2026-03-30 12:01:00 Automobile

Renault Group auf E-Kurs: Retro-Stromer treiben Marktanteil

Carzoom.de
Fotos: Renault via Autoren-Union Mobilität

In Europa hat sich Renault mit seinen Fahrzeugen inzwischen den zweiten Platz in der Verkaufsstatistik erobert. Mit knapp 149.000 Einheiten im vergangenen Jahr konnte in Deutschland ein Marktanteil von 4,74 Prozent erreicht werden. Weiteren Zuwachs soll vor allem die kultigen Stromer R 4 und R 5 sowie der in Kürze in den Handel kommenden Twingo bringen.

Auch Dacia schwimmt in Deutschland mit 74.000 Einheiten in 2025 weiterhin auf der Erfolgswelle. Zwar waren das überwiegend Modelle mit Verbrenner-Antrieben, doch mit dem frisch überarbeiteten Spring haben die Rumänen nach wie vor das günstigste Elektroauto im Angebot. Die zweite Renault-Tochter Alpine setzt inzwischen mit A290 und A390 komplett auf E-Mobilität. Der Sportwagen A110 wird ebenfalls durch eine elektrische Version mit 800-Volt-Technologie ersetzt. Der Sportler soll um die 1500 Kilogramm wiegen. Der Schleier über Leistungsdaten und Optik soll vermutlich noch in diesem Jahr gelüftet werden.

Doch zunächst einmal zu den aktuellen Angeboten. Bis auf den Spring profitieren die E-Fahrzeuge der Renault-Gruppe von der AmpR Small Plattform. Der R 5 E-Tech Electric war der erste Stromer, der diese komplett auf Elektro-Antriebe ausgelegte Plattform nutzen durfte. Der 3,92 Meter lange, ohne Außenspiegel 1,77 Meter breite und 1,50 Meter hohe viertürige Kleinwagen lehnt sich optisch stark an den ursprünglichen R 5 an, der von 1972 bis 1996 millionenfach gebaut wurde. Das Retro-Design haben die Gestalter gelungen mit aktuellen Elementen vermischt. Der neue R 5 ist schlichtweg ein schickes Auto geworden, ein echter Hingucker, der zudem immer auf 18-Zoll-Rädern steht. Auffällig im Gesicht die im Stoßfänger untergebrachten rechteckigen Lichteinheiten, die an den Ecken abgerundet sind.

Ein Element, das sich im modern und stylisch gestalteten Passagierabteil oftmals wiederfindet. So sind die Lufteinlassdüsen und auch die Displays entsprechend gezeichnet. Auf dem digitalen Cockpit (sieben Zoll beim Einstiegsmodell, sonst 10,1 Zoll) werden wichtige Fahrinformationen angezeigt. Fünf unterschiedliche Grafiken können gewählt werden. Der zentral angesiedelte Multimedia-Bildschirm ist generell zehn Zoll groß und zum Platz am Steuer geneigt. Google-Dienste wie Maps, Spracherkennung und Assist sind integriert. Smartphones lassen sich mit und ohne Kabel über Apple Car Play oder Android Auto verbinden. Nach wie vor hält Renault an drei Lenkstockhebeln auf der rechten Seite fest. Oben liegt der Wahlschalter für die Gangwahl, darunter der für den Scheibenwischer und ganz unten die Bedieneinheit für das Radio. Retro ist ja ganz nett, doch das hier ist weder schön noch praktisch.

Die Sitze sind dafür aber fest gepolstert und geben guten Seitenhalt. Auf der Rückbank ist das Platzangebot eher übersichtlich und für groß gewachsene Personen nicht zu empfehlen.
Angetrieben wird der elektrische R 5 über die Vorderräder. Zur Wahl stehen 110 kW (150 PS) und 90 kW (122 PS) starke E-Maschinen. In der Version Comfort Range hat die Batterie eine Netto-Kapazität von 52 kWh, in der Urban Range 40 kWh. Die WLTP-Reichweiten gibt Renault mit bis zu 470 beziehungsweise 312 Kilometern bei Verbrauchswerten nach der Norm von um die 15 kWh an. Nach eher zurückhaltender Fahrweise im städtischen Umfeld, auf Landstraßen sowie einigen Autobahnkilometern mit maximal Tempo 130 zeigte der Bordcomputer 23,1 kWh an. Das ist selbst bei Temperaturen um die fünf Grad für einen Kleinwagen ziemlich happig. Geladen werden kann an der heimischen Wallbox mit 11 kW oder an einer DC-Säule mit bis zu 100 kW beim 52 kWh-Akku, bei der kleineren Batterie sind es nur 80 kW. Damit soll es um die 30 Minuten dauern, um den Energiegehalt von 15 auf 80 Prozent zu bringen.

