2026-04-04 12:26:00 Automobile

Im Rückspiegel: Die Erfolgsgeschichte begann mit einem Klassensieg in Le Mans

Carzoom.de
Fotos: Porsche via Autoren-Union Mobilität

Als erster und einziger deutscher Hersteller nach Kriegsende war Porsche 1951 beim berühmten 24-Stunden-Rennen in Le Mans am Start. Die Fahrer Auguste Veuillet und Edmond Mouche traten im Porsche 356 SL – die Abkürzung stand für „super leicht“ – in der Klasse bis 1100 Kubikzentimeter an. Prompt gelang Porsche der Klassensieg. Der Erfolg gilt als Keimzelle der Motorsport-Ambitionen der Schwaben. Langstrecke, Formelsport, Bergrennen und Rallye – seit 75 Jahren tritt Porsche im Automobilrennsport in den verschiedensten Disziplinen an.

Der 356 SL war das erste Modell, das Porsche speziell für den Einsatz im Rennsport aufgebaut hatte. Bis 1958 fuhr der Wagen sieben weitere Klassensiege in Le Mans ein. Zu Beginn der Fünfzigerjahre mischte mit Gilberte Thirion auch eine junge Rennfahrerin den Motorsport auf. Sie errang, ebenfalls in einem Porsche 356 SL, bei der „Rallye Paris–Saint Raphaël Féminin“ den zweiten Rang in ihrer Klasse.

Es waren frühe Triumphe für Porsche, und rasch kamen weitere hinzu. 1953 stellte die Zuffenhausener Marke eines der bedeutendsten Rennwagen-Modelle der Firmengeschichte vor: den Porsche 550 Spyder. Ein Modell, das in vielerlei Hinsicht spektakulär war. Legendär etwa ist die Story, die sich 1954 beim italienischen Langstreckenrennen Mille Miglia zutrug: die Rennfahrer-Ikone Hans Herrmann schoss auf einen Bahnübergang zu, an dem sich gerade die Schranke senkte. Doch anstatt zu bremsen, blieb Herrmann auf dem Gaspedal, drückte zugleich den Kopf seines Co-Piloten Herbert Linge nach unten und raste geduckt unter der Schranke hindurch. Im Ziel in Brescia feierte das Duo den Klassensieg.

Ebenfalls 1954 startete Porsche mit dem 550 Spyder bei der Carrera Panamericana in Mexiko, dem zu dieser Zeit härtesten Straßenrennen der Welt. Porsche konnte abermals den Klassensieg feiern – und ließ sich zugleich für die Namensgebung seiner Autos inspirieren: Seither nämlich ist der Namenszusatz „Carrera“ fester Bestandteil der Porsche-Welt. Tragisch hingegen ist die Bedeutung, die der 550 Spyder für den US-Schauspieler James Dean spielte. Das Jugendidol verunglückte am 30. September 1955 in eben jenem Modell tödlich. Dean war auf dem Weg zu einem Rennen.

Ende der Fünfzigerjahre wagte die Marke erstmals den Sprung in den Formel-Rennsport. Zunächst trat Porsche mit dem zum Monoposto umgerüsteten Modell 718 in der Formel 2 an. Ab der Saison 1961 mischte Porsche dann auch in der Motorsport-Königsklasse mit, zunächst ebenfalls mit dem Porsche 718. Zur zweiten Saison rollte Porsche das Modell 804 an den Start, ein Achtzylinder-Renner, mit dem das Zuffenhausener Werksteam seinen größten Triumph in der Formel 1 feierte: den Sieg beim Großen Preis von Frankreich. Es blieb der einzige Porsche-Sieg in der Formel 1, denn nach der Saison 1962 zog sich das Team aus der Rennserie zurück.

Dem Motorsport insgesamt blieb Porsche natürlich treu. So trat die Marke unter anderem bei den zu dieser Zeit äußerst populären Bergrennen an. Ein Highlight dieser Epoche war der 909 Bergspyder: die Konstrukteure verpasstem dem Modell eine Karosserie aus Kohlefaser-Verbundstoff sowie Schraubenfedern aus Titan. Am Ende war der 909 Bergspyder ein Leichtgewicht, wog weniger als 400 Kilogramm. Das Modell mit einer Leistung von 275 PS (202 kW) zeigte sich deshalb äußerst spurtstark und konnte in 2,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Die Detailoptimierungen am Bergrenner zahlten sich aus. 1968 gewann Porsche mit dem Bergspyder die Europa-Bergmeisterschaft.

Besonders große Erfolge konnte Porsche in der Folge vor allem bei den Langstrecken-Rennen erzielen. Etwa mit dem Porsche 917, einem Zwölfzylinder-Geschoss, das Ende der Sechzigerjahre zunächst mit einem Leistungsvermögen von 520 PS (383 kW) an den Start ging. Das Modell wurde zum Erfolgsgaranten: 1970 holte ein rot-weißer 917 K von Porsche Salzburg den ersten Porsche-Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Anschließend triumphierte der Porsche 917 bei weiteren Langstrecken-Rennen, etwa 1970 und 1971 bei den 24 Stunden von Daytona. Zweimal in Folge konnte Porsche 1970 und 1971 mit dem Modell den Gesamtsieg in der Sportwagen-Weltmeisterschaft feiern. Anschließend setzte Porsche den 917 erfolgreich in der kanadisch-US-amerikanischen Can-Am-Rennserie ein.

Mit dem Porsche 956 knüpfte Porsche in den Achtzigerjahren an diese Erfolge an. Der 620-PS-Renner dominierte in der neu eingeführten Sportwagen-Prototypen-Klasse „Gruppe C“. Zwischen 1982 und 1984 gewann Porsche mit dem 956 alle Titel der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Dank eines speziellen Unterboden-Designs, mit der sich der Wagen regelrecht an die Fahrbahn ansaugte und deshalb besonders schnell durch Kurven jagen konnte, war der 956 seiner Zeit weit voraus. Wie weit, zeigte sich im Jahr 1983. Denn da gelang es dem deutschen Rennfahrer Stefan Bellof bei einer Trainingsfahrt auf der Nürburgring-Nordschleife zum ersten Mal, die berüchtigte „grüne Hölle“ mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 200 km/h zu meistern. Seine Zeit – 6:11,13 Minuten – blieb 35 Jahre lang unerreicht.

Unterboten wurde die Marke schließlich 2018 von einem weiteren Porsche-Rennwagen: Dem 919 Hybrid Evo. Dabei handelte es sich um eine Weiterentwicklung des Porsche 919 Hybrid, mit dem Porsche ab 2014 in der Langstrecken-Weltmeisterschaft antrat. Mit dem Modell gelang Porsche dreimal in Folge (2015, 2016, 2017) der Gesamtsieg in Le Mans. Der Hybrid-Rennwagen mit einer Systemleistung von 900 PS (662 kW) wurde bei 34 Rennen eingesetzt und holte dabei 20 Pole-Positions, 17 Siege und sechs WM-Titel. Anschließend hatte der 919 Hybrid ausgedient.

Porsches Motorsport-Ambitionen jedoch dauern an – und starten am 20. April mit dem neuen Formel-E-Renner in die Zukunft. In der vergangenen Saison holte das Team den Hersteller- und Teamtitel. (aum)

Veröffentlicht am 04.04.2026

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