2026-06-02 09:12:00 Automobile

125 Jahre Motorsport bei Skoda (4): Nomen est omen

Carzoom.de
Fotos: Skoda via Autoren-Union Mobilität

Unter allen Modellen in der Geschichte von Skoda nimmt der Sport eine besondere Stellung ein – bis heute ist er das letzte tschechische Auto, das mit einer tschechischen Besatzung an den berühmten 24 Stunden von Le Mans teilgenommen hat. Der internationale Motorsport blühte wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg auf. So wurde beispielsweise 1949 das berühmte 24-Stunden-Rennen von Le Mans wieder ausgetragen, und ein Jahr später startete die neu gegründete Formel-1-Serie. Die Tschechoslowakei wollte sich der internationalen Konkurrenz mit einem im eigenen Land gebauten Fahrzeug stellen, um die Haltbarkeit von Serienbauteilen zu testen und Fahrzeuge der Marke Skoda im Ausland zu bewerben. Daher fiel die Entscheidung für den Bau des – nomen est omen – Sport, einer sportlichen Variante auf Basis des 1946 vorgestellten Skoda 1101 „Tudor“ (= two door(s) / zwei Türen).

Der Rennwagen entstand 1949 und verfügte über ein gewichtsoptimiertes Fahrwerk des Skoda 1101. Aufgrund der geringen Höhe des Fahrzeugs wurde der Antriebsstrang neu positioniert, das Mittelrohr um 40 Zentimeter gekürzt und die Gabel des Skelettrahmens vorne verlängert. Die Konstrukteure passten zudem die Anordnung der Lenkung und der Pedale an. Das Fahrzeug erhielt eine niedrige, offene Karosserie, die von Hand aus Aluminiumblech gefertigt wurde. Der Kraftstofftank befand sich hinter den beiden Sitzen, und die Kraftstoffzufuhr erfolgte über eine elektrische Pumpe. Der Kühlergrill hatte fünf Rippen, und die Frontscheinwerfer waren in den Frontbereich eingelassen.

Für den Bau des Skoda Sport wurden größtenteils Serienteile des Tudor verwendet, darunter die 12-Volt-Bordelektrik der Firma PAL und Barum-Reifen. Es wurden zwei blau lackierte Fahrzeuge mit 1,1-Liter-Motoren gebaut. Einer dieser Rennwagen sollte in der Klasse bis 1500 ccm antreten und leistete mit einem zusätzlichen Roots-Kompressor 56 PS, während das für die Klasse bis 1100 Kubikzentimer vorgesehene Fahrzeug ohne Kompressor 42 PS leistete.

Beide Fahrzeuge traten am 25. September 1949 erstmals beim Brünner Stadtpreis an, dem letzten tschechoslowakischen Grand Prix für Monopostos. Jaroslav Netusil fuhr im Fahrzeug ohne Kompressor den Klassensieg ein, während Václav Bobek mit dem Kompressormodell den zweiten Platz in der Klasse bis 1,5 Litern Hubraum belegte.

Für das Rennen in Le Mans wurde beschlossen, das Fahrzeug ohne Kompressor einzusetzen und den Sport weiter zu optimieren. Entsprechend den französischen Vorschriften und den bisherigen Erfahrungen wurde der Radstand um 180 Millimeter verlängert und an den Seiten des Kühlergrills wurden zwei zusätzliche Scheinwerfer angebracht. Das nun in den Nationalfarben lackierte Auto wurde zudem mit einer Windschutzscheibe vor dem Beifahrersitz ausgestattet und fuhr bei seinem Rennen an der Sarthe auf Michelin-Reifen.

Mit vollem Tank sowie Werkzeug und Ersatzteilen, die als einzige für notwendige Reparaturen während des Rennens erlaubt waren, wog das Auto gerade einmal 700 Kilogramm. Unter der Motorhaube befand sich der bewährte, wassergekühlte Vierzylindermotor mit einem Hubraum von 1089 Kubik, der dank eines Verdichtungsverhältnisses von 8,6:1, eines Solex 40 UAIP-Vergasers und weiterer technischer Modifikationen 50 PS bei 5200 Umdrehungen in der Minute leistete. Mit dem damals üblichen Rennkraftstoff – einer Mischung aus Benzin, Ethanol und Aceton – erreichte der Skoda eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h bei einem Verbrauch von 12 Litern auf 100 Kilometer. Mit einer Tankfüllung konnte der Wagen gut vier Stunden am Stück fahren – ein klarer Vorteil für Václav Bobek und Jaroslav Netusil, die ohne Tankstopp längere Strecken zurücklegen konnten als ihre Konkurrenten.

Das Rennen begann am 24. Juni 1950 um 16 Uhr mit dem klassischen Le-Mans-Start – die Autos standen auf der einen Seite der Strecke, die Fahrer auf der anderen. Auf den Startschuss hin sprinteten sie zu ihren Rennwagen und setzten sich ans Steuer. Václav Bobek und Jaroslav Netusil konnten sich lange Zeit erfolgreich gegen die Konkurrenz behaupten und lagen bald auf einem vielversprechenden Platz. Nach 13 Stunden Rennzeit verlor das Auto jedoch in der 121. Runde an Leistung und zwang das Team zur Aufgabe. Die Ursache war eine gebrochene Kolbenbolzen-Sicherung – ein kleiner technischer Defekt. Für die Reparatur durften aber ja nur im Auto mitgeführte Teile verwendet werden und eine Ersatzsicherung war nicht an Bord.
Bis zu ihrem Ausfall hatte sich der Skoda mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 126 km/h auf den zweiten Platz in der Klasse bis 1100 Kubikzentimeter Hubraum vorgearbeitet. Beeindruckend war aber auch der fünfte Platz in der damals üblichen Sonderwertung nach dem Leistungskoeffizienten. Dennoch war es nur ein schwacher Trost, dass auch keiner der Konkurrenten in der Klasse bis 1,1 Liter das Ziel erreichte.

Aus politischen Gründen ging Skoda dann im Folgejahr nicht mehr an den Start. Der Sport nahm aber in den folgenden zwölf Jahren erfolgreich an weiteren 80 Rennen in Mittel- und Osteuropa teil, bei denen auch Teams aus anderen Ländern des Ostblocks starteten. Der Rennwagen wurde im Laufe der Zeit mit immer leistungsstärkeren Motoren ausgestattet, zuletzt in der Vergaser-Version mit 120 PS und einem Motor mit zwei Kompressoren, der 190 PS leistete. Nach einigen aerodynamischen Modifikationen stellte das Le-Mans-Auto mit 160,1 km/h im Jahr 1953 den tschechoslowakischen Geschwindigkeitsrekord in der Klasse bis 1100 ccm auf. Nachdem sie aus dem offiziellen Werksteam aussortiert worden waren, übernahmen private Fahrer die Rennversionen und gingen mit ihm bis 1963 an den Start.

Im Jahr 2020 hätte der vollständig restaurierte Skoda Sport eigentlich am Gedenkrennen der Le Mans Classic zum 70. Jahrestag seines Auftritts an der Sarthe teilnehmen sollen, doch die Organisatoren waren aufgrund der Corona-Pandemie gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. Die lang erwartete Rückkehr des Originalfahrzeugs von Le Mans 1950 erfolgte schließlich vor vier Jahren, als er bei der Le Mans Classic mit seiner historischen Startnummer 44 an den Start ging. Im Juli 2025 war der Skoda Sport erneut auf der berühmten Rennstrecke zu sehen. (aum)

Veröffentlicht am 02.06.2026

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