2025-11-29 10:21:00 Automobile

Fiat huldigt (s)einem Botschafter Italiens

Carzoom.de
Fotos: Stellantis via Autoren-Union Mobilität

Er ist ein Symbol Italiens und eine Automobilikone: Fiat huldigt dem 500 mit einer Ausstellung im Werksmuseum in Turin, die bis zum 18. Januar gezeigt wird. Sie trägt den Titel „The Italy we love: Welcome to the home of the Fiat” (Das Italien, das wir lieben: Willkommen in der Heimat des Fiat 500). Anlass ist der neue Fiat 500 Hybrid, mit der die Produktion des Kleinwagens mit Verbrennungsmotor wieder an die Geburtsstätte des Nuova Cinquecento von 1957 zurückkehrt.

Das Layout der Ausstellung ist wie ein Haus gestaltet. Jeder Raum repräsentiert eine Epoche. Im Mittelpunkt jeder Szene stehen der Fiat 500 und Gegenstände, die prägend für die jeweilige Zeit waren. Die Wände schmücken Bilder aus dem historischen Archiv. Fotos aus Kultfilmen der 1960er- und 1970er-Jahre, auf denen der Fiat 500 zu sehen ist, verdeutlichen die starke Verbindung der Marke zur Welt des Kinos.

Die Retrospektive ist in die Sammlung des Heritage Hub eingebettet. In den Hallen sind mehr als 300 historische Fahrzeuge und einzigartige Showcars zu sehen. Ergänzt wird die Präsentation durch die Ausstellung „Mirafiori seit 1939”, die sich der Geschichte des vor 86 Jahren eröffneten Werks widmet. Eintrittskarten, die auch für eine Führung in englischer oder italienischer Sprache gelten, sind ausschließlich online verfügbar (ticket.museoauto.com/en/categoria/heritage-hub).

Die Geschichte des Cinquecento wird anhand von zehn Fahrzeugen nachgezeichnet. Es sind:

- Fiat 500 N Normale (1957)

Am 4. Juli 1957 stellte FIAT den Nuova Cinquecento vor, den Nachfolger des ersten Fiat 500 aus den 1930er Jahren, besser bekannt unter seinem Spitznamen Topolino (Mäuschen). Der innovative Kleinwagen sollte die Massenmotorisierung in Italien prägen. Vittorio Valletta, der damalige Präsident von Fiat wollte neben dem 1955 präsentierten Modell 600 ein noch kleineres und noch erschwinglicheres Fahrzeug anbieten – zu einem Preis lediglich in der Größenordnung eines durchschnittlichen Jahreslohns eines Arbeiters.

Der Name Nuova Cinquecento sollte eine Verbindung zum früheren Fiat 500 herstellen, obwohl das neue Modell eine vollständige Neuentwicklung war. Damalige technologische Innovationen übernahmen die Ingenieure aus den Erfahrungen mit dem Fiat 600, darunter die selbsttragende Karosserie und Einzelradaufhängungen. Das Heck nahm die geschwungenen Linien des Fiat 600 auf, während die Fronthaube auch den oberen Bereich der Kotflügel bildete. Ein großes Stoff-Faltdach war Serie, die Türen waren hinten angeschlagen.

Die Technik musste bewusst einfach gehalten werden, um niedrige Wartungskosten zu garantieren. Daher entschied Chefkonstrukteur Dante Giacosa sich für einen völlig neuen, im Heck montierten, luftgekühlten Zweizylinder. Bei einem Hubraum von anfänglich 479 Kubikzentimetern leistete das Triebwerk knapp 13 PS (10 kW) und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h.

Das Publikum reagierte zunächst verhalten auf den 500, der klar im Schatten des größeren Bruders stand. Fiat reagierte schnell und verbesserte die anfangs extrem karge Ausstattung. Zu den Änderungen zählten herunterkurbelbare Fenster, abschließbare Ausstellfenster, Chromdetails an der Karosserie und Aluminium-Radkappen. Dank höherer Verdichtung sowie geänderter Nockenwelle und Vergaser stieg die Leistung auf 15 PS (11 kW ) und die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h.

Das neue Modell, das am 30. Oktober 1957 auf dem 39. Turiner Autosalon präsentiert wurde, erhielt den Namenszusatz „Normale”. Der Preis blieb bei 490.000 Lire (nach heutigem Wert rund 8300 Euro), während das bisherige Modell ab diesem Zeitpunkt etwas günstiger angeboten wurde.

