Im Rückspiegel: Wer A sagt, sagt auch B
Schon kurz nach der Vorstellung 1965 war klar, dass der neue Kadett den Erfolg der erst drei Jahre zuvor gestarteten A-Generation bei weitem übertreffen würde. Der B wurde zum ersten Millionenseller von Opel. Dazu trugen nicht zuletzt die Variantenvielfalt mit Limousine, Caravan und Coupé sowie dem sportlichen Rallye bei.
Der Nachfolger des Kadett A trat gleich zum Marktstart in vier Karosserievarianten an: als zwei- oder viertürige Limousine, als dreitüriger Kombi namens Caravan sowie als schick designtes Coupé. Passten in den Vorgänger maximal vier Personen, war der Kadett von 1965 mit seinen Limousinen-Varianten erstmals auch offiziell als Fünfsitzer zugelassen. Zudem wuchs er in der Länge um 18 Zentimeter und über die Vier-Meter-Marke. Auch Radstand und Fahrzeugbreite nahmen zu. Der Zuwachs kam größtenteils dem Innenraum zugute, doch auch der Kofferraum legte um zwölf Prozent auf 337 Liter zu. Und der Caravan bot mit umgeklappten Rücksitzen eine 1,57 Meter lange Ladefläche. Und das alles zu nur 100 Mark höheren Preisen.
Dass der Kadett nicht nur praktisch, sondern auch optisch äußerst attraktiv sein konnte, zeigten die Opel-Designer mit dem Coupé. Bei ihm standen die Fastback-Modelle aus den USA Pate: Ein flach abfallendes Heck gab dem Coupé eine dynamische Linie und versprach Tempo. In die Annalen der Automobilgeschichte gingen die drei Lüftungsschlitze in der B-Säule ein: Sie bescherten dem attraktiven Zweitürer schon bald den Spitznamen „Kiemen-Coupé“. Heute ist diese Kadett-Variante bei Sammlern besonders begehrt. Ebenfalls Geschichte schrieb der Werbeslogan „Opel Kadett. Das Auto“, den sich später auch Volkswagen zu Eigen machte. „Opel Kadett – Kurz gesagt O.K.“, lautete ein weiterer Spruch.
Zum erreichbaren Sehnsuchtsobjekt für viele Auto- und Motorsportfans wurde in der Folge schließlich der Rallye-Kadett. Mit ihm besetzte Opel die Nische der erschwinglichen Kompaktsportler. Das mit mattschwarzer Motorhaube und Zierstreifen optisch markante Coupé war zunächst mit einer 60 PS (44 kW) starken Zwei-Vergaser-Version des für alle Varianten erhältlichen 1,1-Liter-Motors zu haben, und ab 1967 sogar mit einem 1,9-Liter-Aggregat. Das 90-PS-Triebwerk (66 kW) beschleunigte das Coupé auf 170 km/h, ein sportlich ausgelegtes Fahrwerk sorgte für Sicherheitsreserven. Der Kadett Rallye bot mit seiner sportlichen Ausstattung und seinen Fahrleistungen eine gute Basis für den Breitensport. Die mattschwarz lackierte Motorhaube war übrigens keine Design-Spielerei, sondern verhinderte bei starker Sonneneinstrahlung eine Blendung des Fahrers – eine Erfahrung, die im Rallyesport der damaligen Zeit ihren Ursprung hatte. Die spezielle Lackierung wurde rasch zum Markenzeichen des sportlichsten Kadett.
Im In- und im Ausland macht die Rallyeversion durch zahlreiche Erfolge auf sich aufmerksam und fuhr jede Menge Siege ein. Der gleichermaßen zuverlässige wie preiswerte Sportler feierte Erfolge bei der Rallye Stuttgart-Lyon-Charbonnières, der Hessen-Rallye, der Rallye Trifels und der Tour de Luxembourg. Opel-Tuner Günther Irmscher gewann mit ihm die Tour d’Europe. Im selben Jahr feierte das Fahrzeug den bis dahin größten Erfolg: Das Team Lambart/Vogt wurde Klassensieger bei der Rallye Monte Carlo. Allein 1968 entfielen bei insgesamt 238 Veranstaltungen 222 Klassensiege sowie 345 Gold- und 287 Silbermedaillen auf den Kadett B Rallye.
Zur Premiumvariante auf Basis des B-Kadett wurde im September 1967 der Olympia A, mit dem Opel die Lücke zum Rekord schloss. „Der Olympia ist die konsequente Anwendung der erfolgreichen Kadett-Konzeption nach oben“, verkündeten die Opel-Presseunterlagen von damals, „bei gleich kompakten Außenabmessungen überzeugt der Olympia durch hohe Fahrleistungen und einen außergewöhnlichen Ausstattungs- und Fahrkomfort.“ Zur aufgewerteten Ausstattung des „luxuriösen“ Kompaktwagens – erhältlich mit 60, 75 und 90 PS (44, 55 und 66 kW) – zählten unter anderem spezielle Noppenteppiche und eine gepolsterte Armaturentafel „mit Edelholzcharakter“. Ein modifizierter, um die Kotflügel herumgezogener Kühlergrill mit Chromleisten, rechteckig eingefasste Frontscheinwerfer und größere Seitenscheiben hinten werteten das äußere Erscheinungsbild auf.
Der Olympia war in drei Schrägheck-Versionen erhältlich, der B-Kadett brachte es am Ende seiner Bauzeit auf acht Karosserievarianten: als zwei- und viertürige Stufenheck-Limousine, zweitüriges „Kiemen“-Coupé, als drei- und fünftüriger Caravan, zwei- und viertürige Schrägheck-Limousine „LS“ sowie als zweitüriges „LS“-Coupé. Stets verrichteten bewährte stets längs eingebaute Reihen-Vierzylinder ihre Arbeit unter der Motorhaube. Es gab sie in vier Hubraumgrößen: 1,1 Liter, 1,2 Liter, 1,7 Liter und 1,9 Liter.
Darüber hinaus war die zweite Generation des Kadett auch ein Vorreiter der Elektromobilität, denn die ersten Opel-Fahrzeuge mit Elektroantrieb basieren ebenfalls auf dem Erfolgsmodell: der Hybrid-Versuchswagen „Stir-Lec I“ (1969) und der vollelektrische Kadett XEP (1970).
Im Juli 1973 endete die Karriere des Kadett B – als echtes „Weltauto“, das in mehr als 120 Ländern rund um den Globus verkauft wurde. Zugleich bot er die Plattform für ein Traumauto vergangener Tage, den Opel GT („Nur Fliegen ist schöner“). (aum)
Veröffentlicht am 23.08.2025






