Der R 4, den Renault inzwischen ebenfalls als E-Modell wieder zum Leben erweckt hat, zeigt sich ebenfalls nicht als Verbrauchswunder. Hier waren 21,2 kWh bei fast identischer Strecke und Tempo auf dem Display abzulesen. Auch das liegt weit über dem WLTP-Wert von 15,4 kWh. Da der R4 wie der R5 auf der neuen Elektro-Plattform von Renault steht, kommt die identische E-Maschine mit einer Leistung von 110 kW (150 PS) sowie die auf NMC-Technologie (Nickel-Mangan-Kobalt) basierende Batterie mit einer Kapazität von 52 kWh zum Einsatz. Die Reichweite wird mit bis zu 400 Kilometern angegeben. Das dürfte aber lediglich in der Stadt mit vielen Rekuperationsphasen gelingen. Die Ladeleistung ist ebenfalls wie beim R5. Und im Gleichklang ist auch der zweite Antrieb - die E-Maschine mit 90 kW (120 PS), einer 40-kWh-Batterie und einer DC-Ladeleistung von 80 kW. Die WLTP-Reichweite beträgt um die 300 Kilometer.

Der Renault 4 E-Tech Electric soll Tugenden des in den 1960er Jahren entwickelten legendären R4 anknüpfen. Das waren vor allem Vielseitigkeit und ein großer Kofferraum. Der Wagen sprach alle Altersgruppen und soziale Schichten an und hatte enormen Erfolg. Mehr als acht Millionen Einheiten wurden in 30 Jahren weltweit verkauft.

Mit einem 420 Liter großen Kofferraum, einer niedrigen Ladekante, vielen Ablagefächern, einer umklappbaren Rücksitzbank und einem Beifahrersitz, der sich flach umklappen lässt will Renault an die Vielseitigkeit des Erfolgsmodells anknüpfen. Damit steht eine Ladelänge von maximal 2,20 Metern zur Verfügung. Zudem haben die Entwickler der Elektro-Version eine im Vergleich zum R5 erhöhte Bodenfreiheit mit auf den Weg gegeben. Das Fahrwerk ist bei beiden Modellen vor allem auf Komfort ausgelegt.

Der 4,14 Meter lange R 4 überragt den R 5 um 22 Zentimeter. Das kommt vor allem dem Ladeabteil zu Gute. Das ist durch eine elektrisch bedienbare Heckklappe dank der Ladekante mit einer Höhe von nur 61 Zentimetern leicht zu be- und entladen. Die Klappe für den Kofferraum steht wie beim Ur-R4 senkrecht und ragt bis in den hintern Stoßfänger. Das Ladeabteil weist an allen Seiten gerade Linie auf. So kann der Raum optimal genutzt werden.

Gut durchdacht ist zudem die zweigeteilte Abdeckung des Ablagefachs im Unterboden mit 35 Litern Fassungsvermögen. Wenn eine Seite etwa durch ein Gepäckstück im Kofferraum bedeckt ist, kann die andere Seite weiterhin geöffnet werden. So lässt sich bei Bedarf das Ladekabel problemlos herausnehmen. Denn ein Frunk haben weder der R 4 noch der R 5. Praktische Dinge wie Verzurrösen, Haken und ein Gummiband an jeder Seite unterstreichen die Praxistauglichkeit.

Das Mehr an Kofferraum geht ein wenig zu Lasten des Platzes auf der Rückbank. Die bietet für Personen mit einer Körpergröße von 1,85 Metern kein bequemes Reisen. Kinder und Jugendliche bis zu 1,60 Metern Größe aber sollten sich hier wohl fühlen. Vorne haben die Designer die Screens vom R5 ebenso übernommen wie die Möglichkeiten der Smartphone-Anbindungen. Designmäßig wirkt der Innenraum des R 5 etwas styliger als im R 4.
Beide Modelle verfügen selbstverständlich über eine Reihe von Assistenzsystemen.

