2026-06-14 14:56:00 Automobile

125 Jahre Motorsport bei Skoda (14): Der Felica zeigt Flagge

Carzoom.de
Fotos: Auto-Medienportal.Net/Skoda

Nach dem Sieg des Skoda Favorit in der Weltmeisterschaft für sogenannte Formel-2-Fahrzeuge waren die Erwartungen an den 1995 vorgestellten Felicia Kit Car hoch. Das gesamte Karosserieskelett sowie das Dach, die Türen, die Motorhaube und die Fenster stammten vom Serienmodell. Auch die Außenmaße waren praktisch identisch. Die einzigen Unterschiede waren die breiteren Kotflügel für größere Räder und leicht modifizierte Stoßfänger. Das Armaturenbrett entsprach ebenfalls dem des Serienmodells, doch anstelle der üblichen Instrumentengruppe wurden spezielle Stack-Instrumente eingebaut. Die Bremsen stammten von AP Racing, die Stoßdämpfer lieferte Proflex.

Die bedeutendsten Änderungen gegenüber dem Serienfahrzeug fanden unter der Motorhaube statt: Als Skoda Motorsport das Kit Car entwickelte, stand dem Team nicht nur der bewährte OHV-Motor mit 1,3 Litern Hubraum zur Verfügung, sondern auch ein Motor mit 1,5 Litern Hubraum. Mit diesem Motor wurde das Fahrzeug schließlich homologiert– während die Konkurrenz meist auf 2,0-Liter-Vierzylinder setzte. Heute später mögen die Leistungen von 136 PS und 156 PS bescheiden erscheinen, doch die Motoren waren sowohl zuverlässig als auch leicht. Kolben und Kurbelwelle waren und der Motor verfügte über eine Mehrpunkt-Kraftstoffeinspritzung, Bosch-Einspritzdüsen, Jenswey-Drosselklappen, Champion-Zündkerzen und speziell entwickelte Sportkatalysatoren, die die Leistung nicht beeinträchtigten. Die McPherson-Vorderachse war frei einstellbar und alle Einstellungen wurden zuvor bei Testfahrten auf der Straße geprüft. Die verstärkte Hinterachse basierte auf der des Felicia Pick-ups.

1995 nahm das Motorsport-Team aus Mladá Boleslav an insgesamt 24 Rallyes teil, von denen vier zur Weltmeisterschaft zählten. Der dritte Platz in der Formel 2 kam dennoch überraschend. Nur die Teams von Peugeot und Renault mit ihren leistungsstärkeren Fahrzeugen waren besser. Skoda wurde aber klar, dass das Fahrzeug einen leistungsstärkeren Motor benötigte, wenn es in seiner Klasse regelmäßig Siege einfahren sollte. Dank der bereits bestehenden Verbindung zum Volkswagen Konzern konnten die Konstrukteure einen Vierzylinder mit 1,6 Litern Hubraum und Mehrpunkt-Einspritzung einsetzen, der zeitgleich auch in Serienfahrzeugen mit dem geflügelten Pfeil sein Debüt feierte.

Volkswagen selbst hatte den Motor noch nie im Rennsport eingesetzt, so dass Skoda fast vollständig für dessen Entwicklung verantwortlich war. Die Kolben, Pleuel und die Kurbelwelle des Vierzylinder-Gussmotors wurden geschmiedet, und für die Ventilsteuerung kam eine neue Nockenwelle zum Einsatz. Die daraus resultierende Leistung von 174 PS bedeutete eine Steigerung um 18 PS im Vergleich zum schwereren 1,5-Liter-Antrieb. Der größte Vorteil des neuen Motors war jedoch sein breiteres Leistungsband.

Der 1,6-Liter-Motor kam erstmals in Portugal zum Einsatz, wo Pavel Sibera unter den Fahrzeugen mit einer angetriebenen Achse den zweiten Platz belegte. In Australien holte er den Sieg und in Neuseeland ließ Emil Triner die Konkurrenz hinter sich. Letzterer wurde zudem berühmt dafür, auf die Zielrampe zu driften – obwohl sein Felicia nur über Frontantrieb verfügte. Der legendäre Stiq Blomqvist feierte seinen größten Erfolg im Felicia Kit Car bei der berühmten RAC-Rallye in Großbritannien. Neben dem Klassensieg belegte er auch den dritten Platz in der Gesamtwertung.

Auch in der heimischen Meisterschaft feierten die Kit-Car-Rallyefahrzeuge regelmäßig Erfolge, doch bereits 1997 wurden sie nach und nach durch den größeren Octavia abgelöst. Dieser war der Vorläufer des allerersten Rallyefahrzeugs von Skoda mit Allradantrieb, des Octavia WRC. Der Felicia Kit Car stand aber noch lange nach dem Ende seiner offiziellen „Werkskarriere“ ‘ auf den Startlisten vieler Rennen. (aum)

Veröffentlicht am 14.06.2026

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