2026-08-01 10:06:00 Automobile

Im Rückspiegel: Der Fiat 124 Sport Spider hatte vor allem die USA im Blick

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Stellantis

Wer in den 1960er Jahren in den USA ein kompaktes und sportliches Cabriolet suchte, hatte bei den einheimischen Marken nur wenig Glück. In diese Lücke stießen europäische Hersteller. Auch der 1966 auf dem Turiner Automobilsalon präsentierte Fiat 124 Sport Spider zielte von Anfang an auf den Geschmack der amerikanischen Kunden. Das Karosseriedesign entstand bei Pininfarina unter der Leitung von Tom Tjaarda.

Der Amerikaner mit niederländischen Wurzeln verpasste dem 2+2-Sitzer eine markante Front mit flach auslaufender Motorhaube, die von ausgeprägten Kotflügeln mit runden Scheinwerfern eingerahmt wird. Auch der elegante Hüftschwung der hinteren Kotflügel und der Knick zur Kofferraumkante sind unverwechselbar. Pininfarina übernahm auch die Fertigung der Karosserien, die bei Fiat im Werk Turin-Mirafiori komplettiert wurden.

Das Chassis inklusive Einzelradaufhängungen an der Vorder- und hinterer Starrachse stammte von der 124e-Limousine, war allerdings um 14 Zentimeter gekürzt und außerdem verstärkt. Die Kraftübertragung zwischen Getriebe und Differential übernahm ein Drehmomentrohr. Der Motor war eine Konstruktion von Ex-Ferrari-Techniker Aurelio Lampredi. Der Vierzylinder besaß einen Zylinderkopf aus Leichtmetall. Die beiden obenliegenden Nockenwellen wurden auf eine für diese Zeit revolutionäre Weise angetrieben – von einem Zahnriemen aus Kunststoff. 90 PS aus etwas mehr als 1,4 Litern Hubraum waren Ende der 1960er Jahre durchaus eine Ansage. Auch ein serienmäßiges Fünf-Gang-Getriebe und Scheibenbremsen an allen vier Rädern waren damals alles andere als selbstverständlich. Mit bis zu 170 km/h gehörte der rund 930 Kilogramm leichte Fiat 124 Sport Spider zu den sportlichsten Fahrzeugen in seinem Segment.

Auch die einfache Handhabung begeisterte Publikum wie Fachpresse. Das Stoffverdeck ließ sich mit wenigen Handgriffen innerhalb von Sekunden öffnen. Hinter dem Lenkrad mit zwei sportlich gelochten Metallspeichen informierten fünf Rundinstrumente über die wichtigsten Betriebsdaten.

Die Strategie ging auf. Schon von der ersten Modellgeneration AS (1966 bis 1970) wurden rund zwei Drittel in den USA verkauft.

Noch während die zweite Serie BS (1969 bis 1970) gebaut wurde, lief bereits die optisch leicht überarbeitete Baureihe BS1 (1970 bis 1972) vom Band. Kennzeichen waren unter anderem die analoge Zeituhr, die Mittelkonsole, geänderte Rückleuchten mit Rückfahrscheinwerfern, seitliche Chrom-Zierleisten sowie der Kühlergrill in Wabenstruktur mit mittig platziertem Markenemblem statt der bis dahin gebauten Variante mit drei Chromstreben. Die auf Zwei-Kreis-System geänderte Bremsanlage erhöhte ebenso die Sicherheit wie Kopfstützen an den vorderen Sitzen und die überarbeitete Hinterachse, die von vier Längslenkern und Panhardstab geführt wurde.

1971 erhielt der Motor des Spider mehr Hubraum. Der 1,6-Liter-Vierzylinder leistete fortan mit zwei Doppel-Fallstromvergasern (Weber oder Solex) 110 PS. Das etwas größere Triebwerk erforderte eine Modifikation der Motorhaube. Eigentlich war eine Hutze nur auf der linken Seite nötig, wo der größere, beinahe rechteckige Luftfilter platziert ist. Aus Symmetriegründen erhielt die Haube aber gleich zwei markante Wölbungen. Von der Serie BS1 wurden rund drei Viertel in den USA verkauft, dort aufgrund strengerer Abgasgesetze allerdings mit gedrosseltem Motor.

Schon ein Jahr später wurde die Motorisierung erneut geändert. Mit geringfügig kleinerem Hubraum und nur einem Doppelvergaser produzierte der 1,6-Liter-Vierzylinder nur noch 108 PS in Kombination mit dem Fünf-Gang-Schaltung beziehungsweise 104 PS, wenn das Fahrzeug mit vier Gängen ausgerüstet war. Der Baureihencode lautete CS.

Nach weniger als einem Jahr Bauzeit erhielt der Fiat 124 Sport Spider mit der Serie CS1 wieder einen neuen Motor, den 1,8-Liter-Vierzylinder aus dem zu jener Zeit neuen Fiat 132. Die Leistung stieg – bei der Europa-Version – auf 118 PS mit Fünf-Gang-Getriebe. Ebenfalls im Jahr 1972 präsentierte Fiat eine Abarth-Version des Spider, die als Homologationsmodell für den Rallyesport konzipiert war (Code CSA). Der 1,8-Liter-Motor leistete 128 PS, eine Einzelradaufhängung ersetzte die Starrachse hinten. Das Stoffverdeck war durch ein Hardtop aus Kunststoff ersetzt. Auch Motor- und Kofferraumhaube bestanden aus GFK, die Türen wurden aus Aluminium gefertigt. Innerhalb von drei Jahren liefen rund 1000 Exemplare des Abarth vom Band.

