2026-08-03 09:56:00 Automobile

Die Lithium-Gewinnung in Deutschland nimmt Fahrt auf

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Fotos: Vulcan Energy via Autoren-Union Mobilität

China, Australien, Südamerika – das Leichtmetall Lithium, ein Schlüsselrohstoff des Auto-Akkus stammt bislang aus weit entfernten Weltregionen. Das macht die Lieferketten anfällig und die Abhängigkeiten enorm. Doch das könnte sich bald ändern: Vor kurzem startete die kommerzielle Gewinnung von Lithium in Deutschland. Schon bald soll eine Menge gefördert werden, die für rund eine halbe Million E-Auto-Batterien pro Jahr ausreicht.

Fast 200 Jahre lang wusste keiner so genau, wozu Lithium gut sein könnte. Ab 1991 änderte sich das schlagartig: Damals brachte der japanische Elektronikunternehmen Sony eine Videokamera auf dem Markt, in dem erstmals ein Lithiumionen-Akku für die Energieversorgung steckte. Heute sind Lithiumionen-Batterien nahezu allgegenwärtig: In Mobiltelefonen, elektrischen Zahnbürsten, Akkuschraubern, Unterhaltungselektronik und – in Elektroautos.

Lithium, ein Alkalimetall mit der Ordnungszahl 3, gehört inzwischen zu den begehrtesten Rohstoffen überhaupt. Gewonnen wird es vor allem in riesigen Tagebau-Bergwerken in Australien und China sowie durch die Verdunstung von lithiumreichem Wasser in Südamerika. O so oder so: Diese Art der Lithiumproduktion ist umweltschädlich, erfordert lange Transportwege und führt so zu fragilen Lieferketten. Vor allem, weil die Weiterverarbeitung des Lithiums, so dass es als Akku-Rohstoff dienen kann, fast ausschließlich in China stattfindet.

Da in einem Auto-Akku je nach Größe zwischen fünf und 15 Kilogramm Lithium stecken, ist der CO2-Rucksack eines E-Autos allein aufgrund der Batterie ziemlich groß, weshalb sich die CO2-Bilanz erst nach einigen zehntausend Kilometern Fahrt ohne fossile Brennstoffe ins Positive wendet. Doch jetzt gibt es eine vielversprechende Chance, dass sich das ändert: mit besonders nachhaltig gewonnenem Lithium aus Deutschland.

Das Unternehmen Vulcan Energy Resources hat vor wenigen Monaten die Lithium-Gewinnung im Oberrheingraben ganz im Südwesten Deutschlands begonnen. „Lionheart“ heißt das Projekt, bei dem eine komplett inländische Lieferkette für Lithium aufgebaut werden soll, das dann ausschließlich in Europa weiterverarbeitet wird. Die Prognosen sind erstaunlich: Bis zu 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat – das ist der Stoff, der für die Akku-Produktion benötigt wird – sollen pro Jahr gefördert werden. Genug Material für rund eine halbe Million E-Auto-Akkus.

Und das ist noch nicht alles: Zusätzlich zum begehrten Lithium wird Vulcan Energy Resources auch noch 275 Gigawattstunden (GWh) Strom und 560 GWh Wärme erzeugen – ebenfalls jährlich und das klimaneutral. Wie das funktioniert? Das Lithium im Oberrheingraben befindet sich in Thermalwasserschichten tief unter der Erdoberfläche. Um dieses lithiumhaltige Wasser an die Oberfläche zu holen, werden die wasserführenden Schichten in etwa 2500 Meter Tiefe angebohrt und das zwischen 150 und 200 Grad Celsius heiße Thermalwasser nach oben gepumpt. Hier wird das Thermalwasser zunächst in ein geothermisches Kraftwerk geleitet, das Strom und Wärme erzeugt, also Energie, die ins Strom- sowie ins Fernwärmenetz eingespeist wird.

Ist das Thermalwasser aus der Tiefe auf etwa 70 Grad abgekühlt, hat es die optimale Temperatur, um mittels eines speziellen Verfahrens das Lithium herauszufiltern. Das so gewonnene Lithiumchlorid wiederum wird schließlich in einer Lithium-Raffinerie in Frankfurt Höchst in Lithiumhydroxid umgewandelt, den Rohstoff, der dann direkt von Akkuherstellern genutzt werden kann. „Wir wollen als erstes Unternehmen in Europa heimisches Lithium herstellen und als erstes Unternehmen weltweit klimaneutrales Lithiumhydroxidmonohydrat für Elektrofahrzeugbatterien produzieren“, sagt Francis Wedin, der Vorstandschef von Vulcan Energy Resources.

Bislang sieht es so aus, dass der ambitionierte Plan aufgehen könnte. Die Finanzierung des Projekts Lionheart, mit dem die Lithiumförderung in Deutschland gestartet und etabliert werden soll, ist gesichert, das Kapitalpaket in Höhe von 2,2 Milliarden Euro wurde im Mai verabschiedet. Auch die Bewilligung zur Lithium-Gewinnung im industriellen Maßstab ist erteilt. Fünf Bohrungen wurden bereits abgeschlossen, zwei weitere sind in Arbeit. Insgesamt sind bis zu 28 Bohrungen an sieben Standorten geplant, um lithiumhaltige Thermalsole zu fördern. Das vom Lithium gereinigte Thermalwasser wird übrigens am Ende des Prozesses wieder in die Tiefe gepumpt, aus der es heraufgeholt wurde.

Ein wichtiger Aspekt sind auch die Kosten. Das Verfahren, Thermalwasser aus tiefen Gesteinsschichten nach oben zu pumpen, erscheint zunächst als maximal aufwändig und damit teuer. Tatsächlich jedoch rechnet sich das Verfahren, denn es wird dabei ja nicht nur Lithium, sondern es werden auch erhebliche Energiemengen gewonnen. Damit kann das Lithium aus dem Oberrheingraben sogar deutlich billiger angeboten werden als das bei Lithium aus anderen Weltregionen der Fall ist.

Den zusätzlichen Vorteil, sozusagen den geopolitischen Clou des Projekts, beschreibt Cris Moreno, Managing Director von Vulcan Energy Resources so: „Wir haben die Lithium-Lieferkette nach Europa gebracht. Der Sicherheitsaspekt besteht also darin, dass man Europa die Lithium-Lieferkette nicht wegnehmen kann – sie ist in Europa.“ (aum)

Veröffentlicht am 03.08.2026

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