2026-08-25 08:51:00 Automobile

Alternative im Tank: Autogas ist wieder gefragt

Carzoom.de
Fotos: Auto-Medienportal.Net/Opel

Gut 25 Prozent mehr Nachfrage: Derzeit erleben Autogas-Modelle in Deutschland ihren zweiten Frühling. Davon profitiert vor allem Dacia. Denn die rumänische Marke bietet derzeit als einziger Hersteller Autogas-Modelle in Deutschland an.

Exakt 12.082 – so viele Fahrzeuge mit Autogas-Antrieb wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zugelassen. Zum Vergleich: So viele Golf verkauft Volkswagen in Deutschland mitunter in einem Monat. Der einstige Hoffnungsträger unter den Kraftstoffen verlor in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung. Hybride und Elektroautos nahmen dem alternativen Antrieb zunehmend Marktanteile ab. Doch jetzt erlebt Autogas eine Renaissance. Profitieren tut davon allerdings nur noch ein großer Hersteller: Dacia.

Das sah einst ganz anders aus: Ford, Hyundai, Kia, Lada, Opel, VW, Fiat, Chevrolet, Renault – noch vor zehn Jahren vertrauten zahlreiche große Hersteller auch auf den Gas-Antrieb. 2015 war Autogas, sogenanntes Liquefied Petroleum Gas – kurz LPG, ein Gemisch aus Propan und Butan – die Kraftstoff-Alternative Nummer eins neben Benzin und Diesel.

LPG-Modelle waren beliebter als Hybrid- oder Elektrofahrzeuge. Dann kam der Boom der Elektromobilität. Fast alle Hersteller zogen sich anschließend aus dem LPG-Geschäft zurück. Nur eine Marke setzt weiterhin auf Autogas ab Werk: Dacia. Nicht zu verwechseln ist Autogas übrigens mit Erdgas (CNG). Neuwagen mit Erdgas-Antrieb werden von gar keinem Hersteller mehr gebaut. Anders Autogas: Dacia baut sein LPG-Angebot sogar aus. Alle Verbrenner-Modelle von Dacia sind in Deutschland auch mit dem alternativen Antrieb erhältlich.

Ganz neu eingeführt hat Dacia jetzt den Autogas-Antrieb Eco-G 120 für den Kleinwagen Sandero Stepway. Wie bei allen Autogas-Modellen setzt Dacia auch bei dem höhergelegten Wagen auf ein bivalentes Kraftstoffsystem. Heißt: Der Wagen hat sowohl einen Benzin- als auch einen Autogastank an Bord, die den Motor je nach Füllstand versorgen. Gestartet wird der Wagen immer mit Benzin, da Autogas erst bei einem ausreichend warmem Motor genutzt werden kann. Zwischen LPG- und Benzin-Betrieb wird automatisch gewechselt, sobald es nötig ist. Über einen Knopf im Innenraum kann der Betrieb mit Autogas auch gezielt ausgewählt werden. Ansonsten gilt, wenn man mit dem Wagen unterwegs ist: Soweit, so gewohnt. Die Geräuschkulisse unterscheidet sich nicht von einem Fahrzeug mit handelsüblichem Verbrennermotor. Beim Fahren merkt man praktisch nicht, mit welchem Kraftstoff der Motor gerade läuft.

Warum also sollten sich Autofahrerinnen und -fahrer dann für ein Fahrzeug mit einem solchen Antrieb entscheiden? Kurz gesagt lautet das Versprechen der Technologie: der Verbrauch ist etwas höher, die Preise dafür niedriger. Nach dem Trip über die Autobahn, über die Landstraße und durch den Hamburger Stadtverkehr zeigt der Bordcomputer im Sandero Stepway einen LPG-Durchschnittsverbrauch von etwas unter 7 Liter je 100 Kilometer. Damit liegt der Verbrauch sogar leicht unter dem WLTP-Wert von 7,1 Litern. Im Vergleich zum Benziner-Modell (WLTP: 5,7 Liter) jedoch zeigt sich der Testwagen im Flüssiggasbetrieb deutlich durstiger.

Und der Preis? 1,07 Euro werden an der nächstgelegenen Tankstelle mit LPG-Angebot für den Liter Autogas angegeben, 2,30 Euro für einen Liter E10. Wer mit LPG fährt, kann also wirklich sparen. Erst recht, seit die Preise für Benzin und Diesel nach dem Beginn des Krieges zwischen den USA und dem Iran im Februar deutlich gestiegen sind. LPG hingegen war von der Entwicklung weniger betroffen. Warum? „Während Benzin und Diesel stark auf internationale Krisen reagieren, bleibt LPG vergleichsweise robust aufgrund seiner Preisstruktur und seiner im Vergleich niedrigeren Steuerbelastung“, erklärt Uwe Thomsen, geschäftsführender Gesellschafter bei Propan Rheingas.

Dieser Preisvorteil scheint bei Autokäufern Anklang zu finden. Denn die Dacia-Neuzulassungen für Modelle mit LPG-Antrieb stiegen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 25 Prozent an. Dacia zufolge kann so auch die Umwelt geschont werden. Denn der Hersteller wirbt mit 10 Prozent weniger CO2-Ausstoß und bis zu 99 Prozent weniger Feinstaubemissionen im Vergleich zum Benzinbetrieb.

Wenn es um Autogas-Modelle geht, ist Dacia in Deutschland mittlerweile nahezu konkurrenzlos. Nachdem ein Hersteller nach dem anderen dem LPG-Antrieb abschwor, baute die Marke ihre Dominanz in diesem Segment stetig aus. Seit dem Jahr 2010 hat Dacia Autos mit LPG-Antrieb im Sortiment. Vergangenes Jahr kam der rumänische Hersteller hierzulande bei den Neuzulassungen auf einen LPG-Marktanteil von 98 Prozent. Hinzu kommen einige Modelle, die von Spezialfirmen auf die LPG-Technologie umgerüstet wurden.

Nach Jahren des LPG-Rückgangs profitiert Dacia nun als einziger großer Hersteller vom plötzlichen Comeback. 8223 LPG-Neuzulassungen entfielen laut Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes in den ersten sieben Monaten des Jahres auf Dacia. Ob sich diese Entwicklung fortsetzt? Das bleibt abzuwarten. Noch jedenfalls bietet Autogas in Deutschland genau zwei Vorteile, die Kritiker bei der Elektromobilität immer wieder vermissen: schnelles Tanken und eine flächendeckende Infrastruktur. LPG lässt sich in ähnlicher Zeit tanken wie Benzin oder Diesel. Und während das europäische Tankstellennetz für Autogas schrumpft – LPG ist im Schnitt nur noch an etwa jeder dritten Tankstelle erhältlich –, bleibt die Versorgung in Deutschland stabil. An rund 6500 der mehr als 14.000 Tankstellen hierzulande kann nach wie vor Autogas getankt werden. (aum)

Veröffentlicht am 25.08.2026

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