2026-06-05 16:46:00 Automobile

125 Jahre Motorsport bei Skoda (7): Der kurze Ausflug in den Formel-Sport

Carzoom.de
Fotos: Skoda via Autoren-Union Mobilität


Der Grand Prix (GP) der Tschechoslowakei im September 1949 sollte für lange Zeit das letzte internationale Autorennen in dem damals kommunistischen Land sein. Als sich 1964 die Vorschriften für die traditionelle Formel-3-Monoposto-Klasse änderten, reagierte Skoda dank des damals bereits in der Entwicklung befindlichen 1000 MB schnell. Drei Einsitzer traten in der Saison 1965 mit den erfahrenen Fahrern Václav und Jaroslav Bobek sowie Miroslav Fousek an. Die neu geschaffene Klasse bot der Marke und ihren Fahrern zudem Gelegenheit, sich mit der Konkurrenz aus Westeuropa zu messen.

Die ersten Formel-3-Rennen fanden Ende der 1940er-Jahre statt. Als Antrieb kamen erschwingliche 500-Kubik-Einzylinder-Motorradmotoren zum Einsatz. 1951 wurde die Serie in „International F3“ umbenannt. Ende der 1950er-Jahre feierte dann in Italien die modernere Formel Junior mit serienmäßigen Vierzylindermotoren unter 1,1 Litern Hubraum ihr Debüt. Daraus entwickelte sich schließlich am 1. Januar 1964 die klassische Formel 3 mit Fahrzeugen mit Hubräumen bis zu 1000 Kubik.

Skodas Monoposto-Projekt erhielt in Mladá Boleslav die Bezeichnung 992 – ein Verweis auf die technische Ähnlichkeit mit dem Typ 990, der im Frühjahr 1964 als neu entwickelter Skoda 1000 MB serienreif war. Der erste Formel-Einsitzer wurde im Februar 1964 fertiggestellt. Er verfügte über einen Stahlrohrgitterrahmen und eine Einzelradaufhängung mit trapezförmigen Halbachsen vorne und einer Fünflenkerachse hinten. Eine selbst nach internationalen Maßstäben fortschrittliche Lösung bestand darin, Schraubenfedern und Stoßdämpfer an beiden Achsen im Inneren der Karosserie anzubringen, was sich positiv auf die Aerodynamik des Monopostos auswirkte.

Die einstellbaren Stoßdämpfer ermöglichten es, die Bodenfreiheit des Fahrzeugs zu variieren. Seine 13-Zoll-Leichtmetallräder mit Dunlop-Reifen wurden von vier Scheibenbremsen des britischen Herstellers Girling verzögert. Ein Reihenvierzylindermotor mit OHV-Ventilsteuerung und dreifach gelagerter Kurbelwelle war längs vor der Hinterachse eingebaut. Dieser Antriebsstrang wurde bis 2003 mit zahlreichen Modifikationen produziert und kam zuletzt in der ersten Generation des Skoda Fabia zum Einsatz.

Im F3-Monoposto hatte der Motor einen Hubraum von 999 ccm mit kürzerem Hub und größerer Bohrung. Ausgehend von der Fahrzeugmittelachse war er um zwölf Grad nach links geneigt und die Kupplung war am Heck angeflanscht. Zwischen Kupplung und Getriebe befand sich das so genannte Zwischengetriebe, das es ermöglichte, den Schwerpunkt des Motors abzusenken und so die Gesamtübersetzung an die Eigenschaften der jeweiligen Rennstrecke anzupassen. Das Differential entsprach der Serienproduktion. Wasser- und Ölkühler befanden sich im vorderen Teil des Fahrzeugs vor den Füßen des Fahrers. Zu beiden Seiten neben ihm befanden sich die Kraftstofftanks mit einem Gesamtvolumen von 30 Litern.

Die schlanke Karosserie bestand aus mehreren Teilen und war abnehmbar; sie wurde im Windkanal entwickelt und zunächst aus Aluminium gefertigt, kurz darauf jedoch durch glasfaserverstärkten Kunststoff ersetzt. Der Platz im Cockpit war knapp bemessen – daher wies das Lenkrad nur einen Durchmesser von 30 Zentimetern auf. Das Leergewicht des Skoda F3 betrug knapp 420 Kilogramm.

Der Ein-Liter-Motor leistete ursprünglich 72 PS bei 7250 Umdrehungen in der Minute. Durch eine schrittweise Erhöhung der Verdichtung und weitere Optimierungen wurde die Leistung bis zur Saison 1966 auf 90 PS bei 8000 U/min gesteigert, während das Gesamtgewicht des Wagens um 15 Kilogramm reduziert wurde. Ende 1964 erreichte der Škoda F3 bei Testfahrten auf dem Flugplatz in Hoskovice eine Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h, zwei Jahre später schaffte er die 200-km/h-Marke.

Zu Beginn gehörte der Skoda F3 bei allen Rennen zur Spitzengruppe. Damals fanden die Wettbewerbe noch auf natürlichen Strecken statt. Sie wurden auch auf innerstädtischen Kursen mit Kopfsteinpflaster und versunkenen Kanaldeckeln ausgetragen. So fand beispielsweise das traditionelle „Mezi pavilony“-Rennen in der Stadt Brünn auf einem improvisierten Kurs zwischen den Pavillons des Messegeländes statt. Im Jahr 1966 belegten Václav (sen.) und Jaroslav Bobek dort mit dem Skoda die ersten beiden Plätze. Jaroslav Bobek wurde im selben Jahr zum tschechoslowakischen Formel-3-Meister gekrönt, zwei Jahre später triumphierte sein Teamkollege Miroslav Fousek in der Meisterschaft der kommunistischen Länder.

Doch Ende der 1960er-Jahre sahen sich die Fahrzeuge bei internationalen Rennen zunehmend der Konkurrenz aus westeuropäischen Ländern gegenüber, wie beispielsweise den Rennwagen von Brabham und Tecno. Bei den heimischen Rennen setzten sich vor allem Lotus-Cosworth-Fahrzeuge durch, hinter deren Lenkrädern bekannte Fahrer wie Vladimír Hubácek und Vladislav Ondrejík für das Team Dukla Prag saßen. Dennoch zeigten die Skoda- Einsitzer in den oft ungleichen Kämpfen gute Leistungen. Das Schicksal der Monopostos aus Mladá Boleslav besiegelte die Änderung der Formel-3-Reglementierung im Jahr 1971, die Motoren mit einem Hubraum von 1,6 Litern vorschrieb. Der F3 von Václav Bobek sen. ist heute Teil der Sammlung des Skoda-Museums. Das Auto von Miroslav Fousek wurde 1971 dem Technischen Nationalmuseum in Prag geschenkt. Der Einsitzer von Jaroslav Bobek wurde Mitte der 1970er Jahre von Václav Král zum zweisitzigen Spider Baghira umgebaut. (aum)

Veröffentlicht am 05.06.2026

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