2026-06-01 10:22:00 Automobile

125 Jahre Motorsport bei Skoda (3): Monte Carlo 1936 hallt bis heute nach

Carzoom.de
Fotos: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Skoda führt den Beginn seiner Motorsport-Ära auf einen Motorraderfolg im Juni 1901 zurück. Seinerzeit errang Narcis Podsednícek auf einer Slavia B der Vorläuferfirma Laurin & Klement beim fast 1200 Kilometer langen Rennen Paris–Berlin einen Sieg, der im Ziel allerdings nicht offiziell bestätigt wurde. Da niemand so früh mit dem Werksfahrer gerechnet hatte, war das Zeitnahmebüro morgens um 3 Uhr noch geschlossen. Die Bestätigung seiner Ankunft durch örtliche Polizisten erkannten die Veranstalter nicht an und ernannten stattdessen vier Franzosen auf Dreirädern der Marke De Dion-Bouton zu den Gewinnern. Trotz des eher unglücklichen Ausgangs wurde schnell klar, dass Siege im Motorsport das Geschäft und damit auch die Entwicklung des aufstrebenden Unternehmens aus Mladá Boleslav beflügeln würden. Einen der größten Rennerfolge verbuchte Skoda vor 90 Jahren: Zdenek Pohl und Jaroslav Hausman belegten bei der Rallye Monte Carlo 1936 mit ihrem Popular Sport den zweiten Platz in der Klasse bis 1,5 Liter Hubraum.

Die ebenso berühmte wie anspruchsvolle Rallye Monte Carlo wurde erstmals 1911 ausgetragen, um auch in den kalten Wintermonaten Touristen ins Fürstentum Monaco zu locken. Zdenek Pohl und Jaroslav Hausman nahmen mit dem Skoda Popular Sport vom 25. Januar bis 2. Februar 1936 an der Veranstaltung teil. Da die Länge und der Schwierigkeitsgrad der Strecke ab dem offiziellen Startpunkt ebenfalls entscheidend für den Erfolg bei der Rallye waren, starteten die beiden mit ihrem Roadster in Athen und fuhren über die Riviera nach Monaco. Weitere mögliche Startorte waren seinerzeit Bukarest, Palermo, Stavanger oder Tallinn. Innerhalb von 17 Stunden legten sie 850 Kilometer von Prag bis zur Fähre in Triest zurück. Nach der Ankunft in der griechischen Metropole Athen hatten Pohl und Hausman vier Tage Zeit, sich zu erholen und ihr Fahrzeug technisch vorzubereiten – ohne die Hilfe eines Mechanikers oder eines professionell ausgestatteten Servicefahrzeugs.

Die 3852 Kilometer lange Reise über Thessaloniki, Belgrad, Budapest, Wien, Straßburg und Avignon nach Monaco dauerte insgesamt vier Tage. Pohl erinnerte sich später: „Ich habe unterwegs seltsame Dinge gesehen. Einmal kam ein Pferd mit voller Geschwindigkeit rückwärts auf uns zu; ein anderes Mal musste ich einem Elefanten ausweichen. Die Straße war natürlich frei – wir halluzinierten nach vier Nächten ohne Schlaf. Das Brummen des Motors machte uns müde, außerdem war es sehr neblig.“ Von den 105 gemeldeten Teams beendeten 1936 nur 72 Fahrzeuge die Rallye Monte Carlo. Der Popular Sport erreichte das Ziel ohne Strafpunkte, bestand zudem die technische Abnahme und schnitt bei der Fahrprüfung gut ab. Damit sicherten sich Pohl und Hausman in der Klasse unter 1500 Kubikzentimeter Rang zwei.

Ihr Erfolg war das Ergebnis sorgfältiger Vorbereitung. So testete das Duo beispielsweise seine Lederoveralls und Offroad-Reifen im verschneiten Riesengebirge. Da sich die beiden während der Vorbereitung nicht einigen konnten, ob eine Holz- oder eine Blechschaufel besser geeignet wäre, um das Auto aus dem Schnee zu befreien, packten sie schließlich beides ein. Ihr Wagen war mit dem modifizierten Fahrwerk der leichteren Popular-Baureihe ausgestattet, der Motor stammte jedoch vom leistungsstärkeren Rapid. Der Vierzylinder mit einem Hubraum von 1386 Kubikzentimetern leistete 34 PS, die Höchstgeschwindigkeit lag bei rund 110 km/h. Neue Ate-Hydraulikbremsen verbesserten das Bremsverhalten. Zwei Benzintanks mit einem Gesamtvolumen von 170 Litern garantierten eine Reichweite von 1500 Kilometern. Der Verbrauch betrug 11,3 Liter pro 100 km.

Das Gesamtgewicht des Popular Sport belief sich auf 790 Kilogramm, wovon auf die offene Karosserie nur 250 Kilogramm entfielen. Das voll beladene Fahrzeug wog rund 960 Kilo, dazu kamen 170 Kilogramm für den Fahrer und Beifahrer. In der kalten Jahreszeit profitierten Pohl und Hausman von der Heißluftheizung sowie von einer Halterung für eine Thermoskanne und der teilweise beheizten Windschutzscheibe. Auch der umklappbare Beifahrersitz erwies sich als nützlich, da sich der Beifahrer während der Fahrt ausruhen konnte.

Skoda nutzte den großen Erfolg bei der Rallye Monte Carlo, um die Modellpalette um eine exklusive Serie von sportlichen Modellen zu erweitern. Der erste Popular Monte Carlo Roadster wurde im Juli 1936 ausgeliefert, gefolgt vom ersten Coupé im August 1936. Die offizielle Präsentation fand am 1. Oktober 1936 auf dem Pariser Automobilsalon statt. Bis 1939 wurden rund 70 Roadster und Coupés dieser Serie gebaut. Zu den Kunden zählte auch der damals vierzehnjährige jugoslawische König Petar II. Karadordević. Eines der Fahrzeuge ist seit 1968 Teil der Sammlung des Skoda-Museums. Das schwarze Popular Monte Carlo Coupé aus dem Jahr 1937 ist eines von nur 20 erhaltenen Exemplaren. Es wurde Anfang der 2000er Jahre sorgfältig restauriert.

Das Design der Modelle mit ihren charakteristischen Scheinwerfern und dem Gitter vor dem Kühlergrill ist vom Stil der Zwischenkriegszeit geprägt. Mit seinen elegant geschwungenen Linien ist der Popular Monte Carlo bis heute eine Designikone in der Unternehmensgeschichte. Heute erinnert die Ausstattungslinie „Monte Carlo“ für die Modellreihen Fabia, Scala und Kamiq an den ersten großen und weitere Motorsporterfolge von Skoda bei der Rallye im Fürstentum Monaco. (aum)

Veröffentlicht am 01.06.2026

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