2026-08-22 09:01:00 Automobile

Menschen lesen uns. Medien nutzen uns. Maschinen entdecken uns.

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Fotos: Autoren-Union Mobilität

Das Auto-Medienportal geht mit einem Facelift ins neue Modelljahr. Wir haben das Design geschärft und die Bedienungsoberfläche neu gestaltet. Im Zentrum steht der intuitive Zugriff auf die gesuchten Inhalte – nicht nur für unsere Leser oder die Kollegen in den Medien. Nun auch für die Künstliche Intelligenz?

Neben Menschen und Medien greifen zunehmend Maschinen auf journalistische Inhalte zu, ordnen sie ein, verknüpfen sie und nutzen sie als Grundlage für Antworten. Dabei verändert die Künstliche Intelligenz (KI) nicht nur, wie Informationen gesucht, verarbeitet und verbreitet werden. Sie verändert auch den Wert der Quellen, aus denen diese Informationen stammen.

Für eine Redaktion, die seit mehr als zwei Jahrzehnten Nachrichten, Berichte, Tests, Interviews, Bilder und Videos zur Mobilität produziert und archiviert, ist das mehr als eine technische Entwicklung. Sie stellt eine neue Frage: Was ist eine journalistische Quelle heute wert – für Menschen, für andere Medien und für Maschinen?

Zum Neubeginn eine Bestandsaufnahme

Eine neue Ära beginnt man am besten mit einer Bestandsaufnahme. Unsere fällt ausführlicher aus. Denn nach mehr als zwei Jahrzehnten journalistischer Arbeit und redaktioneller Dienstleistung gibt es einiges zu vermessen.

Schon die scheinbar einfache Frage, wie viele Menschen das Auto-Medienportal nutzen, führt mitten hinein in die Tücken moderner Reichweitenmessung. Rund zwei Millionen Nutzer weist die technische Statistik inzwischen für einen Monat aus. Sie kommen auf etwa drei Millionen Besuche und rund 15 Millionen Seitenabrufe. Dabei entsteht ein Datenverkehr von rund vier Terabyte.

Aber zwei Millionen „Unique User“ sind nicht automatisch zwei Millionen Menschen. Die Serverstatistik AWStats unterscheidet Besucher anhand technischer Merkmale wie IP-Adresse und Browser beziehungsweise Endgerät. Google Analytics wiederum weist nach einem anderen Verfahren deutlich niedrigere Zahlen aus, allerdings unter komplett anderen technischen und datenschutzrechtlichen Bedingungen. Wer Analyse-Cookies ablehnt oder entsprechende Technik blockiert, kann dort beispielsweise aus dem Blick geraten. Deshalb ist es unseriös, aus einer einzelnen Zahl eine exakte Kopfzahl abzuleiten.

Unterschiedliche Messungen zeigen dasselbe Bild

Interessanter wird es dort, wo unterschiedliche Messungen dasselbe Bild zeichnen: Die Menschen kommen nicht nur auf unsere Seiten, sie beschäftigen sich mit dem Angebot. Im Durchschnitt entfallen rund zehn Seiten auf einen Nutzer. Noch bemerkenswerter ist der Weg, auf dem sie uns erreichen: Rund vier von fünf kommen gezielt und nicht über eine Suchmaschine. Das Auto-Medienportal ist für einen großen Teil seiner Nutzer also weniger zufällige Fundstelle als bewusst angesteuertes Ziel.

Das ist für uns wichtiger als die Jagd nach möglichst vielen flüchtigen Klicks. Ein Nachrichtenangebot gewinnt seinen Wert nicht allein dadurch, dass irgendwo ein Link angeklickt wird. Interessanter ist, ob Menschen wiederkommen, weiterlesen und eine Quelle bewusst aufsuchen. Genau dieses Verhalten erkennen wir in den Zahlen.

Nachrichtenquelle und Werkbank

Allerdings beschreiben diese Zahlen nur einen Teil dessen, wofür das Auto-Medienportal vor mehr als 20 Jahren gegründet wurde. Wir wollten nie nur ein weiteres Automobilmedium sein. Das Portal war von Beginn an zugleich Nachrichtenquelle und Werkbank für andere Medien: Profis liefern Material für Profis.

Deshalb führt die klassische Messung der eigenen Leserschaft bei uns zwangsläufig zu kurz. Ein Redakteur, der einen Text übernimmt oder ein Foto herunterlädt, zählt zunächst als ein Nutzer. Veröffentlicht seine Redaktion dieses Material anschließend auf einer reichweitenstarken Internetseite oder in einem Printmedium, erreicht derselbe Inhalt möglicherweise Zehntausende oder Hunderttausende weitere Menschen. In unserer eigenen Nutzerstatistik tauchen die aber nicht auf.

