Im Rückspiegel: Der Mazda RX-5 war ein mutiges Statement
Es war eine mutige Premiere, die so kurz nach der ersten Ölkrise gegen alle Konventionen verstieß: Während andere Hersteller damals Modelle mit Kreiskolbenmotor auslaufen ließen, überraschte der Mazda RX-5 schon bei seinem Messedebüt auf der IAA 1975, ein Jahr vor der Markteinführung, mit einem weiterentwickelten Zweischeiben-Kreiskolbenmotor, der in Japan als erster Motor die ab 1976 geltenden strengen Emissionsvorschriften erfüllte. Für Aufsehen sorgte auch das Design des luxuriös ausgestatteten Coupés. Seine sportlichen Talente und die Zuverlässigkeit der Technik bewies das damalige Spitzenmodell der Marke auch bei europäischen Tourenwagen-Rennen.
Der japanische Gran Turismo bewegte sich technisch gegen den Strom und sollte das Potenzial des Wankelmotors demonstrieren. Das weiterentwickelte Zweischeiben-Triebwerk (Typ 13B) mit zweimal 654 Kubikzentimetern Kammervolumen war nicht nur effizienter als im früheren Mazda RX-4, sondern auch die Stickoxidemissionen wurden deutlich reduziert. Nicht zuletzt dank des kompakt bauenden und leichtgewichtigen Kreiskolbenmotors punktete der 4,48 Meter lange Mazda RX-5 mit nur 1195 Kilogramm Leergewicht. So genügte eine Leistung von 115 PS (85 kW) bei 6.000 Umdrehungen in der Minute für damals durchaus sportlichen Vortrieb. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolvierte der serienmäßig mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe ausgestattete Mazda in 10,7 Sekunden und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von seinerzeit beachtlichen 185 km/h. Beachtung fanden die hohe Laufkultur des Kreiskolbenmotors auch bei schneller Fahrt und das direkte Ansprechverhalten des Antriebs.
In Japan gewann der Mazda RX-5 beziehungsweise Cosmo AP (Anti Pollution) 1976 den Medienpreis „Car of the Year“ der Zeitschrift „Motor Fan“. Bereits nach sechs Monaten überschritten die Verkaufszahlen die Marke von 20.000 Einheiten, ein bemerkenswerter Erfolg für ein Premium-Coupé mit Kreiskolbenmotor.
Die Komfortausstattung erfüllte teilweise Oberklasseansprüche. Dank des damals beachtlichen Radstands von 2,51 Metern bot der Zweitürer bis zu fünf Passagieren ausreichend Platz. Sogar der Fondeinstieg fiel dank der besonders weit öffnenden Türen (mit zwei Arretierungspunkten) leicht; zudem kamen die Fondpassagiere in den Genuss von zwei geschickt in die C-Säulen integrierten, vollständig versenkbaren „Opera-Windows“, die zusätzliche Frischluftzufuhr und eine Panoramaaussicht ermöglichten.
Das vom Layout einer Flugzeugkanzel inspirierte Cockpit des Mazda RX-5 setzte durch zahlreiche klar ablesbare Rundinstrumente und intuitiv nutzbare Schalter ergonomische Maßstäbe. Entwickelt als sportlicher Gran Turismo für gehobene Ansprüche, beeindruckte der Mazda RX-5 mit edlen Holzintarsien im Cockpit, am Handbremshebel und am Schaltknüppel. Hinzu kamen körpergerecht geformte Sportsitze mit hochwertigen Veloursbezügen, eine Sitzverstellung mit Memory-Effekt, ein Audiosystem und andere Premiummerkmale wie eine Einstiegs- und Fußraumbeleuchtung. Auch die sportlichen Leichtmetallräder waren seinerzeit fast nur Oberklassemodellen vorbehalten.
Noch exklusiver war eine andere Variante des Mazda RX-5 bzw. Cosmo AP, die allerdings nur in Japan und auf ausgewählten internationalen Märkten verkauft wurde: Der nobel ausgestattete Mazda Cosmo L („Landau“) debütierte 1977. Charakteristisch waren das mit Kunstleder bezogene Dach, ein konservatives Stufenheck-Design statt des Fastbacks sowie eine sanft schaltende Dreigangautomatik. Dagegen war der Mazda 121 (L) kein früher Vorbote der ab 1987 erfolgreichen, gleichnamigen Mazda-Kleinwagenbaureihe, sondern ein Mazda RX-5 bzw. Cosmo AP mit konventionellem 1,8-Liter- bzw. 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner statt des einzigartigen Kreiskolbenmotors. Angeboten wurde er in ausgewählten europäischen Märkten, jedoch nicht in Deutschland. Dort wurde der RX-5 ohnehin nur in kleiner Auflage verkauft.
Anfang 1979 wurde der GT dann von einem reinrassigen Sportwagen abgelöst, dem keilförmigen Mazda RX-7, dem wohl bekanntesten und populärsten Vertreter der Wankel-Baureihe bei Mazda. Fast eine halbe Million Einheiten wurden gebaut. Damit ist er bis heute das weltweit meistproduzierte Fahrzeug mit Kreiskolbenmotor. (aum)
Veröffentlicht am 04.10.2026
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