können. (aum)
Veröffentlicht am 02.09.2026
Auto & MobilesNutzfahrzeugeMarketing & MessenIAA TransportationAuftaktpressekonferenzHildegard Müller