Individualisten und Multiplikatoren

Hier beginnt unser zweites Publikum. Es ist zahlenmäßig klein, für das Geschäftsmodell aber von besonderer Bedeutung: Der kleinere Teil der direkten Nutzer gehört zu den Medienmachern; die große Mehrheit sind Leser. Doch was Journalisten und Redaktionen beim Auto-Medienportal finden und übernehmen, trägt unsere Inhalte zu einem Publikum, das wir mit der eigenen Statistik gar nicht erfassen.

Wie intensiv diese Werkbank genutzt wird, lässt sich an anderer Stelle beobachten. Unser eigenes Zählwerk registriert monatlich Millionen Abrufe und Downloads von Texten. Bei Fotos liegen die Downloadzahlen noch höher; hinzu kommen Videos. Auch diese Werte haben ihre methodischen Grenzen. Texte werden meist per Copy & Paste übernommen, seltener als Downloads. Als Größenordnung zeigen die Zahlen dennoch, was auf der Medienseite des Portals geschieht: Inhalte werden nicht nur gelesen, sondern abgeholt. Bei Fotos und Videos werden ausschließlich Downloads gezählt. Klicks und Streaming fallen durchs Raster.

Was danach mit ihnen passiert, kann eine Serverstatistik nicht wissen. Hier hilft die Medienbeobachtung von Landau Media weiter. Sie findet Veröffentlichungen unserer Inhalte außerhalb des eigenen Angebots und macht damit jene Reichweite sichtbar, die durch Weiterverwendung entsteht. Im ersten Halbjahr waren das 3200 Clippings mit einer Gesamtreichweite von 327 Millionen.

Zwei Geschäftsmodelle: Medienmacher und Publikum

Damit begegnen uns zwei Geschäftsmodelle, die auf derselben journalistischen Arbeit beruhen. Auf der einen Seite steht das Publikum des Auto-Medienportals selbst – Millionen Leser, für die Reichweite, Nutzungstiefe und Aufmerksamkeit zählen. Auf der anderen Seite stehen Redaktionen und Medienmacher. Dort geht es um die Übernahme und Weiterverbreitung journalistischer Inhalte und damit um Kontakt, Einfluss und Wirkung.

Beide Welten wachsen, aber sie dürfen nicht verwechselt werden. Zwei Prozent Medienmacher können wirtschaftlich und kommunikativ eine völlig andere Bedeutung besitzen als 98 Prozent Leser. Umgekehrt ist die große Leserschaft längst selbst zu einer Reichweite geworden, die für Unternehmen und ihre Marketingkommunikation interessant ist.

Ein Crawler ist kein Leser

Und nun kommt ein dritter Nutzer hinzu, der in keine der bisherigen Kategorien passt: die Maschine. Bots und Crawler sind für Internetmedien nichts Neues. Suchmaschinen müssen Seiten besuchen, um sie überhaupt auffindbar zu machen. Andere automatisierte Systeme sammeln Informationen für die unterschiedlichsten Zwecke. Unsere Technik erkennt und filtert inzwischen rund 200 Bots beziehungsweise Robot-Systeme aus der Besucherstatistik heraus.

Das ist zunächst einmal gute statistische Hygiene: Ein Crawler ist kein Leser und darf deshalb nicht als Mensch verkauft werden. Doch mit der KI verändert sich die Bedeutung solcher maschinellen Zugriffe. Denn eine klassische Suchmaschine wollte vor allem wissen, wo eine Information steht. Ein KI-System will zunehmend wissen, was sie bedeutet, wie sie mit anderen Informationen zusammenhängt und ob sie für eine Antwort brauchbar ist.

Welcher Quelle traut die Maschine?

Damit verschiebt sich der Wettbewerb. Neben die Frage, welche Seite in einer Trefferliste möglichst weit oben erscheint, tritt die Frage, welche Quelle einer Maschine vertrauenswürdig genug erscheint, um ihr Wissen zu verwenden. Für journalistische Redaktionen ist das Herausforderung und Chance zugleich.

Denn KI kann Informationen in einer Geschwindigkeit sammeln, vergleichen und kombinieren, die keine Redaktion erreichen wird. Was sie nicht aus eigener Anschauung kann, ist die ursprüngliche journalistische Arbeit ersetzen, aus der verlässliches Wissen entsteht: mit Menschen sprechen, auf einer Pressekonferenz nachfragen, ein Auto fahren, technische Angaben prüfen, Widersprüche erkennen, Interessen einordnen und entscheiden, was relevant ist. Genau dort liegt der Wert einer Redaktion.

