2026-04-21 16:31:00 Automobile

Praxistest Karmann Mobil Dexter 35 H: Flexibel schlafen, clever verstauen

Carzoom.de
Fotos: Karmann via Autoren-Union Mobilität

Wenn das Schlafzimmer im Camping-Kastenwagen in der Lage ist, sich von der komfortablen Übernachtungsstätte für zwei zu einem veritablen Stauraum für Sportgerät und Urlaubsausrüstung zu wandeln, dann ist das hochgeschätzte Variabilität. Denn der Platz im Heck lässt sich bei entsprechender Konfiguration flexibel nutzen. Karmann Mobil macht den Fiat Ducato zum Dexter 635 H und baut in seinem Heck ein elektrisches Hubbett ein, das mit einer Liegefläche von 160 mal 185 Zentimeter reichlich Platz für zwei Camper bietet. 66.900 Euro kostet die Basisversion des knapp 6,4 Meter langen Camping-Vans, mit allerlei Ausstattungspaketen zur Komfortsteigerung und vor allem mit dem teuren Automatikgetriebe steigt der Preis auf rund 76.000 Euro.

In den Wohnraum des Dexter gelangt man durch die seitliche Schiebetür, der Küchenblock ragt ein gutes Stück in den Durchgang, lässt sich aber mühelos umschiffen. Die Oberfläche der Pantry ist mit einer dunklen Glasplatte abgedeckt, zwei freistehende Gaskochstellen erweitern die Anrichtfläche. Allerdings heißt es Acht geben, denn ein nachlässig abgelegtes Blatt Küchenkrepp kann bei dieser Bauart leicht Feuer fangen. Dafür herrscht auf dem Herd kein Gedrängel, selbst dann nicht, wenn große Töpfe und Pfannen zum Einsatz kommen. Dass die Rundspüle aus Edelstahl untypischerweise in Fahrtrichtung vorn im Küchenblock angeordnet ist und der Kochstelle den schlechter belüfteten hinteren Platz zuweist, haben wir nicht ganz verstanden.

Nur maßvoll belastbar sind die drei rollengelagerten Schubladen im Küchenkorpus. Vor allem die mittlere senkte sich nach dem Beladen mit Teller und Kochgeschirr soweit, dass der Sperrriegel des Push-Lock-Schlosses nicht mehr einhaken konnte. In der ersten Rechtskurve offenbarte sie ihre Schwäche, von da an wurde vor Fahrtantritt eine Gurtsicherung angebracht, um Schäden zu vermeiden. Mit einem Volumen von 138 Liter weiß der Kompressorkühlschrank zu begeistern. Selbst umfangreiche Einkäufe zu kühlen schafft er mühelos, die Energie dafür bezieht er aus der serienmäßigen Lithium-Bordbatterie mit 120 Amperestunden Kapazität, die ein in dieser Fahrzeugklasse unerwarteter Ausstattungsstandard ist. Weiterer Stauraum findet sich im Dachschrank oberhalb der Küche und in einer praktischen Ablage an der Kühlschrankverkleidung, die eine ganze Gewürzbatterie aufnehmen kann.

Die Halbdinette gegenüber leuchtet mit pflegeleichten weil kunstlederbezogenen Polstern in cremigem Weiß. Die drehbaren und so integrierfähigen Pilotensessel für Fahrer und Beifahrer sind mit dem gleichen Material bezogen, weisen aber im Detail kleine Verarbeitungsmängel auf. So lässt sich die Höhenverstellung der Armlehnen nur mühsam bedienen, weil der Ausschnitt im Kunstlederbezug schlicht zu klein geschnitten wurde, um an das Rändelrad leichtgängig zu drehen. Der Sitzkomfort ist dagegen auf den Sesseln ebenso wie auf der Bank der Halbdinette tadellos, die doppelte Tischplatte lässt sich mit einem einfachen Handgriff in die gewünschte Stellung schieben.

Weiter Richtung Heck folgt die von einer Lamellentür verschlossene Hygieneabteilung mit Dusche, WC und Waschbecken an. Die beiden letzteren helfen dank Schwenk- und Klappmechanik beim Platzsparen, wer brausen will, lässt beides hinter einer im 90 Gradwinkel öffnenden Zwischenwand verschwinden. Hilfreich ist dabei der Einlegeboden aus Holz, der ein Ausrutschen in der glatten Duschtasse verhindert. Auch der Dachlüfter und das Ausstellfenster steigern den Komfort, helfen, ein angenehmes Raumklima herzustellen und verhindern Feuchtigkeitsbildung im Waschsalon.

