Im Bücherregal: Preisgünstiger Begleiter durch Südfrankreich
In der Region treffen ganz unterschiedliche Kultur- und Klimakreise aufeinander. Von den eisigen Höhen der Cevennen über die malerischen Niederungen mit ihren uralten Rebstöcken bis hin zur Mittelmeerküste, die auch jenseits von Monte Carlo, Nizza und Cannes an Liebreiz kaum zu übertreffen ist, warten herrliche Landschaften, quirlige Städte, verträumte Dörfer und gesellige Menschen auf die mobilen Urlaubsgäste.
In mehreren Routen haben Karin Hofmeister und Michael Kruse Reisepläne zusammengestellt. Die erste führt durch das Felsmassiv der Cevennen, streift die westlich gelegenen Städte Mende und Millau und schlängelt sich schließlich durch die Schluchten des Wildflusses Tarn und der Ardeche. Wer dort im Mai sein Glück sucht, wenn die wilden Wasser von der Schneeschmelze genährt in weißem Schaum über die Felsen tost, sollte sich nur mit entsprechender Ausrüstung und Erfahrung im Paddelboot des Naturgewalten aussetzen. Gemütlicher geht es auf der Ardeche zu, deren touristischer Hotspot das Städtchen Vallon-Pont-d‘Arc ist, wo der Fluss unter einer natürlichen Felsenbrücke hindurchfließt. Zwei Paddeltouren werden empfohlen, entweder die Kurzstrecke mit sieben Kilometern oberhalb der Stadt oder die längere, kräftezehrende mit 24 Kilometern Länge Richtung Rhone.
Brücken gibt es gleich in mehrfacher Ausführung in der abwechslungsreichen Region zu sehen, die älteste ist wohl die Pont du Gard, ein von den Römern als Aquädukt für die Wasserversorgung von Nimes um das Jahr 19 v.Chr. erbaut und 49 Meter hoch. Früher durfte man auf der obersten der drei Bogenetagen noch unbeaufsichtigt herumstrolchen, heute ist das nur im Rahmen von Führungen möglich. Auf die Brücke Nummer zwei weisen die Autoren in Bezier hin. Sie ist eine der seltenen Wasserüberführungen, die dem von Paul-Pierre Riquet im 17. Jahrhundert erbauten Canal du Midi über den Fluss Orb hilft, bevor er mit der gewaltigen Schleusenanlage von Fontserranes mit neun Kammern um gut 21 Meter nach oben geht. Der Canal verbindet Mittelmeer und Atlantik, verkürzt die Schiffsreise um die iberische Halbinsel herum um gut 3000 Kilometer. Brücke Nummer drei ist deutlich jünger. 2460 Meter lang ist sie, gebaut 2004, um mit einer Höhe von 240 Metern die Tarn-Schlucht bei Millau zu überwinden. Sie ist ein Teilstück der mautfreien Autobahn A 75, die gerade bei Wohnmobilurlaubern beliebt ist, um kostengünstiger nach Südfrankreich zu gelangen. Die höchste Tragseilbrücke Europas mit ihren markanten Pylonen ist jedoch nicht gratis, zurzeit kostet eine Fahrt mit dem Wohnmobil etwa 17 Euro, in den Sommermonaten ist die Maut um vier Euro höher.
Viele größere Städte beschreibt der Camper Guide fundiert, etwa das römische Nimes, wo es eines der eindrucksvollsten Amphitheater Frankreichs gibt. Oder die Cité von Carcassone, eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtzentren überhaupt, das auch heute noch immer wieder als Kulisse für Historienfilme genutzt wird. Die Universitätsstadt Narbonne lädt zum Wandeln auf römischen Spuren und Schlemmen in zahlreichen Gourmet-Restaurants ein, bei der Bummelfahrt über Land locken noch mehr Winzer mit Weinproben und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Und immer gibt das Autorenteam Tipps zur Einkehr oder Übernachtung, meist werden mindestens zwei Stell- oder Campingplatz als Etappenziele genannt.
Dass die Packliste fürs Wohnmobil eher etwas für Einsteiger ist, sei geschenkt. Auch diese suchen Unterstützung, erfahrene Camper wissen sehr genau was unterwegs unverzichtbar ist. Hilfreich für alle sind die Empfehlungen, die gerade entlang des Canal du Midi zu Lesen sind. Die kleinen Hafenstädte haben sich mit dem zunehmenden Hausboot-Tourismus auf dem Kanal zu wahren Camping-Paradiesen entwickelt, deren Infrastruktur sich auch von den Landstraßen-Kapitänen nutzen lässt. Wer also die Cevennen und das Languedoc auf dem Reiseplan hat, findet im Camper Guide von Karin Hofmeister und Michael Kruse einen guten, vielfach illustrierten und obendrein preisgünstigen Begleiter.
Der „Camper Guide Südfrankreich“ von Karin Hofmeister und Michael Kruse ist im Verlag Marco Polo erschienen. Der Reiseführer hat 194 Seiten mit vielzähligen Abbildungen und Karten und kostet 19,95 Euro. (aum)
Veröffentlicht am 01.03.2026
ReisenModellfahrzeuge & BücherReiseführerCamperSüdfrankreich

