2026-09-07 14:56:00 Automobile

Wiedersehen macht Freude: Klassikertreffen in Rüsselsheim

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger

In Rüsselsheim am Main dürfte in den nächsten Tagen ein deutlich erhöhtes Oldtimer-Aufkommen zu beobachten sein. Der Grund: Das Klassikertreffen in der Opel-Stadt, um die 2000er Jahre von Opel-Classic-Chef Heinz Zettl gegründet, wirft seine Schatten voraus und wird am 13. September 2026 in seiner 21. Auflage erneut stattfinden. Bei der Oldtimer-Veranstaltung treffen junge Wilde und betagte Senioren aufeinander. Und wie bereits 20 Mal zuvor, werden sie sich wieder gut vertragen. Neuer Standort der hochkarätigen automobilen Zusammenkunft ist die ehemalige Opel-Schmiede aus dem Jahr 1936. Das Teilnehmerfeld ist allerdings geschrumpft.

Nach langer Suche ist für die Veranstaltung eine neue und historisch angemessene Event-Location entdeckt worden. Die alte Opel-Schmiede, die mit ihren der Titanic ähnelnden Dimensionen einst die modernste Gesenke-Schmiede der Welt war, bietet den teils wertvollen, vor allem aber erhaltenswerten Oldies eine zeitweilige Unterkunft.

Die frühere Größe wird die Klassiker-Ausstellung aber nicht erreichen. Damals kamen bis zu 30.000 Besucher nach Rüsselsheim um die rund 3500 ausgestellten Fahrzeuge zu bestaunen. Die Oldtimer-Show war damit die größte Veranstaltung ihrer Art in Deutschland. Als Gelände wurden die Wiesen um die Opel-Villen, einst das Zuhause von Fritz von Opel, und die weitläufigen, benachbarten Main-Auen genutzt.

Dagegen erhob die Obere Naturschutzbehörde allerdings Einspruch, da es sich bei diesen Flächen um ein Landschaftsschutzgebiet handele. Nach dreijähriger, coronabedingter Unterbrechung wurde das 20. Klassikertreffen 2023 aufgrund der nicht erteilten Genehmigung abgesagt. Im Folgejahr zogen die Oldie-Freunde dann in die Rüsselsheimer Innenstadt, die allerdings weitaus weniger Abstellflächen bieten konnte als die vorher genutzten Gelände. Die Zahl der zugelassenen Teilnehmer sank auf 750, 2025 wurde das Treffen aufgrund leerer Stadtkassen erneut abgesagt. Der neue Standort, die 1936 errichtete Schmiede, in der einst Kurbelwellen, Antriebswellen und andere besonders beanspruchte Motorteile glühend unter tonnenschweren, hydraulisch angetriebenen Schmiedehämmern in Form gebracht wurden, begrenzt die Zahl der Exponate trotz seiner Größe erneut. Nur 450 Teilnehmer sind in diesem Jahr zugelassen.

Dafür finden sich jede Menge Hochkaräter in der Ausstellungsliste. Nicht zuletzt dank der Unterstützung der historischen Sammlung von Opel Classic, dessen Sprecher Leif Rohwedder einige Raritäten und Unikate aus der werkseigenen Sammlung beisteuert. So ist der RAK2 zu sehen, mit dem Raketen-Fritz (von Opel) am 23. Mai 1928, angetrieben von 24 Feststoffraketen, den neuen Geschwindigkeits-Weltrekord von 238 km/h aufstellte. Außerdem dabei der Opel-Blitz-Drehleiterwagen der Freiwilligen Feuerwehr Raunheim und das erste Kadett Cabrio von 1937. An das werden sich gewiss nur wenige Besucher erinnern, wohl aber an den Opel Commodore GS/E, der unter seiner dem Rekord sehr ähnelnden Biedermann-Karosserie einen Hochleistungsantrieb verbarg, der manchem Porsche und Mercedes auf der Autobahn das Fürchten lehrte. 150 PS (110 kW) lieferte sein 2,5-Liter-Reihensechszylinder bei nur wenig mehr als 1000 Kilogramm Gesamtgewicht, das reichte für rund 200 km/h Spitzentempo.

Dabei ist das Ausstellungsprogramm keineswegs Opel-lastig. So manche Entenfamilie will sich ein Stelldichein geben, auch die göttliche DS aus gleichem Hause hat sich angekündigt. Ob Samba-Bus oder Aston Martin, Studebaker oder Renault R 16, das Spektrum ist mehr als umfangreich. Und um die Exponate angemessen in Szene zu setzen, kleiden sich viele der Teilnehmer mittlerweile in der dem Jahrgang ihres Oldies entsprechenden Mode. Minirock trifft Turmfrisur, gewissermaßen. Auch Wackel-Dackel und Häkelklorolle sind häufig gesehene Accessoires.

Die Zuschauer beim Klassikertreffen werden aus allen Regionen Deutschlands erwartet, auch aus den europäischen Nachbarn liegen bereits Buchungen vor. Beginn ist vormittags um 10 Uhr, um 13 Uhr gibt es eine Parade der 30 schönsten Oldies und um 16 Uhr endet die Veranstaltung. Wer mit dem Auto zum Treffen kommt, findet auf den angrenzenden Opel-Mitarbeiterplätzen reichlich Parkflächen vor. Bahnfahrer sind wegen einer Störung der S-Bahn-Linien 8 und 9 benachteiligt, beim Schienenersatzverkehr mit Bussen sind Engpässe nicht auszuschließen. Für die Besucher aus der Region empfiehlt sich das Fahrrad. Verbrauchte Energie gibt es schnell an den zahlreichen Food-Trucks zurück, die für Verpflegung sorgen. Auch mehrere Unterhaltungsprogramme hat die Stadt als Veranstalterin angekündigt. Unter anderem steht die „Horst-Tappert-Show-Band“ auf der Bühne, die mit ihrem Hit „Harry, hol‘ schon mal den Wagen“ für Begeisterung sorgen dürfte.

Bereits eine Woche vor der Veranstaltung, laufen sich die historischen Automobile offensichtlich schon warm. Auf den Straßen und den Parkplätzen der Einkaufszentren im Umfeld sind eine ganze Reihe von Kadetten, Mantas oder auch GT-Sportler zu entdecken. Mehr als 125 Jahre Automobil-Geschichte lassen die Herzen der Oldie-Fans in Rüsselsheim immer noch ein wenig höher schlagen. (aum)

Veröffentlicht am 07.09.2026

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