2026-02-25 10:41:00 Automobile

GTÜ testet Sommerreifen: Bei Nässe zeigen sich die Unterschiede

Carzoom.de
Fotos: GTÜ via Autoren-Union Mobilität

Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) hat gemeinsam mit dem Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreich (ARBÖ) und der „Auto Zeitung“ zehn Sommerreifen der Dimension 235/45 R 18 getestet. Neben den recht teuren Premiumreifen von Continental, Goodyear, Michelin und Pirelli wurden auch drei Qualitätsreifen aus dem mittleren Preissegment (BF Goodrich, Firestone, Maxxis) und drei günstige Produkte (Laufenn, Tercelo, West Lake) auf die Probe gestellt. Sechs Pneus sind „sehr empfehlenswert“. Neben dem Testsieger von Continental sind das der Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6, der Pirelli Cinturato 3 und der Firestone Roadhawk 2 sowie der BF Goodrich Advantage 2 und der Michelin Primacy 5.

Auf trockener Straße bleiben die Testkandidaten erfreulich dicht zusammen. Der Abstand zwischen dem Continental, der mit 32,8 Metern den kürzesten Bremsweg aus 100 km/h erzielt, und dem West Lake, dessen 35,7 Meter den längsten Anhalteweg markieren, ist demnach noch akzeptabel. Auch bei der Fahrsicherheit lassen sich zwar spürbare Unterschiede ausmachen, doch selbst die Profile von Tercelo und West Lake, die hier am schwächsten abschneiden, lassen sich problemlos bändigen. Mit dem präzisen und dynamischen Fahrverhalten des Goodyear können sie aber nicht mithalten.

Ebenso ergaben die Messungen bei den Umwelteigenschaften (Abrieb, Laufleistung, Rollwiderstand und Außengeräusch) zwar signifikante, jedoch unkritische Unterschiede. Der Michelin sammelt in diesen Disziplinen viele Punkte und relativiert durch die zu erwartende hohe Lebensdauer seinen stattlichen Kaufpreis. Umgekehrt ist es beim Tercelo, das zum Testzeitpunkt preisgünstigste Produkt im Markt, bei dem verminderte Laufleistung aber die Preiswürdigkeit infrage stellt. Das allein wäre noch nicht ausschlaggebend, da die zehn Kandidaten selbst in Sachen Energieeffizienz recht nah zusammenliegen. Im Fall des Testwagens, ein Audi A5 TFSI, ergibt sich im Vergleich zwischen dem besten (Michelin) und dem schlechtesten Reifen (Tercelo) ein theoretischer Mehrverbrauch von etwa 0,1 bis 0,2 Litern Benzin je 100 Kilometer. Umgerechnet in den Energiebedarf entspricht das in etwa 0,3 kW mehr auf 100 Kilometer bei 100 km/h – nicht viel.

Auf Nässe ergibt sich ein ganz anderes Bild. Denn hier zeigen die Probanden erhebliche Unterschiede. Allen voran bietet der Premium Contact 7 von Continental auf regennasser Straße optimale Haftung. Egal ob im Handling oder beim Bremstest, auf der Kreisbahn oder bei der Fahrsicherheit – er ist stets spitze. Auch die Profile von Pirelli, Goodyear und Firestone machen bei Regenwetter eine sehr gute Figur – wobei der Firestone zwar am wirkungsvollsten vor Aquaplaning schützt, aber wie Michelin und Maxxis einen ziemlich langen Bremsweg verzeichnet.

Die GTÜ räumt ein, dass auf einer besonders glatten Asphaltbahn gemessen wurde. Solche Oberflächen findet man im realen Verkehrsgeschehen etwa vor Kreuzungen, wo die Reifen den Belag beim Bremsen „poliert“ haben. In der Regel werden daher die durchschnittlichen Bremswege im Alltag kürzer ausfallen. Andererseits veranschaulicht die Methode drastischer die Risiken, die von manchen Reifen ausgehen: Die drei Discount-Angebote von West Lake, Tercelo und Laufenn haben zu lange Bremswege von 100 km/h bis zum Stillstand. Dort, wo der Testwagen aus 100 km/h mit den Continental stoppt, rauscht er auf diesen drei Reifen mit deutlich über 30 km/h Restgeschwindigkeit vorbei – viel zu viel.

Erhebliche Unterschiede zeigen sich zudem im Fahrverhalten nahe der Haftgrenze. Während die Kandidaten im Trockenen eher verschiedene Charakteristiken an den Tag legen, fordern sie auf Nässe alle mehr oder weniger viel Erfahrung und gute Reflexe vom Fahrer, um den Audi auf Kurs zu halten. Das kann im Ernstfall zum Problem werden: Reagiert ein Reifen beispielsweise unerwartet auf plötzliche Lastwechsel, sind gute Nerven gefragt.

Die Reifen von Continental und Pirelli entlasten in solchen Situationen mit Berechenbarkeit, einer neutralen Balance und Eigenstabilisierung, wenn das Fahrzeug doch ins Rutschen gerät. Das gelingt nicht allen Kandidaten derart überzeugend. Besonders der Laufenn und der Tercelo fallen bei forcierter Kurvenfahrt mit spürbar weniger Griffigkeit auf und rufen mit ihren teils lebhaften Lastwechselreaktionen das elektronische Stabilitätsprogramm des Testwagens auf den Plan. Ist die Fahrdynamikregelung abgeschaltet, schwingt das Heck im Extremfall weit aus und muss durch gezieltes Gegenlenken wieder eingefangen werden, um einen Dreher zu verhindern. Da die Reifen obendrein größere Lenkwinkel benötigen, um Richtungswechsel umzusetzen, muss der Fahrer viel am Lenkrad kurbeln.

Auch die Profile von Michelin, West Lake und Maxxis dürften auf regennasser Fahrbahn mehr Haftung aufbauen, meint die GTÜ. Doch das würde wiederum Einbußen bei der Energieeffizienz und bei der Haltbarkeit nach sich ziehen – einer von vielen Zielkonflikten in der Reifenentwicklung.

Das Fazit der Tester: Solange die Straßenverhältnisse gut sind, schneiden alle Reifen erfreulich sicher ab, setzen aber individuelle Akzente im Handling, beim Komfort oder in der zu erwartenden Laufleistung. Auf nassem Asphalt offenbaren sich dagegen enorme Unterschiede beim Grip – etwa beim Bremsen auf regennasser Fahrbahn. Das kann gefährlich werden. (aum)

Veröffentlicht am 25.02.2026

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