2026-11-06 12:01:00 Automobile

Sein Zuhause war die Autobahn

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Fotos: ADAC via Autoren-Union Mobilität

Gunter Gabriel wusste, dass es ihn gibt: Am 27. Oktober 2026 lernten die Verkehrsordnungshüter in Mittelschweden einen Trucker kennen, der auf dem Highway, vor allem aber seit März 2026 in seiner Führerkabine Zuhause war.

Da staunten die Beamten nicht schlecht. An der Kontrollstation Evelund an der Straße 70 bei Sala, missachtete im Oktober der Fahrer eines in Litauen zugelassenen Lastzuges nach Angaben der schwedischen Nutzfahrzeugzeitschrift Tidningen Proffs wiederholt. Erst beim dritten Versuch waren die Polizisten erfolgreich. Der Fahrzeugführer, ein 43 Jahre alter Mann aus Tadschikistan, erklärte, dass er seit März 2026 ununterbrochen in Europa unterwegs gewesen sei und während dieser Zeit in seiner Fahrerkabine gelebt habe.

Das verstößt ganz erheblich gegen die geltenden EU-Vorschriften. Die regelmäßigen wöchentlichen Ruhezeiten von mindestens 45 Stunden dürfen nicht im Fahrzeug verbracht werden, auch wenn dessen Kabine dafür ausgerüstet ist. Transportunternehmen müssen die Arbeit so organisieren, dass Fahrer grundsätzlich innerhalb von vier Wochen eine Rückkehrmöglichkeit zum Wohnort oder zur Betriebsstätte erhalten.

Der Verstoß wurde mit einer Strafe von 80.000 schwedischen Kronen geahndet, umgerechnet rund 7300 Euro. Bis zum Zahlungseingang blockierte die Polizei den Lastzug mit einer mechanischen Wegfahrsperre, die sie allerdings schon eine Stunde nach dem Straferlass wieder entfernen musste. Der litauische Arbeitgeber hatte den Betrag innerhalb von nur einer Stunde per Express-Überweisung beglichen.

Die Hintergründe sind klar. Das Verhalten des Truckers hat die Kosten der Spedition für Übernachtungen in festen Gebäuden oder die Rückkehrmöglichkeit zum Betriebsstandort erheblich reduziert. Was angesichts der geringen Margen im Fuhrgeschäft eine überaus arbeitgeberfreundliche Geste ist. Im Sinn der sozialen Verantwortung und ebenso der Verkehrssicherheit ist das allerdings nicht. Vermutlich achtet die schwedische Verkehrspolizei daher künftig besonders wachsam auf Lastwagen mit litauischer Zulassung. (aum)

Veröffentlicht am 06.11.2026

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