Mehr Drehzahl, weniger Gewicht: ZFs kompakter E-Antrieb
Beim High Revolution Drive von ZF wird eine deutlich höhere Motordrehzahl als bisher üblich erreicht: bis zu 30.000 U/min – fast doppelt so viel wie bei herkömmlichen Systemen. Da bei gleicher Leistung ein höheres Tempo ein geringeres Motordrehmoment erfordert, kann der Rotor kleiner ausfallen. Das spart Gewicht, Bauraum und Magnetmaterial.
Damit trotzdem genug Kraft am Rad ankommt, übersetzt ein zweistufiges Stirnradgetriebe die Motorleistung im Verhältnis von etwa 18:1. Die E-Maschine, den Inverter und das Getriebe fasst ZF zu einem 3-in-1-System zusammen. Die vorgestellte Auslegung liefert 200 kW Spitzenleistung und 3.500 Nm Spitzendrehmoment am Rad.
Im Vergleich zu einem SELECT-Standardantrieb mit 18.000 U/min benötigt der High Revolution Drive von ZF jeweils rund 25 Prozent weniger Bauraum und Gewicht. Die Effizienz bleibt auf dem Niveau des Standardantriebs, während der Magnetbedarf um die Hälfte sinkt.
Dies kann eine doppelte Wirkung entfalten: Einerseits hilft weniger Masse, die elektrische Reichweite zu erhöhen, andererseits verspricht ein geringerer Magnetbedarf Kostenvorteile sowie weniger Abhängigkeit in der Lieferkette.
Hohe Drehzahlen stellen allerdings hohe Anforderungen an Geräusche und Schwingungen. ZF will diesem Problem mit einer gemeinsamen Auslegung von E-Maschine, Verzahnung, Lagerung und Zahngeometrie begegnen und kann dabei auf seine langjährige Erfahrung in der Getriebe- und Radsatzentwicklung zurückgreifen. „Robustheit und ein geringes Geräusch- und Schwingungsniveau waren von Anfang an harte Entwicklungsziele“, sagt Thomas Meiser, Leiter der Business Unit E-Mobility bei ZF. Für die gezeigte Variante seien 30.000 U/min der technische und wirtschaftliche Sweet Spot.
Technisch gesehen ist der High Revolution Drive keine Insellösung, sondern eine Variante der modularen SELECT-Plattform. Diese bündelt E-Motoren, Leistungselektronik, Reduziergetriebe und Software zu skalierbaren Baukästen für unterschiedliche Fahrzeuganforderungen. ZF zielt zunächst auf den volumenstarken Pkw-Markt mit einer Antriebsleistung von etwa 150 bis 200 kW ab. Die Architektur soll für verschiedene Leistungsstufen sowie 400- und 800-Volt-Systeme skalierbar sein. Einen Serienstart strebt das Unternehmen bis 2030 an. (aum)
Veröffentlicht am 05.11.2026
Technik & TechnologieElektromobilitätTechnologie & VerkehrZFHigh Revolution Drive

