2026-04-09 15:27:00 Automobile

Spritpreise: Der AvD fordert wirksame Sofortmaßnahmen

Carzoom.de
Fotos: Auto-Medienportal.Net/AvD

Die aktuellen Entwicklungen auf den internationalen Energiemärkten sorgen weiterhin für erheblichen Druck auf die Kraftstoffpreise in Deutschland. Zwar wurde zuletzt eine Waffenruhe in der Golfregion vereinbart und auch die wichtige Handelsroute Straße von Hormus wieder geöffnet, dennoch bleibt die Lage angespannt. Steigende Rohölpreise werden sehr schnell weitergegeben, während sinkende Einkaufspreise nur verzögert ankommen. Selbst bei kurzfristiger Entspannung ist daher kein schneller Preisrückgang zu erwarten, wie der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille bestätigte. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) fordert daher von der Politik Maßnahmen, die zu einer direkten Entspannung an der Zapfsäule führen.

Die zum 1. April eingeführte Regelung mit nur einer täglichen Preiserhöhung hat erwartungsgemäß keine spürbare Entlastung gebracht. Der AvD sieht sich in seiner bereits zuvor geäußerten Kritik bestätigt. Ohne funktionierenden Wettbewerb blieben solche Eingriffe wirkungslos. Zusätzlich seien die staatlichen Belastungen ein strukturelles Problem: In Deutschland entfallen rund 54 bis 60 Prozent des Kraftstoffpreises auf Steuern und Abgaben.

Der AvD verweist auf andere EU-Staaten, in denen gezielte Eingriffe vorgenommen wurden und Wirkung zeigen. Polen hat die Mehrwertsteuer deutlich gesenkt und zusätzlich Preisobergrenzen eingeführt. Belgien arbeitet mit staatlich festgelegten Höchstpreisen, die regelmäßig angepasst werden. In Frankreich greifen sowohl staatliche Kontrollen als auch freiwillige Preisdeckel großer Anbieter, um extreme Ausschläge zu begrenzen. Diese Maßnahmen reduzierten zumindest kurzfristig die Belastung für Verbraucher.

Kurzfristig könnten in Deutschland temporäre Steuerentlastungen eine direkte Ersparnis bringen. Auch Baden-Württembergs Minister Peter Hauk hatte kürzlich eine Senkung der Energiesteuer sowie einen Spritpreisdeckel ins Spiel gebracht. Langfristig hält der AvD jedoch weitergehende Maßnahmen für notwendig. Dazu zählt insbesondere die Einführung einer Übergewinnsteuer, um in Krisenzeiten außergewöhnliche Zusatzgewinne der Mineralölkonzerne abzuschöpfen – auch wenn dies nicht automatisch zu niedrigeren Preisen an den Zapfsäulen führen wird.

Der AvD fordert ein entschlossenes politisches Handeln, um die strukturellen Ursachen der Preisentwicklung anzugehen und Autofahrer nachhaltig zu entlasten. AvD-Präsident Lutz Leif Linden erklärt: „Wir sehen erhebliche Defizite bei Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Preisbildung. Es ist nicht zu erkennen, wie sich der Preis konkret zusammensetzt und ob Preissteigerungen tatsächlich marktbedingt oder strategisch motiviert sind. Daher begrüßen wir kartellrechtliche Prüfungen, sehen aber gezielte Entlastungen direkt an der Zapfsäule als vordringlich an.“ Individuelle Mobilität müsse bezahlbar bleiben, da sie für viele Bürger essenziell sei.

Vor Ausbruch der Krise lagen die Preise laut AvD Ende Februar 2026 im Schnitt bei rund 1,82 Euro je Liter Super E5 und 1,73 Euro für Diesel. Beim bisherigen Höchststand am 6. April wurden bereits 2,25 Euro für Super E5 und über 2,45 Euro für Diesel fällig – ein Anstieg von rund 24 Prozent bei Super und fast 42 Prozent bei Diesel. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung beim Diesel: Trotz steuerlicher Begünstigung – die Energiesteuer liegt bei rund 47,04 Cent pro Liter gegenüber 65,45 Cent bei Benzin – steigt der Dieselpreis derzeit stärker als der Benzinpreis.

Mineralölkonzerne verweisen darauf, dass neben Steuern vor allem Marktverwerfungen infolge der geopolitischen Krise, die Nachfrage im Güterverkehr sowie Versorgungsengpässe die Preise treiben. (aum)

Veröffentlicht am 09.04.2026

UnternehmenAvDPolitik & VerkehrKraftstoffpreise


 
Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen, sowie kontaktiert zu werden.Mit (*) markierte Felder sind Pflichtfelder.