- Fiat 500 Record Monza (1958)

Der Fiat 500 Abarth Record war der erste von Meistertuner Carlo Abarth modifizierte Fiat 500: Er reduzierte das Fahrzeuggewicht und nahm gezielte Optimierungen am Motor vor, wodurch die Leistung auf fast 26 PS (19 kW) stieg. In dieser Ausführung knackte der kleine Fiat mühelos die 120-km/h-Marke.

Um die Leistungsfähigkeit seiner Arbeit unter Beweis zu stellen, organisierte Abarth einen Dauertest auf der Formel-1-Rennstrecke in Monza, in dessen Rahmen sechs Weltrekorde erzielt wurden. Im Februar 1958 lösten sich sechs Fahrer am Lenkrad des Abarth ab. Sie fuhren sieben Tage lang mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 108,252 km/h und spulten dabei 18.886,44 Kilometer ab. Diesem Weltrekord für die Hubraumklasse (350–500 ccm) folgten fünf weitere Bestmarken: Das Team legte 15.000 Kilometer in 139:16.33 Stunden mit einem Durchschnitt von 107,699 km/h zurück und 10.000 Meilen in 149:09.29 Stunden mit durchschnittlich 107,894 km/h. Dazu kamen Streckenrekorde über vier, fünf und sechs Tage.

Das im Heritage Hub ausgestellte Fahrzeug ist das Rekordfahrzeug, das durch eine sorgfältige Restaurierung wieder in seinen Ursprungszustand versetzt wurde.

- Fiat 500 Giardiniera (1960)

Im Frühjahr 1960 debütierte der Kombi Giardiniera mit funktionalem Innenraum, verlängertem Radstand und seitlich angeschlagener Heckklappe. Mit einer Länge von 3185 Zentimetern war der Kombi 21 Zentimeter länger als die Limousine und bot Platz für vier Personen und 40 Kilogramm Gepäck oder bis zu 200 Kilogramm Nutzlast bei umgeklappter Rücksitzbank. Der Laderaum bot einen ebenen Boden in nur 60 Zentimeter Höhe und ein Ladevolumen von bis zu einem Kubikmeter. Um mehr Platz im Heck zu schaffen, wurde der Zweizylinder um 90 Grad gedreht und liegend eingebaut. Mit einer Leistung von 17,5 PS (13 kW) erreichte der Fiat 500 Giardiniera eine Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h.

Zu den Neuerungen zählten auch verstärkte Fahrwerkskomponenten sowie ein Kühlsystem, das Luft über seitliche Öffnungen ansaugte. Der Innenraum behielt die funktionale Einfachheit der Limousine bei, wurde im Laufe der Jahre jedoch modernisiert. Ab 1968 verlagerte FIAT die Produktion zu Autobianchi. Insgesamt wurden bis 1977 rund 330.000 Exemplare gebaut, darunter auch zweisitzige Nutzfahrzeuge. Es handelt sich um einen der bis heute kleinsten Kombis der Welt.

- Fiat 500 L (1968–1972)

Der im Herbst 1968 vorgestellte Fiat 500 L (Lusso für Luxus) richtete sich an Kunden, die mehr Wert auf Komfort und hochwertige Details legten. Produziert von 1968 bis 1972 im Werk Termini Imerese auf Sizilien, übertraf er zeitweise die Absatzzahlen des technisch identischen 500 F.
Zu den äußeren Merkmalen gehörten verchromte Rohrstoßfänger, ein nach unten versetztes vorderes Nummernschild, ein neues längliches Markenlogo sowie der Schriftzug „Fiat 500 L“ am Heck. Zusätzliche Chromverzierungen und neue Farben wie Schwarz oder Positano-Gelb waren weitere Attribute.

Der Innenraum bot eine blendfreie, mit Vinyl bezogene Armaturentafel, einen rechteckigen Tachometer mit Anzeige bis 130 km/h und integrierter Tankanzeige sowie ein schwarzes Zwei-Speichen-Sportlenkrad mit rotem Fiat-Logo. Die Sitze waren klappbar und verstellbar, die Türen erhielten Ablagefächer sowie eine gerippte Verkleidung. Ab 1970 war eine Lenkschloss-Wegfahrsperre verfügbar.

