2026-08-04 15:06:00 Automobile

Praxistest Seat Ibiza 1.0: Kleinwagen mit guter Bodenhaftung

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger

Einfache Bedienung, gute Fahrleistungen und ein angemessener Verbrauch machen den überarbeiteten Seat Ibiza erneut zu einer attraktiven Mobilitätslösung. Dass er zudem weniger kostet als der in vielen Teilen baugleiche Konzernbruder VW Polo fördert die Zuneigung obendrein.

Der eine Zentimeter fällt nicht weiter auf, den Seats Kleinwagen Ibiza im Zuge der jüngsten Auffrischung zugelegt hat. Die modifizierten Stoßfänger bedingen das maßvolle Wachstum. So bleibt der knuffige Spanier ein charakterstarker Vertreter in seiner Klasse. Die Modellpflege fällt an anderen Bereichen der Karosserie weitaus deutlicher auf. So stechen etwa der nun sechseckige, breitere Kühlergrill, der größere Lufteinlass und die markanten Voll-LED-Scheinwerfer ins Auge. Das Heck hat mit seiner dunklen Grafik an optischer Breite gewonnen, dazu gesellen sich zwei neue, besonders leuchtende Farbangebote und zusätzliche Designvarianten der Leichtmetallräder. Die Konfigurationsmöglichkeiten des Ibiza sind noch reichhaltiger geworden, ein Umstand, der vor allem bei jüngeren Käufern eine gewichtige Rolle spielt.

Innen zeigt sich der kleine Seat aufgeräumt und stylisch. Neue textile Sitzbezüge und weiches, haptisch ansprechendes Verkleidungsmaterialien werten das Mobiliar deutlich auf. Eine passende Sitzposition ist schnell gefunden, was allerdings fehlt ist eine dem entspannten Sitzen zuträgliche Armlehne über dem Getriebetunnel. Dafür ist die Bedienung angenehm einfach geblieben. Viele Funktionen lassen sich über Tasten steuern, unterhalb des zentralen Monitors (der natürlich nicht ohne die übliche Berührungsspielereien auskommt) gibt es eine Leiste über die sich wesentliche Einstellungen der Klimatisierung direkt anwählen lassen. Einen Drehsteller als Lautstärkeregler gibt es leider nicht, dafür muss die Rändelwalze am Multifunktions-Lenkrad hergenommen werden.

Von hier aus wird außerdem die sehr verständige Spracheingabe gestartet, die Zielangabe für die Navigation oder die Senderwahl im Audiosystem erkennt der Computer selbst bei schwierigen Ortsangaben oder Radiostationen eindeutig. Das digitale Cockpit lässt sich ganz nach Wunsch konfigurieren, die Darstellung der Fahrdaten ist kontrastreich und leicht ablesbar. Ablagen gibt es in ausreichender Zahl, ins Handschuhfach würde sogar ein altmodischer Europa-Atlas passen.

Für die Mitfahrer ist das Raumangebot klassengerecht. Fahrer und Beifahrer genießen reichlich Platz und bleiben auf Distanz zueinander, das Ein- und Aussteigen gelingt trotz fehlender Haltegriffe am Dach mühelos. Anders sieht das im Fond aus, aber wir bewegen einen Kleinwagen und da müssen eben Zugeständnisse gemacht werden. Selbst weniger hünenhaften Passagiere kommen auf der Rückbank nur zurecht, wenn die Vornesitzenden einsichtig sind und ihr Gestühl nicht in die allerletzte Position schieben. Die knappe Breite des Ibiza macht die Beförderung eines Trios nur erträglich, wenn es sich um die schlanken Mädels aus der Gymnastikgruppe handelt, die Jungs vom Footballverein passen nur als Duo.

Vergleichsweise großzügig geht es dagegen im Kofferraum zu. 355 Liter können über die eher niedrige Ladekante gehievt werden, wer die Lehnen umklappt, kann das Ladevolumen auf 1165 Liter steigern, erhält jedoch trotz des eingelegten Zwischenbodens keine völlig ebene Staufläche. An mangelnder Zuladung dürfte kaum eine Transportaufgabe scheitern, satte 597 Kilogramm sind erlaubt. Bei der Anhängelast kann der Ibiza nicht auftrumpfen, 1100 Kilogramm darf er anhängen, verständlich, da das Eigengewicht des Kleinwagens bei nur 1178 Kilogramm liegt.

