2026-05-21 13:31:00 Automobile

Praxistest Kia Stonic 1.0 GDI: Mehr Munterkeit für den Mild-Hybriden

Carzoom.de
Fotos: Kia via Autoren-Union Mobilität

Nachdem der Kompaktwagen Rio Kias Modellpalette verlassen hat, muss der Kunde nun mit dem Stonic vorlieb nehmen. Der gehört ins B-Segment der SUV-Riege, bringt aber außer der gerade erst erneuerten, markanten Optik keine Off-Road-Gene mit. Angetrieben werden nur die Vorderräder und mit der zwar erhöhten, aber gerade bei 900 Kilogramm liegenden immer noch mäßigen Anhängelast schwächelt der 4,18 Meter lange Viertürer auch in dieser Disziplin. Doch die Figur stimmt, die Ausstattung ist reichhaltig und mit dem zu Kräften gekommenen Hybrid-Antrieb ist die Fahrtrichtung aufs Sparen ausgewiesen.

Die Spitzenmotorisierung kostet in der höchsten Ausstattungsstufe GT-Line 29.090 Euro. Einziges Extra, das sich der Käufer da noch leisten kann, ist die mit 650 Euro scharf kalkulierte Metalliclackierung. Der Innenraum mag etwas trist wirken, doch versprechen die dezenten Farbtöne gepaart mit klaren Linien und guter Bedienbarkeit einen ruhigen Aufenthalt an Bord. Die Platzverhältnisse sind vorne sehr gut, hinten dagegen quetschen sich Menschen mit mehr als 1,80 Meter Größe durch enge Türausschnitte auf die knapp geschnittene, zweiteilige Rückbank. Hier ist der Kindersitz eher der Platzhirsch. Der Kofferraum bietet durchschnittliches Stauvolumen, 352 bis 1155 Liter kommen unter, vor allem der Einbau der Hybridbatterie unter dem Laderaumboden kostet Platz. Die Zuladung ist bei einem Leergewicht von rund 1,33 Tonnen mit 445 Kilogramm anständig bemessen.

Dank des zweifach verstellbaren Lenkrads ist eine angemessene Position am griffigen Volant schnell gefunden. Viele Funktionen lassen sich über Tasten direkt anwählen, vor allem die einfache Abschaltung des Spurassistenten ist eine Wohltat. Die Ausstattung GT-Line bringt unter anderem ein Navigationssystem an Bord, das sprachgesteuert äußerst verständig ist. Auch die induktive Ladeschale in der Mittelkonsole erfreut mit passendem Zuschnitt. Ablagen gibt es zudem in ausreichender Form, wenn auch der Funkschlüssel der Verriegelung keine rechten Platz findet und gerne im Getränkehalt vor sich hin klappert.

Während bei vielen anderen Kia-Modellen der Startknopf erfinderisch versteckt wird, prangt die entsprechende Taste im Stonic unübersehbar hinterm Schalthebel des manuellen Sechsganggetriebes. Mit den typischen Schnarrgeräuschen springt der Dreizylinder an und bringt Stimmung in die Bude. Aus einem Liter Hubraum schöpft er 85 kW (115 PS), das sind gut zehn Prozent mehr Leistung als beim Vorgänger. Munter wird der Benziner jedoch nicht allein durch die Aufladung mittels Abgasturbo, sondern vor allem durch den Startergenerator, der mit einem Treibriemen mit der Kurbelwelle verbunden ist. Beim Anfahren und beim Zwischenspurt springt er dem Verbrenner bei und verkürzt so Überholvorgänge oder die Fahrt über den Beschleunigungsstreifen wesentlich. Gespeist wird er von einer 0,44 kWh speichernden 48-Volt-Lithium-Ionen-Polymer-Batterie, beim Abbremsen, Bergabfahren oder Ausrollen dient er unterdessen der Stromgewinnung, und lädt den Akku auf.

So ist der Stonic gefühlt sehr viel zügiger unterwegs als der Beschleunigungswert von 0 auf 100 km/h vermuten lässt. In 10,7 Sekunden absolviert der Kia diese Übung, als Spitzentempo werden 182 km/h erreicht. Besonders beim Anfahren ist die elektrische Unterstützung zu bemerken, bisweilen prescht der Stonic allzu ungestüm los. Vielleicht steigert das optionale Doppelkupplungsgetriebe die Harmonie beim Losfahren, dafür wären dann aber 2200 Euro Aufpreis fällig. Außerdem soll es sich laut Herstellerangaben obendrein dämpfend auf den Treibstoffkonsum auswirken. Wobei der schon bei der handgeschalteten Version durchaus in Ordnung geht. 5,7 Liter auf 100 Kilometer werden als WLTP-Wert genannt, bei unseren Fahrten lagen wir mit 5,9 Liter kaum darüber. Mit 45 Liter Tankinhalt gelingt die Fahrt zur Zapfsäule in der Regel antizyklisch, wenn die Preise gerade gesunken sind.

Das Fahren mit dem kleinen Kia macht Freude. Zwar ist der aufgeladene Dreizylinder kein Wunder an Laufkultur, aber er stellt seine Kraft spontan und willig bereit. Mit der recht direkten Lenkung lässt sich der Stonic schwungvoll durch die Kurven zirkeln, die Abstimmung des Fahrwerks ist gelungen. Nur knapp 2,5 Lenkradumdrehungen sind es von Anschlag zu Anschlag. Einzig die Fahrt geradeaus muss bei hohem Tempo öfter korrigiert werden. Die Bremsen sind ihrer Aufgabe auch bei übermäßiger Beanspruchung gewachsen, die Federung zeigt sich von der sanften Seite, ohne dass die Karosserie ins Wanken geriete.

Der Stonic ist durchaus in der Lage, sich in die Herzen des vernunftbetonten Autofahrers zu schmeicheln. Seine komplette Ausstattung und eine durchweg gute, wenn auch nicht übertrieben aufwendige Verarbeitung und ein akzeptabler Verbrauch sind Tugenden, die auch im maßgeblich vollelektrisch ausgerichteten Kia-Portfolio gerne gesehen sind. Und nicht zuletzt mag die ungewöhnlich lange Garantie von sieben Jahren den einen oder anderen Zauderer überzeugen können. (aum)

Technische Daten Kia Stonic 1.0 GDI GT Line

Länge x Breite x Höhe (m): 4,18 x 1,76 x 1,52
Radstand (m): 2,58
Antrieb: R3-Benziner, 998 ccm, FWD, 6-Gang-Getriebe
Leistung: 85 kW / 115 PS
Drehmoment: 200 Nm bei 2000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 10,7 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter
CO2-Emissionen: 128 g/km
Testverbrauch: 5,9 Liter
Leergewicht / Zuladung: min. 1328 kg / max.445 kg
Kofferraumvolumen: 352 - 1155 Liter
Max. Anhängelast: 900 kg
Basispreis: 29.090 Euro
Testwagenpreis: 29.740 Euro

Veröffentlicht am 21.05.2026

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