- Fiat 500 R (1972–1975)

Zu Beginn der 1970er-Jahre, die auch in Italien von gesellschaftlichem Wandel und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt waren, leitete das Unternehmen die Entwicklung einer neuen Modellgeneration ein. Der Fiat 500 R (Rinnovata für erneuert) wurde 1972 auf dem Turiner Autosalon vorgestellt.

Der anhand der Tuning-Erkenntnisse von Abarth überarbeitete Zweizylinder holte nun aus 594 Kubikzentimetern Hubraum 18 PS (13 kW). Der neue Motor bot mehr Elastizität, bessere Laufruhe und eine sanftere Kraftübertragung bei einer Höchstgeschwindigkeit von über 100 km/h. Verstärkte Antriebswellen wurden der gestiegenen Leistung angepasst. Das anfangs unsynchronisierte Getriebe war auf einem stabilen Metallträger montiert, was den Zugang erleichterte. Verbesserungen betrafen auch die Bremsanlage und das Motorumfeld mit nun auf der rechten Seite platziertem Anlasser.

Die Armaturentafel des 500 R war mit schwarzem Kunststoff bezogen. Das Interieur wurde durch zwei zentrale Schalter, Sitzbezüge aus Kunstleder, eine feststehende Rückenlehne im Fond und einen runden Schaltknauf geprägt. Außen dominierte ein reduziertes Design mit neuem Logo, gelochten Felgen ohne Radkappen und sichtbaren Radmuttern.

Bis zur Einstellung der gesamten Baureihe im Jahr 1975 liefen mehr als 168.000 Fiat 500 R vom Band.

- Fiat Trepiuno (2004)

Der auf dem Genfer Autosalon 2004 vorgestellte Trepiuno legte als Konzeptfahrzeug die stilistische Grundlage für die neue Generation des Fiat 500 von 2007. Die Designstudie bot eine moderne Interpretation des Vorbilds von 1957, behielt dabei ikonische Elemente wie die runden Scheinwerfer und das Markenemblem bei. Gleichzeitig zeigte das Konzeptfahrzeug innovative technologische Lösungen.

Das 3,30 Meter lange Konzeptfahrzeug basierte auf einer neu entwickelten Plattform aus hochfestem Stahl und Aluminium. Der Name Trepiuno (drei plus eins) bezog sich auf das flexible Innenraumkonzept: zwei komfortable Vordersitze, ein variabler Einzelsitz auf der Beifahrerseite und ein Notsitz hinter dem Fahrer.

Die Designer unter der Leitung von Roberto Giolito interpretierten viele Details des historischen 500 mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts neu. Dazu zählten unter anderem die runden Scheinwerfer und die abgesetzten Blinkleuchten sowie die Rückleuchten, die in Flüssigkristall-Technologie ausgeführt waren.

Ursprünglich als Technologiestudie gedacht, wurde der Trepiuno zum stilistischen Fundament des größten Erfolgs der Marke im 21. Jahrhundert – dem neuen Fiat 500.

- Fiat 500 (2007)

Am 4. Juli 2007 – exakt 50 Jahre nach dem Original – wurde der neue Fiat 500 mit zahlreichen Retro-Details präsentiert. Er bot eine Vielzahl von Individualisierungsmöglichkeiten und gehörte zu den ersten Modellen des A-Segments, die serienmäßig mit sieben Airbags ausgestattet waren. Das wurde mit der Bestnote von fünf Sternen im NCAP-Crashtest belohnt. Produziert wurde der Fiat 500 in Tychy (Polen), später auch in Toluca (Mexiko) für außereuropäische Märkte.

Der Innenraum bot Platz für vier Personen. Zu den minimalistischen Details zählte das runde, zentrale Kombiinstrument mit Tachometer, Drehzahlmesser und Bordcomputer. Angeboten wurde er als dreitürige Limousine und Cabriolet mit elektrisch betätigtem Stoffverdeck. Zahlreiche Sondermodelle, die auch in Zusammenarbeit mit renommierten Modelabels wie Gucci, Diesel und Armani oder der Yachtmarke Riva entstanden, machten den Fiat 500 zu einem Botschafter italienischen Designs. Das Modell gewann mehr als 40 internationale Preise und wurde unter anderem als „Car of the Year 2008“, „World Car Design of the Year 2009“ und „Compasso d’Oro 2011“ ausgezeichnet.