Schleppende Nachfrage in Europa

Doch trotz nun stärkeren Motors verkaufte sich der Spider in Europa nur noch schleppend. Ab Herbst 1974 wurde das Cabriolet daher offiziell nur noch in den USA angeboten. Äußere Kennzeichen des Fiat 124 Spider America waren vor allem die ebenfalls den US-Vorschriften geschuldeten überdimensionalen Stoßfänger. Als Option wurde eine dreistufige Automatik angeboten. Der 1,8-Liter-Motor musste allerdings an die dortigen Emissionsbestimmungen und das bleifreie Benzin angepasst werden. Dadurch sank die Leistung zunächst auf 93 PS. Ab 1976 war eine aufwändige Abgasreinigungsanlage nötig, durch die noch einmal sechs PS verloren gingen. Ab Juli 1978 trieb ein Zweiliter-Motor mit 83 PS in Vergaserversion (CS2) beziehungsweise 102 PS mit Einspritzung (CS0) den Spider an. Eine Variante mit Turbolader leistet 120 PS, wurde allerdings nur rund 700-mal verkauft.

Nachdem 1981 zunächst einige wenige Exemplare als Fiat 124 Spider 2000 i.e. mit Benzineinspritzung und Katalysator auch in Europa verkauft worden waren, kehrte das Cabriolet 1982 offiziell auf den alten Kontinent zurück. Der neue Name Pininfarina Spidereuropa (DS0) verriet: Pininfarina übernahm nun die komplette Produktion. Ohne Katalysator leistete der Zwei-Liter-Motor 105 PS, mit Abgasreinigung – zum Beispiel in Deutschland – blieben 103 PS übrig.

Im April ergänzte der Pininfarina Spidereuropa Volumex das Angebot. Ein mechanischer Roots-Kompressor steigerte die Leistung auf 135 PS. Aufgrund der nun erreichbaren Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h spendierte Pininfarina dem Fiat ein Sportfahrwerk und Breitreifen auf speziellen Leichtmetallfelgen. Weitere optische Merkmale des Volumex-Modells waren Kotflügelverbreiterungen, die mit Leder bezogene Innenausstattung, Abarth-Lederlenkrad und Ladedruckanzeige in der Mittelkonsole. Rund 500 Exemplare fertigte Pininfarina ausschließlich in Rot oder Schwarz. Die meisten davon gingen zum Basispreis von 29.600 D-Mark nach Deutschland.

1985 endete die Produktion des Spider endgültig. Innerhalb von 19 Jahren wurden – inklusive der Baureihe CSA – rund 198.000 Stück gefertigt. Mehr als 80 Prozent gingen in die USA.

Mit der Einführung der Baureihe BS1 wurde der 124 Sport Spider auch für Rallyefahrer interessant. Mit kräftiger Unterstützung der Fiat-Kundensportabteilung „Squadra Clienti" etablierte sich der Spider bald neben der Limousinenvariante des Fiat 124 als ernsthafter Siegkandidat. Neben der Leistungssteigerung auf bis zu 155 PS bei 7500 Touren waren ein eng abgestuftes Colotti-Renngetriebe, Sperrdifferenzial und Leichtbauteile eine erfolgreiche Kombination. Wo erlaubt, senkten außerdem Türen und Hauben aus Kunststoff das Gewicht auf weniger als 900 Kilogramm. Die Konkurrenz nannte die natürlich stets mit geschlossenem Verdeck antretenden Fiat 124 Sport Spider respektvoll „Fetzendachbomber". Erst ab 1971 gab es ein Hardtop aus Kunststoff.

Schon 1970 holten sich Alcide Paganelli und Beifahrer Ninni Russo im Fiat 124 Sport Spider den Titel in der Italienischen Rallyemeisterschaft. Im Januar 1971 ließen Hakan Lindberg und Beifahrer Sölve Andreasson mit Rang sieben bei der berühmten Rallye Monte Carlo aufhorchen. Ein Jahr später gewann Lindberg – jetzt mit Copilot Helmut Eisendle – die Rallye Akropolis und die Österreichische Alpenfahrt. Am Jahresende belegten Fiat Rang zwei in der Markenmeisterschaft hinter der hauseigenen Konkurrenz von Lancia. Ebenfalls 1972 wurde Fiat-Pilot Raffaele Pinto Rallye-Europameister. Mit Beginn der Saison 1973 löste der anfangs 165 PS, später bis zu 210 PS starke Fiat Abarth 124 Rallye in Gruppe-4-Version den 1600er Spider auf der Rallyepiste ab.

Europäische Versionen des Fiat 124 Sport Spider der ersten Baureihen sind inzwischen seltene Klassiker. Deutlich häufiger sind aus den USA reimportierte Exemplare. In Deutschland bewahren vor allem der Fiat 124 Spider Club Deutschland und der nahezu gleichnamige Fiat 124 Spider Club das Erbe des Cabriolets. (aum)

Veröffentlicht am 01.08.2026

Auto & MobilesMarken & ModelleFiatOldtimer & HistorieFiat 124 Sport Spider


 
Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen, sowie kontaktiert zu werden.Mit (*) markierte Felder sind Pflichtfelder.