2026-09-24 11:27:00 Automobile

Praxistest Kia EV5 GT-Line: Elektrischer Familienfreund

Carzoom.de
Fotos: Kia via Autoren-Union Mobilität

Mag sein, dass sich Zeitgenossen mit dem „Mut zur Lücke“ wohlfühlen – die Kia-Verantwortlichen jedenfalls nicht. Sobald die Planer in Korea eine Lücke im Modellprogramm entdecken, wird sie so schnell wie möglich geschlossen, und deshalb ist es nicht überraschend, dass sie zwischen dem EV4 und EV6 den EV5 schoben.

Optisch fügt sich der Mittelklasse-SUV nahtlos in die Elektropalette der Marke ein und hebt sich gleichzeitig angenehm von dem herrschenden und langweiligen Design-Einheitsbrei, den die meisten Kreativen in dieser automobilen Klasse anrühren, ab. Der 4,61 Meter lange EV5 versteht sich als elektrische Alternative zu den klassischen Familientransportern, und steht in der Variante GT Line selbstbewusst mit seiner kantigen Form auf seinen vier 19-Zoll-Leichtmetallrädern.

Zwar muss der EV5 auf die 800-Volt-Technik des EV9 verzichten, doch wirkt sich dies im Alltag nicht als gravierender Nachteil aus. Als Energiespeicher spendierten die Entwickler dem Familien-SUV einen 81,4 kWh großen Akku, der für eine Reichweite von bis zu 530 Kilometern gut sein soll. Spoiler: Der Kia löst dieses Versprechen nicht ganz ein, aber bei entsprechender Fahrweise lotst das Navigationssystem den EV6 nach rund 450 Kilometern an die nächste Ladestation.

Dabei entdeckt die Navigationshilfe allerdings mitunter Ladesäulen an durchaus dubiosen Stellen, doch einmal angeschlossen, geht es dank Schnellladen fix, bis der Akku wieder aufgeladen ist. Dabei wird auch die versprochene Ladeleistung von 150 kW erreicht, und sie hält sich auch über einen längeren Zeitraum. So werden auch längere Reisen auf der Autobahn zur stressfreien Fahrt. Die Reichweite lässt sich zudem durch die verschiedenen Möglichkeiten, die Bremsenergie in Strom zu verwandeln, vergrößern. Zwei Schaltwippen am Lenkrad ermöglichen die Rekuperation, und so lässt sich der EV5 zudem vor Kurven so verzögern, dass man auf den Tritt auf die Bremse verzichten kann.

Als Antrieb wählten die Entwickler einen 160 kW (218 PS) starken Motor, der die Vorderräder antreibt. Das muss reichen, um den vollbesetzt rund 2,5 Tonnen schweren Familientransporter auf Touren zu bringen. Und das funktioniert. Der EV5 erreicht aus dem Stand Tempo 100 km nach 8,7 Sekunden, und eine Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h. Das maximale Drehmoment liegt bei 295 Newtonmetern an und das reicht allemal für den Sprint zwischendurch. In der Topausstattung kommt der Kia als GT-Line zu den Kunden, wobei das „GT“ in der Modellvariante sich allerdings allein auf optische Elemente beschränkt. Wer einen dynamischeren EV5 sucht, muss zum neuen EV5 GT ohne den Zusatz Line greifen.

Neben dem Antrieb mit seiner angenehmen Leistungsentfaltung tragen auch das Fahrwerk und die Komfortabstimmung zum überzeugenden Fahrerlebnis bei. Der EV5 lässt sich kaum aus der Ruhe bringen, und auch bei schneller Kurvenfahrt verzichtet der Kia auf Wankbewegungen. Allerdings ist das E-SUV von seiner gesamten Charakteristik kein Kurvenräuber, sondern eben ein gelassener Familienfreund. Die Lenkung ist präzise, die Bremsen sehr gut dosierbar, und lediglich gemeine Schweller in der Fahrbahn machen sich bemerkbar. Im Innenraum herrscht während der Fahrt eine angenehme Stille für entspannte Reisen. Allerdings könnte der EV einen kleineren Wendekreis besitzen. 12,3 Meter sind beim Rangieren nicht gerade hilfreich. Kia verspricht einen Verbrauch von 17,8 kWh. Nach vielen Kilometern auf der Autobahn, Landstraßen und in der Stadt meldete der Bordcomputer 19 kWh.

Der Mensch hinter dem Lenkrad blickt auf eine großzügig dimensionierte Informationszentrale, die zwei 12,3 Zoll große Bildschirme zusammenfasst. Die analoge Welt wurde von den Entwicklern nicht vergessen, so dass erfreulicherweise noch Tasten und Regler für die schnelle Bedienung an Bord sind. Die Software-Menüs sind im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern übersichtlich und intuitiv erreichbar. Die wichtigste Anzeige für die Reichweite ist unübersehbar platziert und muss nicht lange gesucht werden. Das Angebot an Fahrassistenten ist wie von Kia gewohnt umfangreich, und gleichzeitig halten sich die Assistenten mit ihren akustischen Ermahnungen und Eingriffen erfreulich zurück.

Die Materialien im Innenraum sind ein seltsamer Mix aus wertig und einfach, die allerdings sauber verarbeitet sind. Der Innenraum ist familientauglich. In das Gepäckabteil passen umgerechnet zwischen 566 und 1650 Liter. Dank des großzügig bemessenen Radstands herrschen auch im Fond sehr gute Platzverhältnisse, so dass auf der Rücksitzbank zwei Kindersitze problemlos montiert werden können. Ein dritter Kindersitz kann auf dem Beifahrersitz montiert werden.

Bleibt am Ende die Frage, wie viel die Familie investieren muss, um sind den elektrischen EV5 in der getesteten Variante GT-Line leisten zu können. Dann sind mindestens 51.990 Euro fällig. Zur Ausstattung gehören unter anderem 19-Zoll-Leichtmetallräder, Aluminium-Sportpedale, ein Fahrersitz mit Massagefunktion, eine Drei-Zonen-Klimaautomatik und eine Audioanalge von Harman Kardon. Die Preisliste für den EV5 beginnt bei der Basisversion mit 45.990 Euro. (aum)

Daten Kia EV5 GT-Line

Länge x Breite x Höhe (m): 4,61 x 1,87 x 1,67
Radstand (m): 2,75
Antrieb: Elektro, Frontantrieb
Gesamtleistung: 160 kW / 218 PS
Max. Drehmoment: 295 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,7 Sek.
Reichweite: 530 km (WLTP)
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 17,8 kWh
CO2-Emissionen: 0 g/km (WLTP)
Testverbaruch: 19 kWh
Leergewicht / Zuladung: min. 2066 kg / max. 511 kg
Kofferraumvolumen: 566–1650 Liter
Preis: 51.990 Euro

Veröffentlicht am 24.09.2026

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