Unser Testwagen rollt mit einem 116 PS starken, turbogeladenen Ein-Liter-Dreizylinderbenziner und in der umfangreichen FR-Ausstattung auf den Hof. Die Maschine ist für rund 1500 Euro Aufpreis mit einem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert und wird per Startknopf auf der Mittelkonsole angelassen. Ohne den typisch nörgelnden Klang dieser Konstruktionsweise nimmt der Dreizylinder seine Arbeit auf, zum Aktivieren des Getriebes gibt es statt der sich mittlerweile immer mehr ausbreitenden Miniaturschiebeschalter einen richtigen massiven Hebel für das Einlegen der Fahrstufe. Das geschieht bis dahin ruckfrei, wenn der rechte Fuß jedoch zum Beschleunigen auffordert, macht der Ibiza regelmäßig einen Freudenhopser. Wie häufig bei dieser Bauart kuppelt die Automatik sehr flink ein, was ein sanftes Anfahren zur wahren Übungssache macht.

Wenn die Räder erstmal rollen, kehrt Sanftmut ein und das Getriebe wechselt die Übersetzungen sachte und stets zum rechten Zeitpunkt. Wer will, kann die Gänge auch mit den Schaltwippen am Lenkrad anwählen, in der Praxis ist dies jedoch selten notwendig. In 9,9 Sekunden spurtet der Seat von 0 auf 100 km/h, dem Gefühl nach erledigt er den Standardsprint schneller. 198 km/h liegen bei Höchstgeschwindigkeit an, dann ist die Geräuschkulisse an Bord dominant, der Fahrstabilität tut dies jedoch keinen Abbruch.

Wir haben uns während unseres 14-tägigen Rendezvous eher zurückgehalten und angesichts hoher Spritpreise häufig den Schaltmodus „Eco“ statt „Normal“ oder gar „Sport“ gewählt. Mit Erfolg, denn in der Endabrechnung verlangte der Motor 5,5 Liter auf 100 Kilometer, lediglich 0,2 Liter mehr als der Normverbrauch ausweist. 40 Liter passen in den Tank, damit bekommt der Ibiza eine ordentliche Reichweite.

Unterwegs erfreuen außerdem die direkte Lenkung und die sehr fein dosierbaren Bremsen. Weniger Vergnügen beschert die stramme Federung, die zu gezielter Streckenwahl führt, um besonders holprige Abschnitte zu vermeiden. Das Kurvenverhalten ist tadellos und erlaubt sehr zügiges Cruisen. In der Stadt gibt sich der Ibiza wendig und munter, auch wenn der Rückblick beim Rangieren durch die dicken C-Säulen eingeschränkt wird. Immerhin haben es mit der Überarbeitung Parkpiloten an Bord geschafft, und eine Rückfahrkamera ist ebenfalls im Angebot.

Gute Verarbeitung und gepflegte Alltagstauglichkeiten auf nahezu jeder Streckenlänge machen Seats Kleinsten nach der Auffrischung weiterhin auch preislich zum attraktiven Angebot für alle, sich der zunehmenden Entfremdung wegen unangemessener Digitalisierung entziehen möchten. Die Hoffnung bleibt, dass der Ibiza auch am Ende seiner zweiten Lebenshälfte einen Nachfolger findet, der den Boden nicht unter den Rädern verloren hat. (aum)

Technische Daten Seat Ibiza 1.0 FR 116 PS
Länge x Breite x Höhe (m): 4,07 x 1,78 x 1,45
Radstand (m): 2,69
Antrieb: R3-Benziner, 999 ccm, FWD, 7-Gang-Aut.
Leistung: 85 kW / 116 PS
Max. Drehmoment: 200 Nm bei 1500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,9 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,3 Liter
CO2-Emissionen: 120 g/km
Testverbrauch: 5,5 Liter
Tankinhalt: 40 Liter
Leergewicht / Zuladung: min. 1178 kg / max. 597 kg
Kofferraumvolumen: 355–1165 Liter
Max. Anhängelast: 1100 kg
Basispreis: 28.560 Euro
Testwagenpreis: 29.730 Euro

Veröffentlicht am 04.08.2026

Auto & MobilesMarken & ModelleSeatIbizaPraxistestKleinwagenFacelift


 
Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen, sowie kontaktiert zu werden.Mit (*) markierte Felder sind Pflichtfelder.