Das gilt auch für den Dacia Spring. Der nach wie vor günstigste Elektrowagen aber steht noch auf einer älteren Plattform, die auch einem Verbrenner ausreichend Platz bietet. Für das neue Modelljahr hat die Renault-Tochter die Plattform umfangreich überarbeitet. So ist im verstärkten Mittelteil eine neue Batterie installiert. Zwei neue Motoren mit 52 kW (70 PS) und 75 kW (100 PS) ersetzen die bisher eingesetzten deutlich schwächeren Maschinen mit 33 kW (45 PS) und 48 kw (65 PS). Der 70-PS-Antriebsstrang mit einem WLTP-Verbrauch von 12,7 kWh ist in den Ausstattungsvarianten Essential und Expression erhältlich. Die 100-PS-Version (12,4 kWh) wird ausschließlich für den Extreme angeboten. Beide Leistungssteigerungen machen sich auf Anhieb bemerkbar. Antritt und Durchzug sind zwar immer noch nicht sportlich, aber um einiges besser geworden.

Neu ist auch eine 24,3-kWh-Batterie, die erstmals in der Renault Group die Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP) nutzt. Geladen werden kann jetzt mit einem 40-kW-DC-Bordladegerät. Es ist je für die Ausstattungsvarianten Expression und Extreme erhältlich und soll die Batterie in 29 Minuten von 20 Prozent auf 80 Prozent aufladen. Das bisherige 30-kW-Gerät hat ausgedient. Das Sieben-kW-Wechselstromladegerät ist weiterhin serienmäßig Standard. Die Reichweite gibt Dacia mit 225 Kilometer an. Und die lässt sich sogar fast erreichen. Auf der gleichen Strecke und mit ziemlich identischem Tempo wie mit den R4 und R5 gefahren, zeigte der Bordcomputer im lediglich eine Tonne wiegenden Dacia Spring lediglich glatte 15 kWh an. Das ist ein Wort.

Zugegeben, der Komfort und die Fahrqualitäten des Dacia Spring sind mit den Konzernbrüdern R4 und R5 nicht zu vergleichen. Der Spring ist im Innenraum mit viel Hartplastik bestückt, lässt eine Menge Windgeräusche ins Passagierabteil dringen und ist auf den praktischen Einsatz in der Stadt ausgelegt. So gibt es jede Menge Staufächer mit einem Gesamtvolumen von 32 Litern. Der Kofferraum fasst 308 Liter und lässt sich bei vorgeklappten hinteren Lehnen bis auf 1004 Liter erweitern. Serienmäßig gibt es ein individuell anpassbares Sieben-Zoll-Digital-Kombiinstrument und in den Ausstattungsvarianten Essential und Expression ein Multimediasystem mit Lenkradsteuerung, das Medieninformationen und Telefonanrufe auf dem digitalen Armaturenbrett anzeigt. Im Extreme serienmäßig und für Expression optional ist ein Display-System mit einem 10,1-Zoll-Touchscreen in der Mitte und drahtloser Konnektivität mit Apple CarPlay und Android Auto verbaut.

Wie R 4 und R 5 ist auch der Dacia Spring mit V2L (Vehicle-to-Load) ausgerüstet. So können externe Elektrogeräte mit Strom versorgt werden. Anders als die beiden Renaults kann der Spring aber optional mit einem kleinen Frunk ausgestattet werden. Der lässt sich ganz einfach mit vier Schrauben unter der Fronthaube anbringen und kostet knapp 200 Euro.

Damit sind wir bei den Preisen. Der Dacia Spring schlägt nach wie vor mit einem Einstiegspreis von 16.900 Euro alle Konkurrenten. Selbst die beste Ausstattung mit dem großen Motor liegt noch unter der 20.000-Euro-Grenze. Das sieht bei Renault etwas anders aus. Der R 4 E-Tech Electric startet bei 29.500 Euro, der R 5 bei 28.000 Euro. Lifestyle, Retro-Feeling sowie auch das Plus an Qualität und Ausstattung will halt honoriert werden.

Bis 2030 will die Renault Gruppe übrigens 22 neue Modelle in Europa auf den Markt bringen, darunter 16 vollelektrische Varianten. Eine davon ist ein moderner Dacia, der in der Klasse des Spring angesiedelt sein wird und damit voraussichtlich das Ende des seit 2021 immerhin mehr als 40.000 mal verkauften Elektro-Winzlings bedeutet. (aum)

Veröffentlicht am 30.03.2026

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