2026-01-10 10:20:00 Automobile

Hans Herrmann ist gestorben

Carzoom.de
Fotos: Porsche via Autoren-Union Mobilität

Im Alter von 97 Jahren ist gestern Hans Herrmann gestorben. Der ehemalige Rennfahrer hat in seiner Motorsportkarriere mehr als 80 Gesamt- und Klassensiege erzielt, davon die meisten mit Porsche. Herrmann fuhr nicht nur alle großen Langstreckenrennen und Läufe zur Europa-Bergmeisterschaft, sondern führte auch unzählige Testfahrten im Entwicklungszentrum Weissach durch. Als Langstrecken- und Monoposto-Spezialist ist er als einer der zuverlässigsten und beständigsten Rennfahrer in die Motorsportgeschichte eingegangen.

Hans Herrmann wurde am 23. Februar 1928 geboren. Er schloss eine Ausbildung zum Konditor ab, um später das Café seiner Mutter übernehmen zu können. Dazu sollte es jedoch nicht kommen, denn seine Leidenschaft und sein Talent galten dem Motorsport. Im Jahr 1952 startet der gebürtige Stuttgarter mit einem Porsche 356 bei seinem ersten Rundstreckenrennen am Nürburgring – und gewann. Im darauffolgenden Jahr holte er in einem Porsche 550 Coupé den Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Ebenfalls 1953 sicherte sich Herrmann den Titel des Deutschen Sportwagenmeisters. Mercedes-Benz holte ihn daraufhin ins Werksteam, wo er Kollege von Juan Manuel Fangio, Stirling Moss und Karl Kling war. Für Porsche ging Hans Herrmann 1954 dennoch weiterhin in den kleineren Hubraumklassen an den Start und wurde im 550 Spyder Klassensieger bei der Carrera Panamericana und der Mille Miglia. Das Rennen in Italien sorgte für einen besonders spektakulären Moment: Herrmann pilotierte den offenen Mittelmotorsportwagen unter einer sich schließenden Bahnschranke hindurch. Später betitelte er das Motiv als Briefkarte mit den Worten: „Glück muss man haben.“

Nach dem Rückzug von Daimler-Benz aus dem Motorsport folgten Jahre bei Maserati, B.R.M. und Borgward sowie immer wieder Porsche. Im Jahr 1960 triumphierten Olivier Gendebien und Herrmann mit einem 718 RS 60 Spyder bei den 12 Stunden von Sebring. Es war der erste Gesamtsieg von Porsche in einem Rennen zur Langstrecken-Markenweltmeisterschaft. Wenig später gewann Herrmann gemeinsam mit Joakim Bonnier im Porsche RS 60 Spyder die Targa Florio, im selben Jahr wurde er Formel-2-Europameister mit dem Porsche 718/2. 1962 erfolgte der Wechsel zu Carlo Abarth, um bei dem Wiener Konstrukteur ab 1963 Werksfahrer zu werden. 1966 kehrte er in die Porsche-Werksmannschaft mit den Rennfahrern Jo Siffert, Vic Elford, Rolf Stommelen, Udo Schütz und Gerhard Mitter zurück.

Das härteste Rennen seines Lebens stand Herrmann im Jahr 1970 mit dem Porsche 917 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans bevor. „1969 habe ich den Sieg knapp an Jacky Ickx verloren, nachdem wir uns die letzten eineinhalb Stunden des Rennens in jeder Runde ein paar Mal überholt hatten. 1970 sorgte Ferdinand Piëch dafür, dass wir mit einem stärkeren Motor echte Siegchancen hatten. Dass ich genau ein Jahr nach dem knapp verpassten Sieg in Le Mans gewinnen konnte, war natürlich speziell. Außerdem war es der erste Gesamtsieg für Porsche – und es war mein letztes Rennen“, sagte Herrmann einmal rückblickend. Zu viele Freunde hatte er bis zu diesem Junitag schon verloren, seine Frau sorgte sich und auch Herrmann war klar: „Es kann ja nicht sein, dass ausgerechnet ich so viel Glück habe, und irgendwann ist diese Phase vielleicht zu Ende.“

Hans Herrmann begleitete das Porsche-Museum noch Jahrzehnte nach dem Rückzug aus dem aktiven Rennsport im Alter von 42 Jahren bei seinen Fahreinsätzen auf renommierten Klassik-Veranstaltung rund um den Globus. Hans Herrmann hinterlässt seine Frau Magdalena und zwei Söhne sowie einen Enkel. (aum)

Veröffentlicht am 10.01.2026

MotorsportPersonenHans HerrmannPorsche


 
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