Journalisten sind keine Durchlauferhitzer

Journalisten sind keine Durchlauferhitzer für Pressemitteilungen. Ihre Aufgabe besteht darin, Informationen zu prüfen, auszuwählen und einzuordnen. Sie arbeiten nach Regeln, die älter sind als das Internet: Fakten von Meinungen trennen, Quellen kenntlich machen, Interessen erkennen, Gegenpositionen hören, Fehler korrigieren und dem Leser verpflichtet bleiben – nicht demjenigen, über den berichtet wird, und auch nicht demjenigen, der eine Anzeige schaltet. Diese Regeln gewinnen in einer Welt maschinell erzeugter Informationen eher an Bedeutung, als sie zu verlieren.

Das Netz sucht Vertrauen

Das Netz leidet nicht an Informationsmangel. Es leidet zunehmend an einem Vertrauensengpass. Je einfacher Texte, Bilder und künftig auch Videos synthetisch erzeugt werden können, desto schwieriger wird die Frage nach ihrer Herkunft. Wer hat etwas tatsächlich beobachtet? Wer steht für eine Aussage ein? Welche Quelle lässt sich zurückverfolgen? Und wer korrigiert einen Fehler, wenn einer passiert?

An dieser Stelle verändert sich auch unser Blick auf das eigene Archiv. Mehr als zwei Jahrzehnte kontinuierlicher Berichterstattung sind nicht nur eine Ansammlung alter Meldungen. Über die Jahre ist ein Bestand aus Nachrichten, Fahrberichten, Interviews, technischen Daten, Bildern und Videos entstanden, dessen einzelne Bestandteile miteinander verbunden sind. Marken, Modelle, Menschen, Unternehmen und technische Entwicklungen lassen sich über Jahre zurückverfolgen. Was für einen Menschen ein Archiv ist, kann für eine Maschine Wissensinfrastruktur sein.

Wir arbeiten seit zwei Jahrzehnten daran

Damit bekommt etwas einen neuen Wert, das wir nicht erst für die KI erfinden mussten. Die Inhalte sind vorhanden. Die Redaktion ist vorhanden. Die journalistischen Regeln sind vorhanden. Die Quellenhistorie ist vorhanden. Andere müssen solche Strukturen für das Zeitalter der KI erst aufbauen. Wir arbeiten seit mehr als zwei Jahrzehnten daran – auch wenn wir es damals nicht so genannt haben.

Das bedeutet nicht, dass jede KI das Auto-Medienportal bereits als bevorzugte Quelle behandelt. Und schon gar nicht lässt sich aus Bot-Zugriffen ableiten, was ein KI-System mit den abgerufenen Daten macht. Gerade bei diesem neuen Publikum müssen wir lernen, genauer zu messen. Welche Systeme greifen zu? Welche Inhalte interessieren sie? Welche Zugriffe dienen einer Suchmaschine, welche einem KI-Dienst und welche anderen automatisierten Anwendungen?

Zusammen erzählen die Zahlen die Geschichte

Die Bestandsaufnahme zeigt deshalb auch, was noch fehlt. Reichweitenmessung für Menschen ist über Jahrzehnte gewachsen und trotzdem nicht perfekt. Für die Nutzung journalistischer Quellen durch Maschinen steht sie erst am Anfang. Umso wichtiger wird es, die verschiedenen Signale nicht zu einer einzigen imposanten Zahl zusammenzuführen. Zwei Millionen direkte Nutzer sind etwas anderes als die Reichweite eines Mediums, das einen unserer Texte übernimmt. Ein Foto-Download ist etwas anderes als ein Seitenaufruf. Und ein Bot ist kein Leser.

Zusammen erzählen diese Zahlen aber eine Geschichte. Aus einem Nachrichtendienst für Redaktionen ist ein Angebot mit zwei großen menschlichen Nutzergruppen geworden. Medien verwenden das Auto-Medienportal als Quelle und Werkbank. Gleichzeitig hat sich um diese journalistische Infrastruktur ein Millionenpublikum gebildet, das die Inhalte direkt liest. Nun beginnt eine dritte Gruppe, sich für denselben Bestand zu interessieren: Maschinen.

Auf der Suche nach der sauberen Quelle

Deshalb ist das Facelift des Auto-Medienportals mehr als Kosmetik. Wir ordnen eine Plattform neu, deren Aufgabe sich erweitert hat. Sie soll Menschen den schnellen Zugang zu Informationen ermöglichen, Redaktionen weiterhin als journalistische Werkbank dienen und ihre Inhalte so transparent und strukturiert anbieten, dass auch die neuen maschinellen Vermittler Herkunft und Qualität erkennen können.

Am Ende führt die Künstliche Intelligenz damit überraschenderweise zurück zu einer ziemlich alten Erkenntnis: Entscheidend ist nicht, wer Informationen am schnellsten vervielfältigen kann. Entscheidend ist, woher sie kommen.

Menschen lesen uns. Medien nutzen uns. Maschinen entdecken uns. Und alle drei brauchen am Ende dasselbe: eine Quelle, der sie vertrauen können. (aum)

Veröffentlicht am 22.08.2026

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