Vergangenheit informiert die Zukunft: So war Como 2026
Es verbindet sich die aristokratische Pracht historischer Villen wie der Villa d’Este - ursprünglich ein Renaissancekloster aus dem 16. Jahrhundert und später Residenz europäischer Adelsfamilien - mit dem monumentalen Rationalismus der 1930er Jahre, etwa Terragnis omnipräsenten Monumento ai Caduti am Seeufer. Die neoklassizistische Villa Erba glänzt mit historischen Gärten und ihrer Verbindung zur lombardischen Elite.
Geschichte und Stil machen den Concorso d’Eleganza weltweit einzigartig, Mobilität inszeniert sich hier als Kunstform. Heuer stand das Wochenende des von BMW gesteuerten Events unter dem Motto "Future needs Heritage". Zwischen legendären Karossen aus den Dreißigern, futuristischen Konzeptfahrzeugen und Designstudien zeigte sich eine Branche im Wandel. Luxus wird leiser, Eleganz emotionaler und Geschwindigkeit mit Charakter verbunden.
Während historische Fahrzeuge traditionell das Herzstück des Concorso bilden, sprach man heuer auch über eine Rückkehr: Alpina. Die Präsentation der Vision BMW Alpina war der eigentliche Paukenschlag des Wochenendes. Nach der vollständigen Integration in den BMW-Konzern kehrt Alpina als eigenständige Luxusmarke zurück, positioniert zwischen BMW und Rolls-Royce. Es handelt sich um ein 520 cm langes langes V8-Coupé mit langer Haube, subtilen Designelementen und einer fast schon yachtartigen Eleganz. Einen interessanten Kontrapunkt setzte das Motorrad-Concept: die BMW Motorrad Vision K18, eine amerikanisierte Interpretation klassischer Motorrad-Romantik.
Kommen wir zu den echten Klassikern: Der große Sieger des Wochenendes war die legendäre BMW 328 "Bügelfalte" von 1937. Das Einzelstück gewann den begehrten "Trofeo BMW Group - Best of Show". Die "Bügelfalte" gilt als eines der elegantesten BMW-Modelle aller Zeiten. Doch es gab so viele automobile Höhepunkte und Einzelstücke, dass es sich beinahe verbietet, einen Sieger herauszuheben. Zu bewundern war eine unglaubliche Vielfalt von Sport- und Luxuswagen - von Vorkriegs-Karossen bis hin zur jüngeren Vergangenheit.
Unter den Pretiosen befand sich beispielsweise der Volkswagen W12 Nardo, ein von Giugiaro gezeichneter Supersportwagen im Besitz der Familie Piëch. Die Studie flankierte einst die Höherpositionierung der Marke VW mit den nunmehr eingestellten Typen Passat W8, Phaeton und Touareg. Ein Bugatti EB110, Artiolis Meisterstück, stand neben dem gewaltigen Jaguar XJ220, einem Ferrari F40 und dem Le-Mans-Sportwagen Mercedes-Benz CLK GTR. Das von Fissore gestaltete Nobel-Cabrio Monteverdi Palm Beach zog die Blicke ebenso auf sich wie ein perfekt erhaltener Maserati Ghibli der ersten Generation.
Während sich an der Villa d'Este die absolute Elite traf, ist der Partner-Event an der Villa Erba bodenständiger: Hier stehen vorwiegend Fahrzeuge der 60er- bis 90er-Jahre. Dort war dieses Jahr zum Beispiel ein Ford Capri II zu sehen, japanische Sportwagen wie der Nissan Skyline R32 GT-R, ein Lotus Esprit Turbo, aber auch beispielsweise eine Studie auf Basis des ersten Renault Twingo.
Und dann gibt es noch den Fuori Concorso, den kreativen Gegenpol. Die Villen, Gärten und versteckten Innenhöfe rund um Como verwandeln sich dort in offene Bühnen für Hersteller, Designer und Sammler. So nutzten Audi und Mercedes-Benz die Gelegenheit, abseits des klassischen Concorso mit einer Vielzahl von Modellen Präsenz zu zeigen, ohne sich den strengen Regularien der Kuratoren von Cernobbio zu unterwerfen.
Kimera hat sich mit Koenigsegg zusammengetan, um seinen Restomods auf Basis des Lancia Beta Montecarlo Feuer zu verleihen; Marc Philipp Gemballa zeigte seinen vom Dakar-911er inspirierten Marsien und kündigte das nächste Modell an; Brabus schließlich zeigte den Bodo, einen Supersportwagen auf Aston-Martin-Basis, geerdet durch die Präsenz des in Sichtweite geparkten Maybach Exelero, der zur berühmten Loh Collection gehört. Porsche wartete mit Exponaten aus dem Sonderwunsch-Programm auf, Donckervoort brachte sein neuestes Modell; 911er-Flachbauten von dp und ein getunter Mercedes-Benz SEC beschworen die 80er-Jahre.
Nur von einem Thema hat man am Comer See erstaunlich wenig gehört: Von der Elektromobilität. "Future needs Heritage" - das gilt offenbar auch für den Antrieb. Und diese Botschaft von Como dürfte man in den Vorstandsetagen genau analysieren. (aum)
Veröffentlicht am 22.05.2026







































