2026-09-14 09:51:00 Automobile

IAA Transportation 2026: Kia PV7 – Der Stromer für die schweren Jobs

Carzoom.de
Fotos: via Autoren-Union Mobilität

Kia nutzt die IAA Transportation 2026 in Hannover für die Weltpremiere seines zweiten „Platform Beyond Vehicle“-Modells: Der PV7 ergänzt den bereits etablierten PV5 als größere, vielseitiger einsetzbare Baureihe. Während der PV5 vor allem auf urbane Anwendungen ausgerichtet ist, zielt der neue PV7 auf höhere Nutzlasten, größere Laderäume, Shuttle-Dienste und vielfältige Umbauten. Der Marktstart von PV7 Passenger und PV7 Cargo in Europa und Korea ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen.

Mit dem Modell will Kia sein Angebot im Segment elektrischer leichter Nutzfahrzeuge deutlich verbreitern. Der PV7 soll Flottenbetreiber, Logistikunternehmen, Lieferdienste, Handwerksbetriebe, Shuttle-Anbieter und Mietwagenfirmen ebenso ansprechen wie private Käufer mit hohem Platzbedarf. Langfristig plant der Hersteller, die Baureihe auf 23 Varianten auszuweiten. Für 2029 ist zudem der noch größere PV9 angekündigt.

„Der PV7 markiert den nächsten Schritt auf unserem Weg zur individualisierten Mobilität und baut auf dem Fundament auf, das der PV5 gelegt hat“, sagt Ho Sung Song, Präsident und CEO von Kia. Der Anspruch der Koreaner reicht dabei über den Fahrzeugverkauf hinaus: Hard- und Software sowie spezialisierte Dienstleistungen sollen zu einer vollständigen Geschäftslösung zusammenwachsen.

Technische Basis des PV7 ist die speziell für Kia-PBVs entwickelte Plattform E-GMP.S, ausgeschrieben Electric Global Modular Platform for Service. Anders als die bekannte E-GMP-Pkw-Architektur ist sie konsequent auf Nutzfahrzeuge, großzügige Innenräume und unterschiedliche Aufbauformen zugeschnitten. Der vollständig ebene Fahrzeugboden soll sowohl den Laderaum als auch die Variabilität im Passagierbereich vergrößern.

Hinzu kommt das sogenannte Flexible Body System. Kia beschreibt diese modulare Karosseriearchitektur als standardisierte Grundstruktur, auf der sich verschiedene Karosserievarianten, Sonderaufbauten und Umrüstlösungen effizient realisieren lassen. Geplant sind neben Cargo- und Passenger-Versionen ein Chassis Cab für Spezialanwendungen sowie regionale und werksseitige Umbauten.

Der PV7 folgt damit dem „Tool Box“-Prinzip der Marke: Das Fahrzeug versteht sich weniger als fest definierter Transporter, sondern als anpassbares Werkzeug für unterschiedliche Geschäftsmodelle. Produziert werden sollen die Serien- und Umbaumodelle im Kia-Werk Hwaseong EVO Plant in Südkorea; ein benachbartes PBV-Umrüstzentrum soll die Anpassung an spezielle Kundenwünsche unterstützen.

Der PV7 Cargo richtet sich vor allem an Logistik, Lieferdienste, Flotten und kleine wie mittlere Unternehmen. Angeboten wird er weltweit als Zwei- oder Dreisitzer. Besonders relevant für den gewerblichen Einsatz sind seine Nutzlast- und Volumenwerte: Die Langversion mit Normaldach fasst bis zu 6,1 Kubikmeter nach VDA-Standard, die Hochdach-Ausführung bis zu 8,0 Kubikmeter. In der Langversion beträgt die maximale Nutzlast 1165 Kilogramm, in der Standardversion 1200 Kilogramm.

Der lange Kastenwagen soll bis zu drei Europaletten im Format 800 mal 1200 Millimeter aufnehmen. Die Ladekantenhöhe liegt bei 550 Millimetern und soll Fahrerinnen und Fahrern das häufige Be- und Entladen erleichtern. Für schwere Transporte integriert Kia einen Fahrmodus, der die Fahrzeugleistung abhängig von der Nutzlast abstimmt und damit Stabilität und Kontrollierbarkeit verbessern soll.

Auch die Zugänge lassen sich an die jeweiligen Einsatzbedingungen anpassen. Für das Heck stehen je nach Markt eine weit öffnende Doppelflügeltür oder eine nach oben schwingende Heckklappe zur Wahl. Ein Durchladebereich in der Trennwand ist für die Dreisitzer-Version verfügbar. Hinzu kommen anpassbare Bodenbeläge, eine Fernüberwachung der hinteren Laderaumtür sowie getrennte Verriegelungsfunktionen für mehr Frachtsicherheit. Eine Funktion namens „Walk Away Lock“ soll die seitliche elektrische Schiebetür automatisch schließen, sobald sich der Fahrer mit dem Smart Key vom Wagen entfernt. Gerade bei häufigen Stopps im Lieferverkehr ist das ein Detail, das Komfort und Sicherheit im Alltag verbinden soll.

