125 Jahre Motorsport bei Skoda (13): Der Favorit wurde seinem Namen gerecht
Während der Skoda 130 LR im September 1987 noch auf heimischen Pisten unterwegs war, vollzog sich auf der Internationalen Technischen Messe in Brünn der Paradigmenwechsel, als Škoda den Favorit unter großem Interesse vorstellte. Der moderne Fließheckwagen mit Frontmotor und -antrieb war eine völlig Neuentwicklung, und der tschechische Automobilhersteller glaubte, dass er auch auf den anspruchsvollen westeuropäischen Märkten gute Absatzchancen haben würde. In Mladá Boleslav begann das Team sofort mit der Arbeit an einer Rallye-Version, deren Erfolg entscheidend für die internationale Vermarktung des neuen Modells sein sollte.
Werksfahrer Vladimír Berger spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Rennwagens. Zu Tuningzwecken fuhr er den noch nicht offiziell homologierten Skoda Favorit bei ausgewählten Rallyes der tschechoslowakischen Meisterschaft 1988 ein. Die Homologation des Fahrzeugs erfolgte am 1. Januar 1989 unter der Zulassungsnummer A-5373. Der Favorit feierte kurz darauf bei der traditionellen Rallye „Valašská zima“ mit den Fahrerduos Krecek/Motl, Sibera/Gross und Berger/Petera sein erfolgreiches Debüt.
Die internationale Sportbühne betrat der Favorit bei der finnischen Hanki-Rallye, wo er mit Kalevi Aho am Steuer den Klassensieg errang. In den folgenden Jahren dominierte der Favorit zahlreiche Wettbewerbe und gewann fast jedes Rennen in seiner Klasse. Auch bei anspruchsvollen WRC-Läufen wie der Rallye Monte Carlo, der RAC-Rallye, der finnischen 1000-Seen-Rallye und der Akropolis-Rallye setzte er sich gegen die Konkurrenz durch. Besonders beeindruckend war die Siegesserie von Pavel Sibera und Beifahrer Petr Gross, die zwischen 1991 und 1994 bei der Rallye Monte Carlo viermal in Folge ihre Klasse gewannen.
1993 traten mit der Einführung der Weltmeisterschaft für Fahrzeuge mit Saugmotoren, einem maximalen Hubraum von zwei Litern und einer angetriebenen Achse – der sogenannten Formel 2 – neue Regeln in Kraft. In der ersten Saison belegte das Motorsport-Werksteam von Skoda den zweiten Platz, bevor es im folgenden Jahr zahlreiche namhafte Konkurrenten hinter sich ließ und sich den Weltmeistertitel in der Formel-2-Klasse sicherte.
Als Rallye-Fahrzeug der Klasse A sah der Skoda Favorit auf den ersten Blick dem Serienmodell sehr ähnlich. Die Steifigkeit der Karosserie, die aus dünnerem Blech gefertigt war, wurde durch einen zertifizierten Sicherheitsrahmen erhöht. Im Gegensatz zur Serienversion verfügte das Dach über eine mechanische Klappe, die die Belüftung im Innenraum verbesserte. Die Fenster und Türverkleidungen stammten jedoch aus dem Serienmodell. Die Polsterung und der Rücksitz wurden entfernt und mehrere zusätzliche Maßnahmen senkten das Leergewicht auf 750 Kilogramm.
Das Armaturenbrett blieb unverändert, doch die Anzeigen und Schalter wurden so angepasst und positioniert, dass sie bei Bedarf auch vom Beifahrer bedient werden konnten. Der Bremsdruck wurde über einen Bremskraftverteiler, der je nach Straßenverhältnissen angepasst werden konnte, auf die Hinterräder geleitet. Ein Sportlenkrad, das die Fahrer meist von Fahrzeug zu Fahrzeug mitnahmen, vereinfachte das Handling des Favorit.
Der Motor verfügte über eine OHV-Ventilsteuerung. Gegenüber dem Serienmotor stieg der Hubraum leicht von 1289,4 Kubikzentimeter auf 1.299,6 ccm. Die Pleuel, Nockenwellen und weitere Teile waren neu. Anfangs leistete der Motor 103 PS (76 kW) bei 6500 Kurbelwellenumdrehungen. Später stieg die Leistung dank eines Pierburg-Doppelvergasers auf 120 PS (88 kW) bei 7000 U/min. Zunächst kam ein Fünf-Gang-Getriebe zum Einsatz, das später durch ein Sechs-Gang-Getriebe mit Stirnradverzahnung ersetzt wurde. Die Höchstgeschwindigkeit des Favorit lag je nach Gesamtübersetzung zwischen 150 und 210 km/h.
Die weiße Karosserie war ursprünglich mit roten und blauen Streifen versehen, die später einem Schachbrettmuster in denselben Farben wichen. Dieses wurde 1993 durch das grüne Siegeszeichen „V“ und einen roten Streifen ersetzt – das heutige Emblem der RS-Fahrzeuge.
Der für den Rennsport modifizierte Favorit 136 L/A behauptete sich auch abseits der Rallyestrecken auf Rundstrecken und bei Bergrennen. Speziell für den Rundkurs entwickelt wurde 1989 der Favorit 136 L/H mit auf 1,6 Liter vergrößertem Vierzylinder. Er verfügte über zwei Weber-Doppelvergaser und 167 PS (123 kW) bei 6500 Touren. Das maximale Drehmoment von 176 Newtonmetern stand bei 5500 U/min zur Verfügung. Das Fahrzeug erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h und beschleunigte in sechs Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Motor wurde später mit Direkteinspritzung ausgestattet, wodurch die Leistung auf 175 PS (129 kW) stieg. Unter anderem nahm der modifizierte Favorit am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teil, wo das Trio Kvaizar/Samohýl/Obermann einen Klassensieg errang.
Obwohl er 1995 vom Felicia abgelöst wurde, blieb der Favorit als leistungsstarkes und zugleich erschwingliches Sportfahrzeug noch viele Jahre lang auf den Startlisten zahlreicher Rennen vertreten. (aum)
Veröffentlicht am 12.06.2026













