Ratgeber: Sicher fahren mit Extra-Last
Grundlage jeder sicheren Fahrt ist die Einhaltung der zulässigen Gewichte. Entscheidend sind die im Fahrzeugschein eingetragenen Werte für Gesamtmasse, Achslasten sowie die erlaubte Anhängelast. Besonders die Hinterachse gerät bei voll gepacktem Kofferraum, Mitfahrern auf den Rücksitzen, Fahrradträger oder zusätzlicher Stützlast schnell an ihre Belastungsgrenze. Wer Zweifel hat, sollte Fahrzeug und Fracht vor der Abfahrt auf einer öffentlichen Waage kontrollieren.
Ebenso wichtig ist die richtige Gewichtsverteilung. Schwere Gepäckstücke gehören möglichst tief und nahe an die Rücksitzlehne. Dadurch bleibt der Schwerpunkt niedrig und das Fahrzeug stabiler. Lose Gegenstände auf der Rückbank, der Hutablage oder oberhalb des Gepäckstapels stellen dagegen ein erhebliches Risiko dar. Bereits bei einer Vollbremsung können sie zu gefährlichen Geschossen werden. Die Straßenverkehrs-Ordnung schreibt deshalb vor, Transportgut so zu sichern, dass es weder verrutscht noch umkippt oder herausfällt.
In der Praxis bedeutet das, das Gepäck sollte möglichst lückenlos verstaut werden, damit sich einzelne Teile gegenseitig abstützen. Antirutschmatten, stabile Zurrgurte und geeignete Befestigungspunkte sorgen für zusätzliche Sicherheit. Runde Gegenstände müssen gegen Wegrollen gesichert werden, Kleinteile gehören in verschlossene Behälter. Auf Anhängern verhindert ein Netz oder eine Plane zwar das Herauswehen leichter Materialien, ersetzt jedoch keine fachgerechte Sicherung. Nach den ersten Kilometern empfiehlt sich eine Kontrolle der Spanngurte.
Das höhere Fahrzeuggewicht belastet außerdem die Reifen. Deshalb sollte der Luftdruck vor Fahrtbeginn an die Herstellerangaben für volle Beladung angepasst werden. Diese Informationen finden sich unter anderem in der Betriebsanleitung, am Tankdeckel oder an der B-Säule. Auch die Reifen des Anhängers verdienen Aufmerksamkeit. Neben ausreichendem Profil spielen Alter, Risse und korrekter Druck eine entscheidende Rolle. Die GTÜ empfiehlt mindestens vier Millimeter Profiltiefe, um insbesondere bei starkem Regen ausreichend Reserven zu haben.
Beim Ziehen eines Anhängers ist die Stützlast ein zentraler Sicherheitsfaktor. Sie beschreibt die Kraft, mit der die Deichsel auf die Anhängerkupplung wirkt. Ist sie zu gering, steigt die Gefahr des Schlingerns. Eine zu hohe Belastung beansprucht dagegen Kupplung, Fahrwerk, Hinterachse und Reifen unnötig stark. Schwere Gegenstände sollten deshalb über oder leicht vor der Achse des Anhängers platziert werden. Hoch aufgetürmte Ladung erhöht den Schwerpunkt und verschlechtert die Fahrstabilität zusätzlich.
Vor jeder Abfahrt empfiehlt sich ein kurzer Technikcheck. Kupplung, Sicherungsseil, Stützrad, Beleuchtung, Kennzeichen sowie verriegelte Bordwände sollten ebenso überprüft werden wie die gelöste Handbremse des Anhängers. Während der Fahrt gilt: Geschwindigkeit reduzieren, größere Sicherheitsabstände einhalten und abrupte Lenkbewegungen vermeiden. In Deutschland sind mit Gespann grundsätzlich 50 km/h innerorts und 80 km/h außerorts erlaubt, unter bestimmten Voraussetzungen auch 100 km/h.
Gerät ein Anhänger dennoch ins Schlingern, ist besonnenes Handeln gefragt. Hektische Lenkbewegungen oder zusätzliches Gas verschlimmern die Situation meist. Stattdessen sollte das Lenkrad ruhig gehalten, die Geschwindigkeit kontrolliert reduziert und anschließend die Ursache überprüft werden. Häufig liegen Fehler bei der Gewichtsverteilung, der Stützlast, dem Reifendruck oder der Ladungssicherung vor.
Der GTÜ hat einen Merksatz für jede Fahrt mit Extra-Last aufgestellt: Schwerpunkt tief, Ladung fest, Stützlast richtig, Tempo raus, Abstand rein – so bleibt der Transport mit vollem Pkw oder Anhänger berechenbar. (aum)
Veröffentlicht am 06.08.2026
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