2026-04-13 09:36:00 Automobile

30 Jahre Berlingo: Citroën überwindet Grenzen

Carzoom.de
Fotos: Citroën via Autoren-Union Mobilität

Vor 30 Jahren überraschte Citroën die automobile Welt mit einem vollkommen neuen Konzept. Bis 1996 existierte eine strenge Trennung zwischen Nutzfahrzeugen, wenig charmant als Kastenwagen unterwegs, und Personenwagen. Mit dem Berlingo, in der deutschen Definition als Hochdachkombi eingeordnet, lösten die Franzosen diese Grenze auf. Die Vorgänger des neuen Modells von dem Transporter Azu auf 2CV-Basis bis zum vom kompakten Visa abgeleiteten C15 waren klassische Transporter, die sich nicht unbedingt als Familienmobile eigneten.

Im Jahr 1996 beherrschten die Familienvans wie der Volkswagen Sharan die automobile Szene, doch diese Fahrzeuge waren für viele Menschen damals schlicht zu kostspielig. Als preiswerte Alternative brachte Citroën den Berlingo in zwei Versionen auf den Markt. Die Variante als Kastenwagen zielte auf den Handwerker und die Pkw-Version auf Familien und freizeitorientierte Zeitgenossen. Dabei war der Name des ungewöhnlichen Modells durchaus Programm, denn „Berline“ stand für eine besonders komfortable Kutsche und bezeichnet im Französischen auch die Limousine. Das neue Modell war damals der erste Vertreter des „Dual Use“- Konzepts, das angesichts des Erfolgs von den anderen Herstellern aufgegriffen wurde.

Bei der Schwestermarke Peugeot kam der baugleiche Partner auf den Markt, Renault schickte den Kangoo auf die Straße, und Fiat, Opel und sogar Mercedes-Benz (mit dem Vaneo) griffen die Idee auf und entwickelten vergleichbare Modelle. 1997 wurde der Berlingo zusammen mit dem Peugeot Partner zum „Van oft he Year“ befördert. In den vergangenen 30 Jahren entstanden mehr als drei Millionen Berlingo.

Auf der Fläche eines Kompaktmodells erreichte der Berlingo vergleichsweise großzügige Raumverhältnisse, so dass bald nach der Vorstellung die ersten Minireisemobile entwickelt wurden. Inzwischen rollt die dritte Generation des Modells von den Bändern. War die erste Generation noch relativ einfach konstruiert, so hat sich der Berlingo in den vergangenen Jahrzehnten vor allem im Bereich Komfort deutlich weiterentwickelt. Geblieben ist aber das ursprüngliche Konzept: kurze Motorhaube, hohes Dach und zwei seitliche Schiebetüren. Das in der ersten Auflage lieferbare Faltdach erinnerte damals an den 2CV war allerdings bei mehr als 100 km/h für einen infernalischen Lärm verantwortlich.

Während die Familienvans inzwischen auf der automobilen roten Liste gelandet sind, rollen die Hochdachkombis weiter auf den Straßen und haben ihr Stammpublikum, das viel Raum auf kleiner Fläche sucht. Diese Kombination ist vor allem bei den privaten Kunden beliebt, die beim Berlingo einen Anteil von 55 Prozent erreichen. Der aktuelle Berlingo steht heute als Benziner (25.670 Euro), Diesel (26.270 Euro) und als E-Mobil (37.120 Euro) bei den Händlern. Für die dritte Generation spendierten die Entwickler in Paris dem 4,4 Meter (Radstand 2,78 Meter) langen Dauerläufer eine vollkommen neue Architektur mit deutlich verbesserten Komfortwerten zahlreichen Assistenzsystemen und einem größeren Platzangebot.

Nach 30 Jahren stehen zudem die Ableitungen des Berlingo von Opel als Combo, Peugeot (Rifter) und Fiat (Doblo) sowie Toyota Proace City bei den Händlern. Und wie geht es mit dem Berlingo weiter? „Citroën wird demnächst ein Sondermodell zur Feier des Dreißigsten vorstellen, und außerdem werden wir das Konzept weiterverfolgen, und dabei die Multienergieplattform einsetzen. So können wir uns dem Markt anpassen“, erklärt Produktmanager Andreas Jell. In Zukunft ist daher auch eine Version mit Hybridantrieb denkbar. (aum)

Veröffentlicht am 13.04.2026

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