- Fiat 500 Abarth (2008)

50 Jahre nach Carlo Abarths legendären Tuning-Versionen läutete der Abarth 500 im Jahr 2008 das Comeback der Marke ein. Er war der moderne Erbe der kompakten, aber leistungsfähigen Modelle der 1950er- und 1960er-Jahre. Sowohl der Abarth 500 als auch die als Abarth 695 bezeichneten Sondermodelle begeisterten die Fans mit immer leistungsstärkeren Versionen und zahlreichen Sondereditionen wie Tributo Ferrari, Tributo 131 Rally oder Maserati Edition. Einige Varianten wie der Abarth 695 70° Anniversario verfügten über einen verstellbaren Heckspoiler.

Der 1,4-Liter-Turbomotor wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Im Laufe der Zeit deckte er eine Spannweite von 135 PS (99 kW) bis 190 PS (140 kW) im extrem sportlichen Abarth 695 Biposto ab. Von den Rennsport-Genen zeugten auch Komponenten wie Eibach-Fahrwerke, Brembo-Bremsanlagen und verschiedene Tuningkits. Typisch für jeden Abarth war der charakteristische Motorsound, der durch die Abgasanlage „Record Monza” oder Titansysteme von Akrapovic verstärkt wurde.

In der Ausstellung im Heritage Hub ist die erste Limited Edition Abarth 500 Zerocento zu sehen, die dem Jubiläum von Abarth gewidmet war.

- Fiat 500 Elektro (2020)

Mit dem Fiat 500 Elektro schlug Fiat dann ein völlig neues Kapitel des Cinquecento auf. Das erste rein elektrisch angetriebene Serienmodell zeigte leicht gewachsene Abmessungen, blieb dem Design aber weitgehend treu. Zu den markanten Merkmalen zählen unter anderem die LED-Scheinwerfer und die bündig abschließenden Türgriffe. Zur Serienausstattung zählt von Anfang an ein Kombiinstrument, das als TFT-Display mit 7,0 Zoll Bildschirmdiagonale (17,8 Zentimeter) ausgeführt ist. Das Infotainment-/Navigationssystem wird über einen 10,25-Zoll-Touchscreen bedient.

Der Elektro war anfangs ausschließlich mit 87 kW (118 PS) Leistung erhältlich. Später kam eine Variante mit 70 kW (95 PS) hinzu. Der 23,8-kWh-Akku ermöglicht eine Reichweite von bis zu 257 Kilometern, gemessen im WLTP-Zyklus. Mit der 42-kWh-Batterie kommt der Kleinwagen bis zu 320 Kilometer weit.

Der Fiat 500 Elektro steht – wie der jetzt gerade vorgestellte Hybrid – in drei Karosserievarianten zur Verfügung: als dreitürige Limousine, in der Version 3+1 mit einer zweiten Tür auf der Beifahrerseite sowie als Cabriolet mit elektrisch betätigtem Stoffverdeck. Der Fiat 500 Elektro wurde schnell zu einem der meistverkauften E-Fahrzeugmodelle Europas und gewann mehr als 40 internationale Preise.

- Fiat 500 Hybrid Torino (2025)

Mit dem Sondermodell Fiat 500 Hybrid Torino zum Marktstart bekennt sich die Marke erneut zu ihrer Heimatstadt Turin. Die Launch Edition ist exklusiv in der neuen außergewöhnlichen Karosseriefarbe „Sun of Italy“ verfügbar, die von der Sommersonne Italiens inspiriert ist. Als zweite Farbe ist die bereits bekannte Farbe „Ocean Grün“ erhältlich.

Neben dem Hybrid-Logo zählen spezielle Grafiken an den hinteren Seitenfenstern zu den weiteren Erkennungszeichen. Sie zeigen die Silhouette der Mole Antonelliana, ein knapp 170 Meter hohes Gebäude und Wahrzeichen der Stadt Turin. Die Stoffbezüge der vorderen Sitze weisen Sitzflächen in einem schwarz-grauen Karomuster auf. Sie sind mit dem Schriftzug „Fabbrica Italiana Automobili Torino” – kurz Fiat – verziert. Die Armaturentafel ist in Wagenfarbe lackiert. Als Antrieb dient ein von einem kleinen Elektromotor unterstützter 1,0-Liter-Dreizylinder mit 65 PS (48 kW). (aum)

Veröffentlicht am 29.11.2025

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