2026-04-03 07:11:00 Automobile

Mercedes bringt Steer-by-Wire in die Serie

Carzoom.de
Fotos: Mercedes-Benz via Autoren-Union Mobilität

Béla Barényi, als Leiter der Vorentwicklung bei Daimler-Benz Pionier bei der passiven Sicherheit und Erfinder der Knautschzone, hatte eine Art „persönlichen Feind“ und zeigte seinen Besuchern in seinem Haus in Sindelfingen gerne, welche schweren Verletzungen die Lenksäule bei einem Unfall verursachen konnte. Bereits 1947 hatte er eine Sicherheitslenksäule erfunden, die später zum Standard wurde. Wahrscheinlich wäre der Ingenieur jetzt begeistert, wenn er die jüngste Entwicklung seiner Kollegen „beim Daimler“ erleben könnte. Als erstes deutsches Unternehmen stellte Mercedes jetzt eine neue Lenkung vor, die auf eine klassische Verbindung zwischen Lenkrad und den Vorderrädern verzichtet.

Bei „Steer-by-Wire“ werden die Lenkbefehle des Menschen hinter dem Lenkrad über eine elektrische Leitung (engl. = Wire für Draht) an die Räder schnell und direkt übermittelt. Dank dieser Technik werden Lenkmanöver leichter, beim Parken entfällt das Umgreifen und die Fahrdynamik profitiert von der neuen Technik, die demnächst beim EQS angeboten wird. Der Aufpreis wird bei rund 2500 Euro einschließlich der mitlenkenden Hinterräder liegen. Vor der Einführung in die Serie hat die neue Technik mehr als eine Million Testkilometer zunächst auf Prüfständen absolviert und dann noch einmal eine ebenso lange Strecke im realen Verkehr und auf dem Testgelände des Unternehmens.

Die Technik der neuen Lenkung ist redundant aufgebaut. Die gesamte Sensorik ist doppelt ausgelegt, so dass die Lenkfähigkeit des Fahrzeugs selbst bei einem Systemausfall erhalten bleibt. Je nach Fahrsituation und Geschwindigkeit übermittelt ein Aktuator das Lenksignal an das Lenkgetriebe, und gleichzeitig entsteht das für die Marke typische Lenkgefühl. Außerdem lässt sich die neue Lenkung den individuellen Wünschen der Kunden anpassen. So können auch die einzelnen Modelle unterschiedliche Lenkcharakteristika bekommen. Außerdem werden äußere Einflüsse durch schlechte Fahrbahnverhältnisse, die bei der konventionellen Lenktechnik direkt übertragen werden, werden durch die neue Lenktechnik fast vollständig ausgeschlossen.

Gewöhnungsbedürftig dürfte allerdings die Form des neuen Steuers sein, das an den Lenker des Messerschmitt-Kabinenrollers erinnert. Allerdings, beruhigt ein Unternehmenssprecher, kann die neue Lenkung auch mit einem konventionellen Lenkrad geliefert werden. Die flachere Variante wurde gewählt, um ein großzügigeres Raumgefühl zu erzeugen. Auch der Blick auf das Display vor dem Lenkrad sowie das Ein- und Aussteigen wird deutlich verbessert.

Und wie fährt sich die neue Technik? Nach den ersten Metern auf einer kurzen Slalom-Teststrecke und einer kurzen Eingewöhnung wird der große EQS zu einem handlichen und wendigen Fahrzeug. Kurze Bewegungen an dem neuen Lenkrad reichen, um die Limousine durch den Parcours zu steuern. Der noch an die konventionelle Lenkung gewöhnte Mensch begreift schnell, dass ein bisher übliches Übergreifen bei diesem System komplett entfällt. Die Kombination aus Steer-by-Wire und der mitlenkenden Hinterachse ermöglicht präzise Manöver mit geringen Bewegungen am Lenkrad. Das bisher übliche „Kurbeln am Lenkrad“ gehört mit der neuen Technik endgültig der Vergangenheit an. (aum)

Veröffentlicht am 03.04.2026

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