Das Hubbett im Heck hat einen soliden Rahmen und liegt nachts auf den beiden sideboardartigen Schränken links und rechts der Innenwände auf. Dadurch bekommt es einen felsenfesten Halt und gerät auch dann nicht ins Schwanken, wenn ein unruhiger Schläfer öfters die Stellung wechselt. Stufenlos gelangt man jedoch bei geringer Körpergröße auch auf dem niedrigstmöglichen Niveau der Liegefläche nicht ins Bett. Ein trittsicherer Faltschemel leistet gute Dienste, um hinaufzukommen. Die mitgelieferte Leiter aus Aluminiumwangen und Kunststoffstufen ist für den Aufstieg zumindest für alle die ohne Socken schlafen wegen der harten Trittflächen nicht unbedingt geeignet. Für die Belüftung gibt es eine Dachluke, auch die beiden seitlichen Fenster und die in den Hecktüren lassen sich öffnen.

Zu achten ist unbedingt auf die korrekte Bedienung der mit einer komfortablen Matratze ausgestatteten Liegefläche. Ein vergessenes und beim Anheben der Liegefläche unter den Dachstaukästen an der Rückseite eingeklemmtes Kissen führt zum sofortigen Durchbrennen der 15 Ampere Schmelzsicherung. Das wäre kein Beinbruch, gäbe es eine vernünftige Bedienungsanleitung mit dem Hinweis, wo sich der Sicherungskasten im Dexter befindet. Erst nach langer Suche und etlichen Flüchen wurde sein Versteck unter dem in Fahrtrichtung rechts liegenden Sidebord im Heck entdeckt.

Die taugen unterdessen als weiterer Stauraum und geben auch dem Gasflaschen-Duo eine Heimat. Zwei Fünf-Kilogramm-Zylinder passen hinein. Der Boden des Kofferraums ist mit stabilem Riffelblech verkleidet, auf Wunsch kann eine Fahrradhalterung befestigt werden. Allerdings müssen je nach Höhe des Vorbaus und Lenkerstellung die Vorderräder ausgebaut werden, da das Bettgestell wegen der Dachstaukästen nicht gänzlich unter die Wagendecke gehoben werden kann. Wir haben die Bikes deshalb lieber auf den Außenträger an der Hecktür geladen, der Kofferraum hingegen gab unter anderem einem faltbaren Elektroroller eine sichere Unterkunft.

Der Dexter ist weitgehend klapperfrei unterwegs, das Mobiliar knackt und knarzt nicht. Beim Treibstoffkonsum erlaubt sich das Karmann Mobil ebenfalls keinen Ausrutscher. 9,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer sind in Verbindung mit der achtstufigen Automatik ein sehr akzeptabler Wert für den 140 PS leistenden 2,3-Liter-Selbstzünder. Der serienmäßige 90 Liter Tank erlaubt lange Strecken ohne nachgefüllt zu werden, was preisbewusstes Tanken während der Urlaubsfahrt ermöglicht. Erfreut hat der Camper auch mit einem geringen Leergewicht. 2970 Kilogramm gibt der Hersteller an, eine öffentliche Waage bestätigte diesen Wert.

Das Lichtkonzept im Dexter ist nicht sonderlich ausgewogen. Die Leuchtleisten sind fast zu hell und sollten dimmbar sei. Die Spots an den B-Säulen und im Bad lassen sich nicht ausreichend schwenken, lediglich zwei 230 Volt Steckdosen an Bord sind ebenfalls eine Untergrenze. Aber Karmann Mobil tritt ja im preissensiblen Segment an und für die Einstiegssumme ist längst nicht alles an Bord, was wichtig ist. So gibt es etwa Pilotensessel, Rückfahrkamera und Moskitonetz an der Schiebetür sowie die Scheibenverdunklung im Fahrerhaus nur im Concept-Paket für rund 3000 Euro Aufpreis. Leichtmetallräder, lackierte Stoßfänger und Nebenscheinwerfer gehören ebenfalls dazu. Für ein Radio werden 1700 Euro fällig, der Fahrradträger belastet das Budget mit 600 Euro und für den Metalliclack sind 1020 Euro zu zahlen. Der teuerste Posten ist jedoch die Automatik, 3700 Euro verlangt der Hersteller dafür. Das führt unter dem Strich zu einem Preis von 76.290 Euro, was aber nach den kräftigen Steigerungen der vergangenen Jahre immer noch ein erwägenswertes Angebot ist, bei dem man über kleine Nickeligkeiten bei der Qualität und Verarbeitung hinwegzusehen bereit ist. (aum)


Technische Daten Karmann Mobil Dexter 635 H

Länge x Breite x Höhe (m): 6,36 x 2,82
Radstand (m): 4,03
Motor: 4-Zyl.Diesel, Hubraum 2184 ccm, Turbolader, Front, Achtgangautomatik
Leistung: 103 PS/140 kW bei 3000 U/min,
Max. Drehmoment: 350 Nm bei 1400 U/min
Leergewicht: 2970 kg
Zuladung 530 kg
Max. Anhängelast: 2500 kg
Stehhöhe: 1,92 m
Schlaf-/Sitzplätze: 2/4
Frisch-/Abwassertank 100/100 Liter
Verbrauch im Durchschnitt 9,2 Liter Diesel je 100 km,
Basispreis: 66.900 Euro
Testwagenpreis: 76.290 Euro

Veröffentlicht am 21.04.2026

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