Praxistest Opel Zafira 2.2 TDCI GS: Richtig für sechs Eilige
Der Diesel ist zurück im Opel Zafira. Nachdem es den Van als „Life“-Modell eine Weile ausschließlich mit elektrischem Antrieb gab, ist nun ein erstarkter 2,2-Liter Selbstzünder mit 180 PS (132 kW) wieder am Drücker. Taugt für Familien oder als Shuttle und für Eilige, die auf der Langstrecke angemessenen Komfort genießen wollen.
Der Motor ist ein wahrer Dauerbrenner im Mutterkonzern Stellantis. Er treibt unter anderem den Kassenschlager im Nutzfahrzeuggeschäft, den Fiat Ducato an, die kräftigste Version des Antriebs ccist stets mit der selbstproduzierten Acht-Gang-Automatik kombiniert. Im knapp fünf Meter langen Zafira ist freilich nichts von hemdsärmeliger Handwerker-Mentalität zu spüren. Die Maschine läuft ruhig und nicht übermäßig laut, liefert mit satten 400 Newtonmeter Drehmoment, das schon bei 1500 U/min anliegt, einen nachhaltigen Anschub und macht dem immerhin rund 1950 Kilogramm schweren Van ordentlich Beine.
Die Automatik verarbeitet die Kräfte standesgemäß und routiniert, sanft wechselt sie die Übersetzungen, je nachdem, welchen der Fahrmodi der Chauffeur über den Wippschalter auf der Schalttafel gewählt hat. Der Power-Modus ist im Grunde überflüssig, schon in „Normal“-Stellung wieselt der Zafira über Landstraße oder Autobahn, und schafft 185 km/h Spitze. Für den Standardsprint vergehen 10,6 Sekunden, hier macht sich das beachtliche Eigengewicht bemerkbar. Dennoch lässt sich der Opel-Van sehr sparsam bewegen.
Während der Durchschnittsverbrauch laut WLTP-Messung bei 7,1 Liter Diesel für 100 Kilometer liegt, reichten uns für die Strecke durchschnittlich 6,8 Liter. Was möglicherweise an dem relativ hohen Anteil von Landstraßenfahrten liegen mag. Auf der Autobahn lag die Kurzzeitmessung dann doch Werte jenseits von acht Liter an. Wie auch immer, bei 70 Liter Tankinhalt kommt der Zafira mit einer Füllung rund 1000 Kilometer weit.
Beim Fahrverhalten haben es die Entwickler trotz der Bezeichnung GS (was bei Opel für Performance steht) bei einer eher komfortablen Abstimmung der Federung belassen. Daher bleiben sanfte Seitenneigung in Kurven und das Nicken beim Bremsen nicht ganz aus, die Passagiere werden dafür aber mit beinahe sänftengleichem Komfort verwöhnt. Das passt besonders zur sechssitzigen Ausführung, bei der alle auf feinen Lederbezügen der gut geformten und bequemen Sitze hocken und es dank deren paarweiser Anordnung keine Zwistigkeiten um einen eventuellen Mittelplatz gibt.
Das Ein- und Aussteigen in den Fond gelingt dank der beidseitigen Schiebetüren unspektakulär. Einzig die in Schienen geführten Sitze gilt es zu verschieben, gegebenenfalls hilft auch das Umklappen der Lehne um in die dritte Reihe zu gelangen. Dort müssen die Mitfahrer auf die kleinen Klapptische an der Lehne des Vordersitzes verzichten, die gibt es nur in der zweiten Reihe. An der B-Säule finden sich auch die Drucktasten zum öffnen oder schließen der Schiebetüren, elektrisch angetrieben werden sie ins Schloss gezogen, der übliche Ritschratsch-Sound bleibt aus. USB-Anschlüsse zum Handyladen gibt es für alle vier Fahrgäste im Fond, angenehm ist obendrein die kräftige Tönung der Seitenscheiben.
50.260 Euro kostet die GS-Version des Zafira mit dem kräftigen Diesel. Dazu addieren sich die Preise für die Lederausstattung mit sechs Sitzen in Höhe von 1000 Euro und 900 Euro für die Metalliclackierung. Damit kommt unser Testwagen auf 52.340 Euro, was für einen Familien-Van weniger attraktiv erscheint als für den gewerblichen VIP-Shuttle-Express. Dass die Bedienung denkbar einfach ist, allerdings der mittlerweile bei fast allen Stellantis-Produkten identische Automatik-Wahlhebel nicht zu den präzisesten Einbauten gehört, lässt sich dabei gewiss verschmerzen.
Und andere Tugenden kann der Zafira ins Feld führen. Ohne Werkzeug können alle Sitze im Fond demontiert und herausgenommen werden, dann wird der Opel mit einem Kofferraumvolumen von 4200 Liter dachhoch beladen zum Meister des Transports. Wer nur die letzte Sitzreihe herausnimmt, kann Sportgerät bequem befördern und nicht zuletzt bietet die hohe gestattete Anhängelast von 1,9 Tonnen Reserven für große Caravans, Pferdeanhänger oder Bootstrailer und damit für manche Nutzer erhebliche Kaufanreize. (aum)
Daten Opel Zafira 2.2 TDCI GS
Länge x Breite x Höhe (m): 4,98 x 1,01 x 1,89
Radstand (m): 3,28
Antrieb: R4-Diesel, 2184 ccm, Frontantrieb, 8-Gang-Automatik
Leistung: 132 kW (180 PS) bei 3500 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 10,6 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 7,1 Liter
Testverbrauch: 6,8 Liter
Tankinhalt: 70 Liter
CO2-Emissionen: 180 g/km (Euro 6)
Leergewicht / Zuladung: min. 1953 kg / max. 877 kg
Anhängelast: 1900 kg
Kofferraumvolumen: 422 - 4200 Liter
Wendekreis: 12,9 m
Preis: 50.260 Euro
Testwagenpreis: 52.340 Euro
Veröffentlicht am 09.07.2026





