2026-06-11 16:16:00 Automobile

125 Jahre Motorsport bei Skoda (12): Der letzte mit Heckmotor

Carzoom.de
Fotos: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Kaum ein Jahrzehnt nach der Premiere des legendären Skoda 130 RS Coupé stand mit dem 130 LR die nächste Generation von Rallye-Fahrzeugen aus Mladá Boleslav am Start. Er wurde in der berüchtigten Gruppe B gefahren und fuhr dort gegen weit leistungsstärkere Kontrahenten mit Kompressoraufladung namhafter Hersteller. Trotzdem feierte Skoda mit seinem letzten Rennwagen mit Heckmotor Erfolge gegen die Konkurrenz.

Mit seinem Heckmotor und -antrieb wies der Skoda 130 LR im Vergleich zu den Modellen der Konkurrenz eine vergleichsweise unkonventionelle Konstruktion auf. Das einzige Fahrzeug auf der Strecke mit einer ähnlichen technischen Konzeption war der Porsche 911. Die Entwicklung des 130 LR begann, nachdem die Abschaffung der Gruppe 2 die lange, erfolgreiche Karriere des 130 RS beendet hatte. Die Aufgabe bestand darin, einen Nachfolger zu entwerfen, da dessen Homologation fast abgelaufen war. Gleichzeitig sollte ein Fahrzeug auf Basis der Großserie 105/120 präsentiert werden. Das neue Auto sollte noch leichter, schneller und wendiger sein als sein Vorgänger.

Um dies zu erreichen, fanden die Konstrukteure in der Motorsportabteilung von Skoda mehrere Ansätze. Der Motor mit 1,3 Litern Hubraum erhielt einen neuen Achtkanal-Zylinderkopf aus Aluminium. Dieser stammte aus der Antriebsstrangentwicklung für den Skoda Favorit, an dem gerade gearbeitet wurde. Mit zwei Weber-Doppelvergasern leistete das Aggregat 130 PS, die über ein Fünf-Gang-Getriebe und ein Sperrdifferenzial auf die Hinterräder übertragen wurden.

Die 130 PS trafen auf ein geringes Leergewicht von nur 730 Kilogramm. Die Motorhauben und Türen des LR bestanden aus Aluminium; die Seitenfenster und später auch die Heckscheibe waren aus Plexiglas gefertigt. Alles, was nicht unbedingt notwendig war, wurde aus dem Fahrzeug entfernt, während ein Leichtmetall-Schutzrahmen von Heigo die Insassen schützte.

Für eine verbesserte Manövrierfähigkeit verfügte der 130 LR über eine neue Hinterachse mit modifizierter Kinematik. Dies ermöglichte die Einstellung der Bodenfreiheit und den Einbau eines Stabilisators. Zudem wurde die Vorderradaufhängung modifiziert. Die vorderen Bremsscheiben wurden gekühlt, und an der Hinterachse kamen Scheibenbremsen zum Einsatz – eine weitere technische Innovation. Das Bremskraftverhältnis zwischen Vorder- und Hinterachse war einstellbar und es wurde eine hochmoderne hydraulische Handbremse eingebaut.

Die Homologation des Skoda 130 LR, also die Prüfung einer Serie von 200 Einheiten durch die Internationale Automobilföderation (FIA), fand am 19. Dezember 1984 im Werk Vrchlabí statt. Bei seinem ersten Auftritt, der Valaská zima Rallye im Februar 1985, belegte der Skoda 130 LR mit drei gestarteten Fahrzeugen einen Platz unter den ersten drei. Seinen ersten großen internationalen Erfolg feierte der Wagen Ende 1985 bei der berühmten britischen RAC-Rallye, wo der norwegische Fahrer John Haugland den 15. Platz in der Gesamtwertung belegte.

Der nächste große Triumph folgte im Jahr darauf bei der Akropolis-Rallye, einer der härtesten Rallyes der Welt. Ladislav Krecek und Co-Pilot Borivoj Motl gewannen ihre Klasse und belegten in der Gesamtwertung den 13. Platz. Dieses Ergebnis konnten sie bei der Rallye San Remo 1986 sogar noch übertreffen, als sie in der Gesamtwertung auf den sechsten Platz kamen. Der größte Erfolg war der Sieg des österreichischen Fahrerduos Gerhard Kalnay und Günter Tazreiter in der Gesamtwertung der Marlboro Günaydin Turkish Rally. Bei dieser Runde der Europameisterschaft ließ der Škoda 130 LR den Peugeot 205 Turbo 16, den Audi Quattro, den MG Metro 6R4, den Renault 5 Turbo und andere starke Fahrzeuge im Feld weit hinter sich.

Nach einer Reihe tödlicher Unfälle während der Saison 1986 verkündete die FIA gegen Ende der Saison das Ende des Gruppe-B-Rennsports, was faktisch das Ende der internationalen Karriere des 130 LR bedeutete. Der 130 LR startete noch zwei weitere Jahre in der nationalen Meisterschaft und im damaligen Peace and Friendship Cup, wo das Duo Pavel Sibera/Petr Gross in der Saison 1988 den letzten Meistertitel in dem Heckmotorwagen errang. Während dieser Zeit trat das Werksteam bereits in internationalen Rennen mit den für die Gruppe A modifizierten Skoda 130 L an, die nur geringfügig angepasst worden waren. Gleichzeitig lief die Produktion des neuen Favorit mit Frontmotor an und die Konstrukteure konzentrierten sich auf die Entwicklung eines neuen Rallyewagens mit Frontantrieb.

Aufgrund des seit den 1980er Jahren wachsenden Interesses an Rallye-Fahrzeugen sind die originalen Werkswagen heute bei Sammlern sehr gefragt und werden zu entsprechend hohen Preisen gehandelt. Neben den 200 Homologationsfahrzeugen und 20 Rennwagen entstand noch eine unbekannte Anzahl von Fahrzeugen, die auf 130-LR-Spezifikationen umgebaut wurden. (aum)

Veröffentlicht am 11.06.2026

Marken & ModelleSkodaOldtimer & HistorieMotorsportSkoda 130 LR


 
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