Anders positioniert sich der PV7 Passenger. Kia sieht ihn als Shuttle, Mietwagen, touristisches Fahrzeug, Personaltransporter und Familienvan. In Europa soll er bis zu neun Sitzplätze bieten, in Korea sind sogar bis zu elf Plätze vorgesehen. Damit tritt der Stromer in einem Segment an, das bislang von klassischen Großraumvans und dieselbetriebenen Kleinbussen dominiert wird.

Die siebensitzige Version erhält „Long-Rail Easy Remove Seats“. Diese Sitze lassen sich auf langen Schienen verschieben und vergleichsweise einfach ausbauen. Der Neunsitzer wird wahlweise mit oder ohne vierte Sitzreihe angeboten. Je nach Transportaufgabe kann der Innenraum damit stärker auf Personenbeförderung, Gepäck oder Mischverwendung zugeschnitten werden.

Für den Fond nennt Kia eine separate Klimaanlage, USB-C-Anschlüsse mit bis zu 100 Watt Leistung sowie zusätzliche Ablagen. Optionale elektrische Schiebetüren und eine in den Dachhimmel integrierte Klimasteuerung sollen den Zugang und Komfort weiter verbessern. Eine Mittelkonsole kann während Pausen als Tisch dienen, während sich im Armaturenbrett durch die ungewöhnliche Position des Beifahrerairbags unter dem Dach zusätzlicher Stauraum ergibt.

Zum Marktstart sind zwei NMC-Batterien mit 71,5 und 96,2 kWh vorgesehen. Der serienmäßige Frontantrieb leistet je nach Markt und Ausführung bis zu 200 kW sowie 420 Nm Drehmoment; eine Allradversion soll später folgen. Für den PV7 Cargo mit großer Batterie nennt Kia eine interne WLTP-nahe Reichweitenprognose von bis zu rund 460 Kilometern. Die Homologation für die deutsche Länderausführung steht noch aus.

Die 800-Volt-Architektur ermöglicht laut Hersteller an einer 350-kW-Schnellladestation eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in etwa 25 Minuten. Der PV7 besitzt vorne serienmäßig einen AC/DC-Port und hinten zusätzlich einen AC-Anschluss, der optional erhältlich ist. Das kann bei engen Betriebshöfen, Ladeparks oder bei Anhängerbetrieb praktische Vorteile bringen. Als erster Kia-Stromer verfügt der PV7 außerdem über Vehicle-to-Load-Anschlüsse im Innen- und Außenbereich. Über die 230-Volt-Steckdosen lassen sich beispielsweise Elektrowerkzeuge, mobile Kühltechnik, Geräte für Serviceeinsätze oder sonstige Geschäftsausrüstung versorgen. Die digitale Seite bündelt Kia unter dem Namen Business Solutions. Dazu zählen ein Managementsystem für Flotten, Schnittstellen für vernetzte Fahrzeugdaten, Unterstützung beim Laden und bei der Wartung sowie sogenannte Uptime-Dienste.

Im Cockpit arbeitet das auf Android Automotive OS basierende Infotainmentsystem Pleos Connect. Es kombiniert vernetzte Navigation, variable Bildschirmansichten, einen App-Marktplatz, Over-the-Air-Updates und den KI-Sprachassistenten Gleo AI. Bedient wird über 12,9- und 14,6-Zoll-Displays, ergänzt durch physische Tasten für häufig genutzte Funktionen.

Gestalterisch bleibt der PV7 eindeutig Teil der jungen Kia-PBV-Familie. Die Designphilosophie „Opposites United“ übersetzt sich in eine aufrechte, kantige Silhouette mit weit nach vorn gerückter Kabine und flachem Dach. Diese One-Box-Architektur maximiert nicht nur das Innenraumangebot, sondern verbessert auch die Übersichtlichkeit.

Schwarze Elemente an Haube und A-Säulen kontrastieren mit der Karosseriefarbe, versteckt integrierte Scheinwerfer und die Kia-typische Tagfahrlichtsignatur prägen die Front. Große Glasflächen, eine abgesenkte Gürtellinie und die optische Dachgrafik des Passenger sollen die Rundumsicht fördern. Sichtbare Scharniere, robuste Unterfahrschutz-Optik und austauschbare Stoßfänger-, Radlauf- und Türverkleidungen verdeutlichen dagegen den Nutzfahrzeuganspruch.

Gerade diese reparaturfreundlichen Details passen zur Logik des PV7: Ein Fahrzeug, das möglichst flexibel einsetzbar und bei Beschädigungen schnell wieder verfügbar sein soll. Neben einer PV7-Passenger-Langversion stellt Kia auf der IAA Transportation zwei lange Cargo-Exemplare aus. Ergänzt wird der Stand durch sieben PV5-Varianten – vom Hochdach-Transporter über den rollstuhlgerechten WAV bis zum Food Truck. (aum)

Veröffentlicht am 14.09.2026

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